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Des Teufels Steg: Seite 94

Man sah sich noch mal kritisch die solide Konstruktion an, die die Ufer der Bode verband und bis dato allen Naturgewalten standgehalten hatte, das bunte Publikum, das über die Fußgängerbrücke wanderte und in keiner Weise als jungfräulich angesehen werden konnte, und schritt weiter, ohne länger über die verborgene Moral der Geschichte nachzudenken. Man überließ es vorerst lieber sach- und ortskundigen Leuten wie Ingrid und Rüdiger, die das Lokal am Jungfernsteg heute Nachmittag nach langer Pause wieder besuchen wollten und genug Zeit zum Nachdenken gehabt hätten, während sie warteten, bis Richard mit seiner Besichtigung der Roßtrappe fertig gewesen wäre.

Die Bode hatte unterdessen den Felswänden so viel Fläche abringen können, dass nicht nur sie in der Talsohle als breiter, kräftiger Strom ungestört fließen konnte, sondern auch ein großzügig angelegter befestigter Fußweg, ja eine kleine Straße, auf der man durchaus mit einem Kleinbus fahren konnte, neben ihr mehr als genug Platz fand, denn an seinem Rand standen in regelmäßigen Abständen richtig große Parkbänke, auf denen erschöpfte Ausflügler rasteten, und erst dahinter schimmerte durch den Pflanzenwuchs der graue Granit der Felswand. Man konnte es von unten nicht erkennen, üppig gewachsene Bäume bildeten ein Blätterdach über dem Kopf, aber die Wand war gewaltig – es war immer noch derselbe Roßtrappenfelsen, nur seine südliche Seite – und ragte nach oben bis zur Spitze, bis zum dem Hufabdruck!

Ja, ja, bis zu dem legendären Abdruck des Hufeisens im Stein oben auf dem Berg. Denn man näherte sich der verhängnisvollen Stelle im Talverlauf, an der der Sage nach die schöne Brunhilde mit ihrem Pferde über die Schlucht zum Hexentanzplatz gesprungen war und der Wüstling Bodo, der sie bedrängt hatte, mit voller Wucht ins Wasser gekracht war!

Wer die Legende nicht glaubte, war eingeladen, sich selbst von dem Wahrheitsgehalt persönlich zu überzeugen. Er musste nämlich nur versuchen, die goldene Krone, die der Prinzessin beim Sprung von ihrem Kopf in die Bode gefallen war, aus dem »Kronensumpf«, der sich gleich hier befand, zu holen. Und derjenige hätte schnell Bekanntschaft mit Bodo gemacht, der seitdem unter der Wasseroberfläche die versunkene Krone als schwarzer Hund bewachte. Es sollten ja auch schon unzählige Abenteurer und Schatzsucher probiert haben und ruhmlos dabei gescheitert sein, um nicht zu sagen in den Fluten umgekommen, in Stücke gerissen worden von der tollwütigen Bestie. Man hatte, so erzählten legendenerprobte, erfahrene Männer, generell nur zwei Versuche, um »das Ding« mit der wertvollen Krone vor der Nase des blutrünstigen Hundeviehs »zu drehen«! Die Krone war ihren Berichten zufolge unglaublich schwer und glitschte einem unweigerlich aus der feuchten Hand, kaum dass man nach dem Tauchgang die Oberfläche erreicht hatte. Und hatte man beim zweiten Versuch den goldenen Schatz der Brunhilde immer noch nicht sicher ans Ufer gebracht, war derjenige gut beraten, wenn er weitere Bemühungen vorerst unterließ. Es wurde mehrmals beobachtet, dass sich das Wasser des Kronensumpfs beim dritten Versuch in Folge rot färbte und der Taucher spurlos verschwand, als hätte es ihn nie gegeben.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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Wenn man annahm, dass jeder Sage eine wahre Begebenheit zugrunde lag, so hätte in der aufregenden Legende von der schönen Brunhilde die Prinzessin selbst der wahre Teil der Geschichte sein können. Eine andere Version der Sage berichtete nämlich etwas von einem wilden Volk der Riesen, das auf dem Berg gelebt hatte, bevor Menschen den Harz besiedelten, und die Tochter des Königs der Riesen hieß wie durch Zufall ebenfalls Brunhilde! Weiter folgte der Teil, den man schon kannte, mit Ritter Bodo aus dem Böhmerwald, dem weißen Ross und dem Sprung über die Schlucht. Kurz zusammengefasst, die Berichte von den wilden Leuten, die auf dem Berg siedelten, ihrem König und seiner schönen Tochter hätten stimmen können, denn auf dem Berg existierte seit jeher eine stolze Burg, heute unter dem Namen »Winzenburg« bekannt, von der bis in die Gegenwart nur noch Reste eines gewaltigen Festungswalls die Zeit überdauert hatten.

Die Nutzung der Burganlage durch die Ureinwohner des Harzgebirges von der Steinzeit bis ins Mittelalter war in fachlichen Kreisen unumstritten, sogar wissenschaftlich belegt aufgrund der Funde bei archäologischen Grabungen. Nichtsdestotrotz waren es nur Spekulationen und Hypothesen, die die Fantasie beflügelten, wenn man versuchte, eine Verbindung zu dem wilden Volk der Riesen mit ihrer Prinzessin Brunhilde in der Sage von den Germanen des wilden Stammes der Sachsen, die laut einer Theorie die Winzenburg errichtet hatten, herzuleiten. Aber wer wusste es schon? Sie behauptete außerdem, dass die Winzenburg eine vielbesuchte germanische Kultstätte besessen hatte und der berühmte Hufabdruck zu deren verwitterten Resten gehörte. Des Weiteren sollte der Ort noch lange Zeit nach der Christianisierung des Sachsenstammes als Schauplatz der kultischen Handlungen gedient haben, die die unbelehrbaren Germanen heimlich vollzogen hatten, um den alten Göttern zu huldigen, was auch wiederum stimmen konnte. Man wusste am Ende nicht, welcher Theorie man glauben konnte, und setzte die Wanderung fort, denn koppheister in den Fluss zu springen, um die Krone zu bergen, hatte man nicht vor.

Doch die Sache mit der schönen Brunhilde war damit noch nicht ausgestanden, denn der bequeme Fußgängerweg führte einen nunmehr zum Siebenbrüderfelsen, der auch als Goethefelsen in aller Munde war, eine gusseiserne Tafel mit dem Abbild des Dichters schmückte den rauen Stein und als hätte man auf Nummer sicher gehen wollen, dass auch wirklich jeder das unverwechselbare Profil wiedererkannte, war auf der anderen Seite des Felsblocks ein dickes Schild an der Granitwand in gleicher stilistischen Ausführung angebracht mit dem Schriftzug »GOETHE-FELSEN«.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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