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Des Teufels Steg: Seite 188

Der Mann stand auf, gab seiner Partnerin die Hand, um ihr auf die Beine zu helfen, drehte sich um und hielt inne in der Bewegung, als er Wolfgang und seine Begleiterin bemerkte. Es war Richard Knöpfle.

»Breitscheid?«, flüsterte der Schriftsteller mit einem bis zur Unkenntlichkeit verwundertem Gesicht.

»Knöpfle?« Der Handelsreisende war nicht minder überrascht. »Was machen Sie hier?«

»Dasselbe könnte ich Sie fragen, alter Knabe!« Richard ging auf Wolfgang zu, schloss ihn in seine Arme und sagte liebevoll: »Wo haben sie gesteckt, Sie verdammter Hurensohn?!«

Von Knöpfles Gefühlsausbruch völlig überrumpelt stammelte der Weinvertreter irgendwas Unverständliches, bis er sich aus der eisernen Umarmung befreit hatte.

»Sind Sie verrückt?«, fragte er den Märchenautor, der mit glücklichem Gesichtsausdruck vor ihm stand.

»Das könnte man so sagen! In der letzten Zeit denke ich auch oft darüber nach! Was glauben Sie denn, wie ich Sie vermisst habe? Wie lange ich nach Ihnen schon suche? Gar mit Polizei und Vermisstenanzeige! Sie … Sie … Einfach so spurlos zu verschwinden!«

Wolfgang wurde es warm ums Herz: Es gab noch Menschen auf dieser Welt, die ihn vermissten und nach ihm suchten, ja ihn mit anderen Worten liebten und sich um ihn sorgten, wo doch schon alle Stricke gerissen zu sein schienen.

»Ist ’ne lange Geschichte, Richard«, sagte er. »Aber es ist nicht meine Schuld! Erzähle ich Ihnen bei Gelegenheit, wenn Sie noch an geheimnisvollen Legenden interessiert sind.«

»Legenden? Breitscheid, Geschichten könnte ich Ihnen mittlerweile auch tausend Stück und eine noch gratis dazu erzählen. Ich jage hier Nazis, Breitscheid!«

»Wen?«, wunderte sich der Weinhändler.

»Ja, mein Liebster! Wir mit … Das ist übrigens Elke, eine Bekannte von mir aus Thale«, stellte Knöpfle nebenbei Wolfgang seine neue Liebe vor. »Und das ist Wolfgang Breitscheid«, sagte er zu Elke. »Ich glaube, ich habe dir von ihm erzählt … Wir mit Elke«, fuhr er fort, »haben endlich das Camp von dem Gesindel gefunden. Sie halten Geiseln fest und ballern durch die Gegend mit einem Schießeisen! Sie haben jemanden angeschossen und wir wollten gerade die Polizei holen, weil die Idioten noch gerne jemanden auf dem Scheiterhaufen verbrennen möchten, noch heute Abend!«

»Den Schuss haben wir auch gehört«, meinte Wolfgang und sah Knöpfle wegen dem Scheiterhaufen misstrauisch an. »Aber …«

»Aber sagen Sie mal, Breitscheid: Was ist es für eine Schönheit, die Sie bei sich haben?«

»Tja, Knöpfle. Das wird wohl Ihre tausendzweite Geschichte werden. Es ist das Mädchen, das Sie nachts in Treseburg gesehen haben, und ich in meinen Visionen, wie Sie wissen. Cecilia.«

Das Fräulein deutete schüchtern einen Knicks vor dem vornehmen Herrn an.

»Breitscheid!« Knöpfle wurde dabei unbeabsichtigt lauter. »Wenn wir hier von »Verrückt« reden, dann müssen Sie es sein!«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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»Wir sollten vielleicht ein wenig tiefer in den Wald gehen«, schlug Elke vor. »Man weiß nie.«

Alle zeigten sich einsichtig und gingen angeführt von Wolfgang auf Zehenspitzen weg von der Lichtung.

»Sag mal: Über wen redet ihr da?«, fragte Elke Richard, als sie schon außer Hörweite der Patrioten waren. »Wer ist Cecilia?«

Knöpfle sah sie etwas verdutzt an. »Na das Mädchen, das da vorn mit Breitscheid läuft, gell?! Mit dem Mädchen hat es eine seltsame Bewandtnis, weißt du, als …«

»Aber ich sehe dort keinen außer diesem Wolfgang.«

Elkes Feststellung machte den Schriftsteller noch stutziger. »Willst du etwa behaupten …?«

»Ich kann kein Mädchen sehen«, beteuerte Elke.

»Breitscheid, warten Sie mal bitte«, wandte sich der Märchenautor an Wolfgang. »Es gibt hier eine Sache zu klären!«

Alle hielten an und stellten sich kreisförmig auf.

»Pass auf, liebe Elke«, sprach Richard, »das Mädchen, Cecilia, steht jetzt genau dir gegenüber. Kannst du sie sehen?«

»Nein.«

»Kannst du sie wenigstens hören? Cecilia, liebes Kind, sag mal bitte etwas.«

»Was soll ich denn sagen?«, fragte Cecilia zaghaft.

»Hast du es gehört?«

Elke negierte.

»Verstehe ich nicht!«, ärgerte sich Knöpfle. »Aber sie steht doch hier, gell?! Versuch, sie mal anzufassen.«

Richards Freundin fuchtelte mit der Hand dort, wo sich vermeintlich das Mädchen befand, stieß aber gegen kein Hindernis.

»Nein.«

Nunmehr streckte auch Knöpfle seinen Arm aus und wollte die Hand auf die Schulter von Cecilia legen, um sich von ihrer Existenz zu überzeugen, aber auch seine Hand glitt ungehindert durch die Luft.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 8.036
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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