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Des Teufels Steg: Seite 208
»Ich auch nicht, aber ich vermute es. Und so wirst du bei ihm, auch wenn er dich auf einmal zu Gesicht bekommt, keinen großen Verdacht erregen. Letztendlich kannst du auch so tun, als ob du dich schon die ganze Zeit im Heu versteckt hast.« »Ähm … Ich … Ich bin mir nicht sicher, Hannes«, stammelte Jobst. »Reiß dich zusammen!«, herrschte ihn der Tischler an. »Du kannst ja nicht vor allem in der Welt Schiss haben!« »Du meinst also, dass …?«, fragte Ruprecht dazwischen und verstummte, als Hannes weitersprach. »Ja, ich meine, dass Jobst den Weg hinter dem Dorf entlang der Hinterhöfe nimmt und sich zur Scheune schleicht, wo wir die Rüstung haben liegen lassen. Und dann, Jobst, kommst du mit dem Harnisch und dem Speer zurück, und zwar genau hierher. Dann wartest du auf uns.« »Was, wenn …?«, setzte Jobst zur Frage an. »Jetzt geh schon!«, unterbrach ihn Hannes erbarmungslos. »Du kriegst es gebacken!« Der ängstliche junge Mann folgte sichtlich ungern der Aufforderung ihres Wortführers und machte sich mit unzufriedenem Gesichtsausdruck auf den Weg. Hannes und Ruprecht blieben allein und überlegten sich die Vorgehensweise beim Anwerben von Freiwilligen. »Was glaubst du«, fragte Hannes in vertraulichem Ton seinen Jugendfreund, »bei wem sollen wir den anklopfen?« »Ich würde gleich hier anfangen.« Ruprecht deutete auf das Haus, das ihnen am nächsten, gleich am Anfang der Dorfstraße lag. »Warum?« »Na überleg! Metze hat etwas mit Wilden Frauen zu tun, das weiß ich von Gretlin, und sie kommen vor allen anderen für deinen Vater infrage.« »Er ist nicht mein Vater!«, protestierte Hannes. »Hör auf damit. Ein für alle Mal!« »Wie auch immer. Wahrscheinlich wurde sie auch schon abgeführt. Sie hat aber einen kräftigen Mann, Herman, der sie vielleicht befreien will.« »Gut. Einverstanden. Der Ansatz gefällt mir. So machen wir es!« Eine gefühlte halbe Ewigkeit rührte sich nichts in der Hütte, nachdem die Freunde an der Tür zunächst dezent geklopft hatten. Allerdings merkten sie, dass sich der Vorhang an einem der Fenster kaum merklich bewegte – jemand war zu Hause und hatte sich von den ungebetenen Gästen ein Bild gemacht. Hannes und Ruprecht trommelten etwas beharrlicher gegen die Bretter. Man hörte endlich, wie jemand von innen den Sperrriegel zurückschob. Die Tür ging auf. »Ich habe sie noch nicht gefunden«, sagte der Mann, der verloren im Hauseingang stand, ohne die Besucher zuerst begrüßt zu haben. »Wovon redest du, Herman?«, wollte Ruprecht wissen. Der Hausherr blickte misstrauisch auf Hannes. »Ihr könnt mich mitnehmen, wenn es schon Gottes Wille ist, aber wo die Mädchen sind, weiß ich nicht. Metze muss sie weit weg versteckt haben.«
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»Herman, wenn du glaubst, wir kommen mit bösen Absichten, so irrst du dich«, beschwichtigte der junge Theologe. »Wir sind nicht von der Schutzgarde.« »Ich weiß«, meinte Herman wenig beeindruckt. »Du bist der Lehrling von dem Richter, dem die Schutzgarde untersteht. Welchen Unterschied macht es schon, ob mich wie meine Frau die Schutzgarde abführt oder ein anderer seiner Handlanger?« »Hannes ist nicht mehr Lehrling beim Richter!«, trat Ruprecht für seinen Kameraden ein. »Er hat mich aus dem Kerker herausgeholt und wird jetzt gesucht.« Der Mann in der Tür sah die beiden ungläubig an. »Die Frau von Ruprecht ist aber noch immer im Verlies«, fügte Hannes hinzu. »Wie deine Metze auch! Lass uns rein, dann können wir gemeinsam überlegen, wie wir den Frauen helfen können.« Herman war unschlüssig. War es eine Provokation, um ihn der Verschwörung gegen die Inquisition zu überführen, oder meinten die Gesellen es ernst, fragte er sich. Für ihn stand sehr viel auf dem Spiel: Das Leben der Töchter. Zum Glück waren die Kinder noch wohlauf – seine Frau hatte sie vorsorglich in den Wintervorratskeller in der Scheune gesteckt und über die Falltür Stroh auf dem Boden verteilt, noch bevor sie von den bewaffneten Männern als Hexe festgenommen wurde. Jemand musste Metze angezeigt haben. Danach kam die Schutzgarde zum zweiten Mal und fragte gezielt nach den Mädchen, die von ihrer Mutter ebenfalls in der Kunst der Zauberkräuterzubereitung unterrichtet worden sein konnten. Herman log sie an: Er wisse nicht, wohin seine Frau die Kinder weggebracht habe, sagte er. Gefunden hatten die Männer die Kinder durch eine glückliche Schicksalsfügung nicht, aber als sie gingen, trugen sie Herman mit aller Ernsthaftigkeit auf, nach seinen Töchtern zu suchen und sie unverzüglich nach Wendhusen zur Befragung zu bringen. Sonst, verkündeten sie unheilvoll, werde er seiner Gattin beim peinlichen Verhöre Gesellschaft leisten müssen. »Gut«, meinte Herman zu den Jugendfreunden nicht allzu begeistert von ihrem Vorschlag. »Kommt rein.«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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