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Des Teufels Steg: Seite 59

Der Schein von gleich mehreren Fackeln, die einem ganzen Trupp bewaffneter Männer gehörten – es waren nicht weniger als ein Dutzend, schätzte das Mädchen –, machte wenige Minuten später die Nacht zum Tage. Die Krieger trugen Halbharnische am Oberkörper und das Geräusch, das Cecilia vorhin mit dem Klingeln der Münzen im Geldbeutel verwechselt hatte, wurde von den Blechplatten ihrer Rüstungen erzeugt, die sich beim Gehen aneinanderrieben. Die Männer sahen sehr bedrohlich aus, sodass Cecilia von Glück sagen konnte, die nahende Gefahr schon von Weitem erkannt und sich noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht zu haben. Sie lag bewegungslos wie ein Stein auf dem Boden mit vor Schreck gerundeten Augen und traute sich nicht einmal zu blinzeln. Die Kolonne geharnischter Männer bewegte sich schweigsam auf dem Pfad und verständigte sich mit Zeichen, als einer der Krieger, der offenkundig das Sagen hatte, dem Rest mit gedämpfter Stimme einen Befehl gab.

»Die Hexe muss zum Tanzplatz auf den Berg gegangen sein«, flüsterte er schon beinahe. »Alle Mann nach links, diesen Pfad entlang.«

Die Männer folgten ihrem Anführer auf den Hexenstieg. Die Lichter der Fackeln waren noch eine Zeit lang auf dem Hang des Felsens zu sehen und Cecilia hütete sich davor, auch nur den kleinsten Mucks von sich zu geben, schließlich wollte sie ja noch zu ihrer Mutter, anstatt im Wald als Hexe von der Garde festgenommen zu werden. Was war das bloß heute für ein schwarzer Tag, an dem sie ununterbrochen von irgendwelchen Hexenjägern verfolgt wurde, fragte sie sich. Sie richtete sich auf und schnappte gierig nach Luft, als die Lichter am Hang verschwunden waren. Bei der Aufregung hatte sie gar nicht gemerkt, dass sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte. Wer waren diese Männer? Und welcher Hexe waren sie hinterher? Wenn sie, Cecilia, diejenige war, die die Männer suchten, sollte sie sich schleunigst aus dem Staub machen, überlegte sie. Nur weg hier, beschloss sie kurzerhand, auch wenn es nicht der Fall gewesen wäre! Glücklicherweise war es nicht mehr weit bis zum Dorf. Sie sprang auf, lief zurück zum Pfad und suchte das Weite so schnell sie konnte, ohne auf Wurzeln und Steine zu achten, die aus dem felsigen Boden ragten.

In der Schlafstube brannte noch die Kerze, die Cecilia für Ursel angezündet hatte, als sie vor einigen Stunden das Haus verlassen hatte. Die Mutter schlief nicht. Sie lag bewegungslos auf dem Bett und starrte auf die Decke, als ihre Tochter von der nächtlichen Wanderung zurückkehrte.

»Wie geht es Großmutter?«, fragte Ursel mit schwacher Stimme.

Cecilia beschloss, ihre Mutter nicht unnötig zu beunruhigen und Großmutters Probleme für sich zu behalten. »Ganz gut«, antwortete sie. »Sie hat ein neues Zaubermittel entdeckt, das wird dich aufmuntern. Ich werde gleich einen Trunk zubereiten.«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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»Mmh«, gab Ursel gleichgültig von sich.

Das Mädchen ging zur Feuerstelle und stocherte mit einem Stock in der Asche. Sie fand noch ein paar glühende Kohlen tief vergraben in den Feuerrückständen von gestern Abend, legte ein wenig Holzspäne auf und pustete kräftig auf die Glut. Die trockenen Späne fingen auf der Stelle Feuer. Etwas Reisig kam noch obendrauf, bevor sie den kleinen Kessel gefüllt mit etwas Wasser über der Kochstelle aufhing und sich wieder in die Schlafstube zu ihrer Mutter begab.

»Und wie geht es dir?«, wollte die junge Frau wissen.

»Mir fehlt so weit nichts. Ich hab nur nicht geschlafen, weil ich mir Sorgen deinetwegen gemacht habe.«

»Hättest du aber nicht tun sollen. Ich bin doch wohlbehalten zurückgekehrt. Es ist auch nichts Außergewöhnliches unterwegs passiert!« Cecilia mied den direkten Augenkontakt, damit ihre Mutter sie nicht beim Lügen erwischte.

»Und dann«, beschwerte sich Ursel, »hatte ich einen furchtbaren Druck in …, du weißt schon, und konnte nicht mehr einschlafen.«

»Ach, verzeihe!«, erinnerte sich Cecilia an ihre Pflichten. »Das haben wir gleich.«

Sie holte die Nachtschüssel unter dem Bett hervor, schob Mutters Decke beiseite und sorgte dafür, dass die kranke, gelähmte Frau ihre Notdurft verrichten konnte. Alsdann wischte das Mädchen ihre Mutter mit frischen Tüchern trocken und deckte sie wieder zu.

»Ich bring nur die Schüssel raus und sehe nach dem Kessel«, sagte sie und ging zur Tür hinaus.

Das Wasser sprudelte schon in dem Topf über dem Feuer, als Cecilia von draußen zurückkam. Sie nahm etwas von den trockenen Hexenpilzen, nachdem sie die Hände gewaschen hatte, warf sie in das kochende Wasser und ließ sie eine kurze Weile im Kessel mit brodeln, wie Gerlinde es ihr nahegelegt hatte. Dann nahm sie den Kessel vom Feuer und ließ den Sud abkühlen.

»Hier, trink etwas davon.« Die junge Frau setzte sich auf die Kante des Krankenbetts und gab ihrer Mutter den Trinkbecher, in den sie zuvor den heilenden Trank umgefüllt hatte. »Ich hoffe, er wirkt das, was Großmutter Gerlinde versprochen hat. Nämlich Wunder, wie sie meinte.«

Ursel lächelte und nahm einen Schluck aus dem Becher. »Es schmeckt aber seltsam«, stellte sie fest. »So was habe ich noch nie getrunken.«

»Ja, das sagt auch Großmutter. Sie hat die kleinen Pilze erst vor Kurzem gefunden, meint sie. Und nachdem sie ihre Wirkung versucht hat, ist sie ein anderer Mensch. Wie in ›jungen Jahren‹, sagt sie. Sie nennt sie Hexenpilze.«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.908
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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