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Des Teufels Steg: Seite 36

»Sie meinen also, dass wenn Sie jetzt zum Beispiel die Legende von Bodo und Brunhilde aufschreiben, die man hier im Tal immer wieder hört, und dann als Buch veröffentlichen, kann man die nächsten paar Jahre gut davon leben?«

»Die Roßtrappe?«, erwiderte der Schriftsteller mit einer Gegenfrage. »Ja, die Geschichte habe ich gestern schon von jemandem aus dem Ort gehört, der Fluss ist ja nach diesem Bodo benannt, stimmt? Doch, die Legende wäre geeignet. Aber so einfach ist es nicht, Rüdiger, falls Sie glauben, dass das Geld gleich vom Himmel regnet, wenn Sie das, was Sie gehört haben, zu Papier bringen, gell? Leider nicht. Ich habe heute beispielsweise den ganzen Nachmittag damit verbracht, mir Szenarien einfallen zu lassen, in die man die Sage einbinden könnte, und sie natürlich aufzuschreiben.«

»Wie meinen Sie das?« Rüdiger blickte noch nicht ganz durch.

»Na ja … Wenn Sie einfach die Geschichte niederschreiben, wird sie vermutlich keiner lesen wollen, geschweige denn kaufen, es sind in aller Regel nur zwei, drei Druckseiten, für ein Buch wäre es arg wenig. Eigentlich denke ich mir meine eigene Geschichte aus und lasse die Sage auf irgendeine Weise mit einfließen, sodass zwischen den beiden Handlungen ein Zusammenhang entsteht, gell? Legenden sammeln an sich, das ist erst die Vorarbeit, die sehr zeitaufwendig ist. Bevor es zum eigentlichen Buch kommt, wenn überhaupt, vergehen noch viele Wochen, wenn nicht Monate.«

»Ach so«, gab Rüdiger von sich zufriedengestellt mit der Auskunft.

Die Kellnerin brachte die Getränke für die Herren und das Vanilleeis für Ingrid. »Rufen Sie mich, wenn Sie noch einen Wunsch haben«, sagte sie, nachdem sie das Eis und das Bier serviert sowie Richards Glas aus der mitgebrachten Flasche nachgefüllt hatte. Sie verschwand wieder im Restaurant und Knöpfle rückte endlich der goldbraunen Bachforelle mit Messer und Gabel zu Leibe. Das Gespräch ging weiter.

»Das ist ja hochinteressant!«, brachte Ingrid ihre Bewunderung zum Ausdruck.

»Mmh, hm«, gab Richard geschmeichelt etwas Unverständliches mit vollem Mund zur Antwort.

»Und was haben Sie sich denn ausgedacht?«, fragte Ingrid. »Ich meine, die Geschichte ist ja wirklich kurz: Ritter Bodo verfolg die schöne Brunhilde, um sie zur Heirat zu zwingen. Sie entkommt ihm, indem sie ihr weißes Ross kräftig anspornt, es springt über die Schlucht und rettet die Königstochter vor dem Verfolger. Bodo dagegen stürzt in die Tiefe und verwandelt sich in einen Hund, der seitdem die goldene Krone bewacht, die der Prinzessin beim Sprung in die Fluten der Bode gefallen ist. Und der Hufabdruck des Pferdes von Brunhilde ist noch bis heute erhalten geblieben. Das ist alles.«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Ja, richtig …« Knöpfle schluckte noch den Rest hinunter, trank etwas Wein und räusperte sich, ehe er weitersprach. »Ja, richtig, ich habe zwar eine längere Version gehört, aber die Geschichte geht so, wie Sie es geschildert haben. Und nein, liebste Ingrid, ich werde Ihnen auf gar keinen Fall verraten, was ich mir ausgedacht habe, tut mir leid. Zum einen ist es mein ›Betriebsgeheimnis‹ und zum anderen bin ich noch im Findungsprozess, ich weiß es noch nicht. Ich plane morgen eine Wanderung, danach werde ich mir einiges möglicherweise viel deutlicher vorstellen.«

»Oh, eine Wanderung?«, schloss sich Rüdiger wieder dem Gespräch an. »Und wohin geht’s?«

»Na zu dieser Roßtrappe, versteht sich, gell?« Richard nahm noch einen Schluck Wein. »Ich muss zuerst alles persönlich sehen: das Tal, den Berg und den Hufabdruck. Ich muss einen Eindruck von dem Ganzen bekommen.«

»Welchen Weg nehmen Sie denn? Wandern Sie oben herum oder das Bodetal hinunter?«

»Ich denke da eher an das Tal«, sagte Richard träumerisch. »Es ist ja wirklich bezaubernd schön, ich bin heute Vormittag ein Stückchen hineingewandert, es ist wie ein Bilderbuch! So bekomme ich auch etwas von der Natur mit. Man hat mir berichtet, dass es dort einen Weg aus dem Tal nach oben zur Roßtrappe gibt, nicht weit von der Teufelsbrücke.«

»Die Schurre«, half ihm Rüdiger auf die Sprünge. »Es ist aber ein sehr steiler Weg. Wir haben uns damals nicht getraut. Stimmt, Ingrid?«

»O ja!«, pflichtete ihm seine Frau bei. »Wir sind nur nach unten gelaufen, aber auch das war schon ein Abenteuer! Haben Sie eine gute Kondition?«

»Ich weiß nicht«, antwortete der Geschichtensammler, »in den Alpen bin ich mit den Hängen zurechtgekommen. Mal sehen. Ein anderes Thema beschäftigt mich: Soll ich eine Kleinigkeit zum Essen mitnehmen? Es sind immerhin mehrere Stunden hin und zurück. Was meinen Sie?«

»Es gibt da oben auch eine Gaststätte«, sagte Ingrid. »Zumindest gab es damals eine. Ich weiß nicht, ob sie noch existiert.«

»Ich würde ein paar Butterbrote mitnehmen«, meinte Rüdiger. »Nehmen Sie aber vor allem genug Wasser mit!«

»Okay«, sagte Richard einsichtig. »Ich frage Katja morgen beim Frühstück, ob sie mir ein kleines Lunchpaket machen kann.«

»Ja … die Roßtrappe«, schwärmte Ingrid. »Da gibt es übrigens einen hervorragenden Aussichtspunkt, nicht weit von dem Hufabdruck. Sie können das ganze Bodetal überblicken und Sie können direkt zum Hexentanzplatz hinübersehen!«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.906
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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