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Des Teufels Steg: Seite 209

Die Verschwörer betraten das Haus und während Metzes Ehegatte noch die Tür verriegelte sagte Ruprecht: »Wir suchen noch ein paar kräftige Männer. Wir wollen das Geleit der Schutzgarde überfallen, während sie die Frauen zum Tanzplatz hinaufführen. Da ist die Einheit auf dem Hexenstieg auseinandergezogen. Machst du mit?«

»Überfallen?«, wunderte sich Herman. »Mit zwei Mann und leeren Händen?«

»Wir haben Waffen!«, argumentierte Hannes, um den Mann zu überzeugen.

»Und wir haben die Unterstützung von … Wilden Männern!«, platzte Ruprecht mit der Wahrheit heraus.

Hannes blickte vorwurfsvoll auf seinen Kumpan, weil dieser schon so früh den höchsten Trumpf, den sie hatten, aus dem Ärmel zog.

»Wilde Männer?«, fragte Herman voller Skepsis nach.

»Nur so kannst du deine Metze vor dem Scheiterhaufen retten!«, folgte der Tischlergeselle weiter seinem festgelegten Gesprächsfaden. »Die Einäscherung ist schon am Samstag und …«

»Aber Metze wird nicht am Samstag hingerichtet«, entgegnete plötzlich der Mann ganz ruhig.

Hannes sah ihn verblüfft an.

»Sie kommt erst kommende Woche vors Gericht«, brachte Herman seinen berechtigten Einwand vor. »Ich muss dort als Zeuge aussagen.«

Der Tischler spürte, dass er einen Fehler gemacht hatte.

»So kann ich meine Frau nicht befreien«, redete der Mann weiter, »auch wenn ich mich euch anschließe. Sie ist am Samstag gar nicht unter den zum Scheiterhaufen Verurteilten. Und vielleicht geht die Sache noch gut aus! Wenn ich Metze durch meine Aussage entlaste.«

»Es wäre ein großer Fehler, das anzunehmen!«, versuchte Hannes noch zum Schluss, die entglittene Situation zu retten, hatte aber keinen Erfolg.

»Und jetzt bitte ich euch, wieder zu gehen«, sagte Herman. »Sonst merkt noch jemand, dass ihr bei mir wart. Dann ist erst recht alles verloren.«

Die Freunde zogen unverrichteter Dinge von dannen, waren aber nunmehr um eine Erfahrung reicher. Die Argumente, mit denen sie die infrage kommenden Männer zur Teilnahme an dem Aufstand zu bewegen suchten, mussten individueller sein und reale Gegebenheiten beinhalten.

Unterdessen machte sich auch Herman seine Gedanken, wie er Metze aus dem Kerker in die Freiheit herausbekommen konnte, ohne den Kindern und sich selbst zu schaden, noch bevor man seine Frau dem Martyrium der Folter aussetzte. Die Gelegenheit schien ihm günstig zu sein: Die Informationen über den geplanten Überfall, die ihm unverhofft bekannt geworden waren, kamen dem Mann wertvoll genug vor, um dafür von dem Untersuchungsrichter die Freilassung seiner Ehefrau verlangen zu können. Er machte sich klammheimlich auf den Weg nach Wendhusen.

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Die Sänfte mit dem Franziskanerbruder, die ihm übrigens weder gehörte noch von Amts wegen zustand, sondern vielmehr nur zeitweise bei den Kardinälen ausgeliehen war, erreichte nach einiger Zeit den Dorfplatz. Er wurde bereits erwartet. Die Schutzgardisten, die dem Inquisitor auf sein Geheiß vorausgeeilt waren, hatten bereits die Dorfbewohner, zumindest diejenigen, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten, zusammengetrieben und sich rund um den Platz postiert, um die Menge, in der sich Ratlosigkeit über den Sinn und Zweck der Zusammenkunft breitmachte, im Auge zu behalten.

Vater Nicklas bedachte die Menschenansammlung mit einem teils neugierigen, teils misstrauischen Blick, als er ausgestiegen war und sich in die Mitte des Platzes gestellt hatte, umgeben von vier bewaffneten Schutzmännern.

»Seid gegrüßt im Namen unseres Herrn Jesus Christus!«, sagte er feierlich in die Runde.

Der Blick des Franziskaners wanderte entlang der Reihen der Versammelten und registrierte jede junge Frau in der Menge, insbesondere diejenigen, die keine Haube trugen – sie hatten es ihm heute zuvorderst angetan –, und der Inquisitor stellte sich in aufregenden Bildern vor, wie sie vor ihm entkleidet auf der Streckbank lagen.

»Morgen«, fuhr der Mönch mit seiner Predigt fort, »morgen ist ein großer Tag, liebe Brüder und Schwestern! Mit Gottes Hilfe ist es uns gemeinsam gelungen, einen geheimen Hexenzirkel hier in diesem schönen Dorf zum Tale aufzudecken, und die ersten Schuldigen werden am morgigen Abend mit dem Tode bestraft, um den Hexen ein für alle Mal das Handwerk zu legen, denn sie sind dem Herrn ein Gräuel. Hexen sind widerwärtige Kreaturen, die in ihrer Kräuterküche Zaubertränke und vermeintliche Heilmittel kochen. Denn nur Gott kann die Menschen heilen und nur unser großer Schöpfer besitzt die wundersame Kraft, die Himmel und Erde zu bewegen imstande ist. Uns so sage ich euch: Alles andere kommt vom Teufel und ist schwere Gotteslästerung und Ketzerei! Wer von euch sich mit einem Kräuterweibe einlässt, lässt sich mit dem Leibhaftigen selbst ein! Und der Zorn Gottes wird unermesslich groß sein und die Strafe unausweichlich!«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 8.048
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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