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Des Teufels Steg: Seite 224
»Sind Sie verrückt, Richard?«, wunderte sich der Weinvertreter über die törichteste Idee, auf die je einer gekommen sein konnte. »Sie sind ein toter Mann, Knöpfle, wenn Sie es tun! Wollen Sie das erreichen?« »Ich muss es tun … und ich werde«, blieb der Legendensammler unnachgiebig. »Wenn ich es nicht tue, wer wird dann dieses verfluchte Nazi-Pack zur Strecke bringen? Diese seltsamen Ritter sind dazu wohl nicht in der Lage, gell?« »Hören Sie …«, versuchte Wolfgang noch einmal, seinen Gefährten von dem Vorhaben abzubringen. »Hauen Sie ab, Breitscheid«, wurde Knöpfle absichtlich grob. »Solange Sie noch können. Schauen Sie, die Wilden brechen gerade mit der Frau auf dem Rücken auf! Nehmen Sie das Mädchen und verduften Sie mit ihnen zusammen!« Cecilia verstand kein Wort von all dem, um was es bei dem Gespräch ging, und sah sich die ganze Zeit abwechselnd die beiden Männer an. »Okay«, lenkte schließlich der Handelsreisende ein. »Aber ich möchte …« »Kein Aber! Ich komme schon klar. Ich werde Sie einholen, sobald ich die Rechnung beglichen habe.« Richard streichelte mit der linken Handfläche sorgsam seine Schlagwaffe, die er mit der Rechten nach oben hielt. Dann sagte er kurz: »Bis später«, trat hinter dem Zelt heraus und begab sich seelenruhig zum Schlachtfeld. Nun spürte auch Wolfgang, dass es höchste Zeit war zu »verduften«, falls er nicht in die tätliche Auseinandersetzung involviert werden wollte, die jeden Moment auszubrechen drohte. Und das konnte er sich im Augenblick unter keinen Umständen leisten. Nicht wenn Cecilia zugegen war. Er trug die volle Verantwortung für das Wohlergehen des Mädchens, das war ihm durchaus bewusst, und ihm lag nichts näher am Herzen, als das Kind heil nach Hause zu bringen. »Wo geht dein Freund hin?«, fragte Cecilia unbedarft. »Das spielt keine Rolle«, wich Breitscheid aus. »Wir müssen jetzt laufen. Schnell. Lauf so schnell du kannst hinter mir her und bleib nicht stehen! Hast du verstanden?« »Ja«, meinte Cecilia knapp. Der Weinvertreter hatte den Eindruck, dass sein Wüstenalbtraum zu neuem Leben erwachte, als sie mit Cecilia versuchten, die Gruppe Wilder Männer einzuholen, die sich in Windeseile dem Waldsaum näherte. Den urzeitlichen Kriegern hinterher eilten auch die Freiwilligen aus dem Dorf. Offenbar hatte der Anführer der wilden Sippe den Befehl zum Rückzug gegeben, denn ihre gemeinsame Mission war, so wie es einem vorkam, im Großen und Ganzen erfüllt. Alle Frauen, die für die Exekution vorgesehen gewesen waren, wurden befreit und Cecilia weilte auch nicht mehr in den Händen der Rechtsradikalen.
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Die Schlussszene aus seiner Vision wiederholte sich beinahe eins zu eins. Zugegeben, es war nicht der Kamm der Sanddüne, auf dem sie sich, er vorne und das blonde Mädchen hinter ihm, bewegten. Aber was für einen großen Gegensatz stellte es schon dar, fragte sich der Handelsreisende. Von links bedrohten sie die Geharnischten und von rechts schrie ihnen etwas Unschönes der arisch angehauchte Pöbel zu, der sich äußerst unzufrieden mit dem Umstand zeigte, ihre Gefangene unverhofft frei über die Waldlichtung flitzen zu sehen. Wie auch in seinem Albtraum rannten sie um ihr Leben und Wolfgang wusste nicht, wie die Sache endete. An dieser Stelle war er aufgewacht und hatte keine Ahnung, was danach passiert war. Einfach weiterzulaufen, war das Einzige, womit man es in Erfahrung bringen konnte. Die Wilden Männer gefolgt von den freiwilligen Kämpfern aus dem Dorf hatten sich bereits in den Wald vertieft, als Wolfgang und Cecilia das Ende der Lichtung erreichten. Nur noch Hannes stand unter einem Baum am Waldsaum und wartete auf die beiden. Es verfolgte sie niemand. »Wo ist der Mann, der Bücher schreibt?«, fragte er. »Er wollte …« Wolfgang war außer Atem. »Er kommt gleich … Er holt uns ein, hat er gesagt.« »Ist er in Gefahr?«, ließ der Tischlergeselle nicht locker. »Bestimmt. Aber er ist ein kräftiger Kerl. Er will noch jemanden zur Rechenschaft ziehen.« »Hm«, gab Hannes nachdenklich von sich. »Ich muss ihm helfen und ihn dort herausholen. Ich habe heute schon einen Freund verloren, sie haben Jobst mit ihrem Knalleisen umgebracht, und von dem zweiten weiß ich nicht, wo er ist. Ich muss Richard dort rauskommen helfen.« »Willst du nicht lieber hier mit uns bleiben?«, wollte Cecilia wissen, die schon die ganze Zeit Hannes mit Engelsaugen anschaute. »Nein, Cecilia«, entgegnete der Tischler und rückte den verrutschten Harnisch zurecht. »Ich muss es einfach tun. Für Jobst, für Ruprecht und seine Frau, für alle, die durch meine Dummheit Leid erfahren haben. Für deine Mutter.« »Ähm …«, meldete sich Wolfgang wieder zu Wort, während Hannes auf dem Absatz kehrtmachte und zurück zur Mitte der Lichtung schritt. Eigentlich wollte der Weinhändler es dem Mädchen irgendwie schonend beibringen, aber jetzt war es raus und er musste Cecilia die traurige Botschaft überbringen. »Was?«, fragte diese beunruhigt. »Was hat Hannes von Mutter gesagt?«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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