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Des Teufels Steg: Seite 66
»So, die Herrschaften!« Katja betrat erneut den Speiseraum mit einem Serviertablett in den Händen. »Eine große Kanne Kaffee für Sie beide! Oder möchte jemand Tee?« »Für mich nicht«, sagte Wolfgang und Richard verneinte ebenfalls. Sie stellte das Tablett ab und deckte den Tisch mit den mitgebrachten Tellern, Tassen und Bestecken. »Zucker und Süßstoff, wenn jemand möchte.« Sie legte eine Handvoll Tütchen in die Tischmitte. »Und Kaffeesahne«, sagte Katja, während sie das Milchkännchen daneben stellte. »Brot, Käse- oder Wurstaufschnitt, Müsli und Ähnliches finden Sie dort am Buffet! Sie kennen sich ja aus, Herr Knöpfle!« »Jaja, Katja« Der Märchenjäger verschlang sie mit den Augen. »An warmen Speisen kann ich frische Crêpes, Spiegel- oder Frühstückseier anbieten«, gab die Kellnerin abschließend die verfügbaren Warmgerichte bekannt und wartete, bis sich die Gäste entschieden hatten. »Ich bekomme zwei Frühstückseier. Weichgekocht bitte«, traf Richard seine Wahl. »Kann ich auch Crêpes und Spiegeleier bekommen?«, erkundigte sich Wolfgang. »Gewiss doch«, stimmte Katja zu. »Also eine Portion Crêpes und … »Zwei«, half ihr Wolfgang bei der Anzahl. »… und zwei Spiegeleier. Und zwei weichgekochte Frühstückseier für Sie, Herr Knöpfle. Kommt gleich!« Katja entfernte sich abermals und die Männer begaben sich mit ihren Tellern in der Hand zu Auslage. »Sie haben aber einen Mordshunger, Wolfgang«, scherzte Knöpfle. »Mein lieber Mann!« Dem hungrigen Vertreter fiel auf, dass Knöpfle ihn nun endlich mit Vornamen angesprochen hatte. »Ja, Richard«, sagte er mit Nachdruck auf dem Rufnamen, »es hat auch einen Grund. Zum letzten Mal habe ich gestern Mittag etwas in meinem Mund gehabt.« »Heieiei!«, spöttelte der Schriftsteller, während er sich an der Wurstplatte bediente. »Dann schlagen Sie mal richtig zu! Wie hat es Sie überhaupt in die Gegend verschlagen, Breitscheid?« »Wie Sie schon sagten: Es ist ’ne lange Geschichte. Erzähle ich Ihnen vielleicht später. Jetzt möchte ich einfach in Ruhe was essen.« »Okay, ist ja gut!«, gab Knöpfle von sich und beide kehrten zum Tisch zurück. Die Männer hatten schon ihre erste Tasse Kaffee getrunken und ein paar Stück Wurst und Käse gegessen, als die schöne Katja wieder das Auge des Schriftstellers erfreute. Sie brachte Crêpes und Eier. »So, bitte, die Herren!«, sagte sie und stellte die warmen Speisen auf den Tisch. »Guten Appetit!« »Danke, danke!«, meinte Knöpfle. »Dann wollen wir doch mal …« Er klopfte mit dem Teelöffel gegen eines der Eier bis die Schale platzte, nahm den Becher in die Hand und begann, die harten Stückchen umständlich zu entfernen.
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Wolfgang verschlang im wahren Sinne des Wortes alles, was er sich bestellt und vom Buffet geholt hatte. Der Hunger war wirklich außerordentlich groß, musste er zugeben. Die Strapazen der letzten vierundzwanzig Stunden waren nichts mehr für sein Alter, er fühlte sich seelisch völlig zerschmettert und physisch absolut am Boden. Seine letzte Hoffnung sah er in den Pfannkuchen, die ihm seiner Meinung nach wieder die nötige Kraft geben konnten, um gleich ein Plauderstündchen mit Stachowski zu veranstalten. »Ich muss mal gleich telefonieren«, sagte er zu Knöpfle, nachdem er den Teller um zwei von den drei Crêpes erleichtert hatte. »Mit meinem Chef. Er macht sich bestimmt schon Sorgen! Wissen Sie, wo ich hier eine Telefonzelle finde?« »Sie sind also beruflich hier«, zog Knöpfle direkt seine Schlüsse aus dem Gesagten. »Was machen Sie denn so?« »Knöpfle!«, versetzte Wolfgang. »Können Sie mir bitte einfach sagen, wo hier ein Telefon ist.« »Gleich auf der Straße ist ein Münztelefon! Sie sind auch noch überaus geheimnisvoll, mein Freund!« »Nein, aber ich habe Ihnen doch …«, setzte der Vertreter zu einer Erklärung an, als der Schriftsteller ihm das Wort abschnitt. »Ach, sieh mal einer an, wer da kommt!«, sagte er laut zu dem Pärchen, das gerade das Restaurant betrat. »Na, gut geschlafen?« Die Zimmermanns standen in der Tür und Rüdiger winkte Richard Knöpfle kurz zu. »Ich habe schon mal besser geschlafen, aber immer noch ganz passabel!«, sagte er scherzhaft. »Kommen Sie doch zu uns an den Tisch«, lud Richard das Paar ein. »Dann frühstücken wir auch zusammen, wo wir doch schon gemeinsam zu Abend gegessen haben!« Auch Katja kam heraus aus dem Hinterzimmer, um die Gäste zu begrüßen, und hörte die Einladung des aufdringlichen Schriftstellers. »Guten Morgen!«, wandte sie sich an die Zimmermanns, »Wo möchten Sie nun Platz nehmen?« Ingrid überlegte nicht lange und meinte: »Wir könnten ja die Einladung annehmen. Was glaubst du, Rüdiger?« »Wieso denn nicht?«, erwiderte dieser mit einer Frage, die eher als Ja zu werten war. »Ja, gerne!« Die Kellnerin eilte zum Tisch und rückte die Stühle zurecht, noch bevor sich die Zimmermanns in Bewegung setzten. »Bitte, nehmen Sie Platz«, sagte sie zuvorkommend. »Und Sie?«, fragte Rüdiger, als die beiden endlich am Tisch saßen. »Sind Sie gestern noch lange wach geblieben?«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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