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OPEN DIGITAL LITERATURE PROJECT
Des Teufels Steg: Seite 35

Der Mann widmete sich gerade dem Rest seines Fischgerichtes und seine Frau ergriff das Wort: »Nein, noch nicht. Seit der Wende sind wir dieses Jahr zum ersten Mal wieder hier.«

»Mmh«, gab der Schriftsteller verständnisvoll von sich. »Schade. Denn ich will auch noch hin, und zwar zu Fuß. Wäre ganz praktisch, wenn mir jemand ein paar Tipps mit auf den Weg geben könnte. Auf diesem Berg muss es ja buchstäblich wimmeln von Geistern und Ungeheuern, nach allem, was man so gehört hat und vor allem gelesen! Allein die Klassiker haben darüber hunderte und aberhunderte Seiten verfasst, gell? Nach solchen Sagen und Legenden, die aber noch nicht allgemein bekannt sind, suche ich, darauf bin ich aus. Ich bin so eine Art Geschichtenjäger, wenn Sie so wollen.« Er schmunzelte.

»Tja«, sagte wieder der Mann, der seine Forelle indes gegessen hatte, »Was machen Sie dann damit? Es sind alles nur Märchen, die einzigen Ungeheuer, die je auf dem Brocken lebten, waren die Stasileute, glaube ich.«

»Na ja, je nachdem, wie man es sieht … Übrigens, ich bin Richard. Richard Knöpfle – Schriftsteller und Autor von einigen Geisterbüchern, wenn ich mich so vorstellen darf.«

»Ach, sagen Sie bloß!«, rief die Frau ungläubig.

»Das ist ja ein Ding!«, wunderte sich auch der Mann. »Wen ich bis heute in meinem Leben noch nie kennengelernt habe, ist ein Schriftsteller, ein richtiger, aus Fleisch und Blut sozusagen.«

Die Kellnerin kam mit Richards Bestellung auf die Terrasse und unterbrach die Unterhaltung: »So, Herr Knöpfle, einmal Mandelforelle mit Salzkartoffeln und Kaisergemüse.«

Sie stellte das Essen auf den Tisch und legte das Besteck, eingewickelt in eine Serviette, neben den Teller.

»Ach, das sieht ja prächtig aus!«, begeisterte sich der Geschichtenjäger.

»Guten Appetit! Möchten Sie noch etwas trinken?«, fragte die junge Frau, als sie Richards leeres Weinglas sah.

»Ja, sehr gerne, Süße! Bring doch bitte noch so einen … Oder weißt du, was, Katja? Bring doch gleich eine ganze Flasche, gell?«

»Okay, kommt gleich«, sagte sie zu Richard und wandte sich an das Paar: »Hat es Ihnen geschmeckt, Frau Zimmermann? War alles in Ordnung, Herr Zimmermann?«

»Alles bestens«, antwortete Herr Zimmermann für beide.

»Ich würde vielleicht noch gerne ein großes Vanilleeis essen«, bestellte seine Frau etwas aus dem kalorienreichen Teil der Speisekarte zum Dessert.

»Ja, gerne!«

»Und ich trinke noch ein Hasseröder«, entschied sich auch Herr Zimmermann für ein Bier zum Abschluss des Tages.

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Katja räumte die leeren Teller vom Tisch ab und fragte noch, bevor sie ging: »Also, ein großes Eis für Sie, ein Hasseröder Pils für ihren Mann und eine Flasche Wein für Sie, Herr Knöpfle. Alles richtig? Nichts vergessen?«

»Perfekt!«, bestätigte Knöpfle, während er nach wie vor nicht die Augen von dem Mädchen lassen konnte.

Die Kellnerin ging und Zimmermann griff wieder das Thema auf, bei dem das Gespräch vorhin unterbrochen worden war: »Da wir ja schon dabei waren! Ich bin der Rüdiger und meine Frau heißt Ingrid.«

»Es ist mir eine Ehre, mit Ihnen die Bekanntschaft machen zu dürfen«, verkündete Richard etwas theatralisch übertrieben seine wohlwollende Zuneigung, aber es war seine Art.

Rüdiger fuhr derweil fort: »Wir mit Ingrid schreiben keine Romane, wir sind nur einfache ingenieurtechnische Mitarbeiter des VEB Leunawerke.«

»Du wolltest sagen, wir waren einfache ingenieurtechnische Mitarbeiter«, korrigierte ihn Ingrid.

»Ja, da hast du recht! Wir haben lange Jahre in dem Konstruktionsbüro in Halle, das zu den Leunawerken gehörte, gearbeitet und jetzt braucht uns keiner mehr. Die ›Treuhand‹ hat alles verkauft und die neuen Eigentümer wollen uns nicht haben. Die haben uns erst mal beurlaubt und danach … Was sagt man dazu? Hat sich das überhaupt gelohnt, das mit der Wiedervereinigung?«

»Aber Sie bekommen doch irgendeine Abfindung oder etwas Ähnliches, gell?«, hinterfragte Richard.

»Ja, schon. Was glauben Sie denn, von welchem Geld wir hier gerade Urlaub machen? Aber trotzdem, man fühlt sich übergangen und, Entschuldigung, verarscht von Herrn Kohl.«

Richard Knöpfle konnte die Sorgen und den Frust der Familie Zimmermann zwar teilen, wollte sich aber nicht in politische Diskussionen vertiefen.

»Und ich«, wechselte er das Thema, »komme aus der ›amerikanischen Besatzungszone‹ sozusagen! Aus Württemberg. Und was ich mache, habe ich schon erzählt. Probleme hatte ich auch genug, aber seitdem ein Verlag meine Schriften veröffentlicht, geht es mir Gott sei Dank einigermaßen gut.«

»Man hört es Ihnen aber kaum an, dass Sie aus Schwaben sind!«, bemerkte Ingrid.

»Ja, was soll ich dazu …« Richard konnte seinen Satz nicht beenden, weil Rüdiger ihm plötzlich ins Wort fiel.

»Sagen Sie, kann man mit den Märchen, die sie schreiben, überhaupt etwas verdienen?«, erkundigte er sich.

»Es lässt sich davon leben, aber man muss dranbleiben. Deswegen bin ich ja hier, um Material für das nächste Buch zu sammeln, gell?«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

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Aufrufe: 7.906
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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