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Des Teufels Steg: Seite 189

»Hmmm«, gab er von sich. »Breitscheid, ich nehme das »Verrückt« zurück. Sie könnten mit der tausendundzweiten Geschichte recht behalten.«

»Was geschieht hier, Wilder Wolfgang?«, wurde das mittelalterliche Fräulein nervös. »Warum fassen mich alle an?«

»Nichts«, beruhigte sie Wolfgang. »Dich können offenbar noch nicht alle in meiner Welt, oder nicht mit allen Sinnen wahrnehmen. Vielleicht ist bei dem Zeitsprung was schiefgegangen. Aber es geht mir auch manchmal so, mit anderen Dingen.«

»Mmh.« Cecilia verstand kein Wort.

»Was reden Sie da, Breitscheid?«, meldete sich Knöpfle wieder zu Wort. »Was für ein Zeitsprung?«

»Knöpfle … Richard«, verbesserte sich Wolfgang, »das ist noch gar nichts, ich kann Ihnen über Dinge berichten, da haben Sie sich in ihren wildesten Träumen nicht vorstellen können, dass es sie gibt. Aber das Gefühl bekommen Sie irgendwann, glaube ich, je länger und öfter Sie mit Cecilia reden oder sie ansehen, desto schneller. Mir ist es auch nicht anders ergangen. Und Sie, Elke, natürlich auch.«

Knöpfle blickte voller Bedenken auf den Handelsreisenden. »Dann berichten Sie mal, Breitscheid.«

»Moment!«, belebte sich plötzlich Elke. »Ich denke, wir haben alle das Wichtigste vergessen: Polizei rufen!«

»Stimmt!«, gab ihr der Schriftsteller recht.

Auf einmal brüllte jemand auf der Waldlichtung, sodass es im Wald von allen Seiten echote: »Fahrt jetzt endlich zur Apotheke in die Stadt! Verdammt! Holger blutet wieder. Hier ist der Einkaufszettel!«

»Die Bande gerät wieder in Bewegung«, stellte Richard fest. »Wir kommen hier nicht weg.«

»Dann kann ich auch zu Fuß gehen«, schlug Elke vor. »Wenn ich die Abkürzung durch den Wald nehme, bin ich in einer Viertelstunde, höchstens in zwanzig Minuten, an der Bergstation. Es ist nicht weit. Von dort kann ich die Polizei rufen!«

»Ist es nicht gefährlich?«, sorgte sich der Legendensammler.

»Ich kenne mich hier aus. Und es wird ja hier auch wohl das einzige Camp von Rechtsradikalen in der Gegend sein. Dann bin ich auch fast schon am Arbeitsplatz. Es wird für mich langsam Zeit. Bald ist Schichtwechsel.«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Gut, mein ungeschliffener Diamant, dann machen wir es so! Schick die Polizei hierher. Beschreibe ihnen den Weg. Oder fahr lieber einfach mit, wenn sie zu dir zur Arbeit kommen, es ist sicherer! Für dich springt schon jemand ein. Wir sehen uns dann.«

Elke verabschiedete sich, auch von dem unsichtbaren Mädchen, und verschwand hinter den Bäumen.

 

Johannes spürte schon lange mit seinem sechsten Sinn die Anwesenheit von Cecilia. Er konnte förmlich riechen, dass die »kleine Hexe« irgendwo in der Nähe war, und diesmal auch wirklich so nahe, dass ein ausgestreckter Arm gereicht hätte, um sie an den blonden Haaren zu packen, aber ihre räumliche Position ließ sich nicht ermitteln – ihm fehlte die Vorstellungskraft. Die Kraft, wie er sie erst vor Kurzem besessen hatte, als er den geheimen Hexenunterschlupf im Stollen zuerst vorhergesagt und dann auch gefunden hatte. Denn das alles war zuvor wie ein Film, angesehen aus der Vogelperspektive, in seinem Kopf abgelaufen, sodass der Thüringer Hauptpatriot nicht allzu große Mühe gehabt hatte, die Stelle im stillgelegten Bergwerk zu finden. Dieser Film wollte aktuell aber partout nicht beginnen und den Grund dafür sah Hans in den fehlenden bewusstseinserweiternden Substanzen, mit deren Hilfe er sich den Aufenthaltsort des »Hexchens« ausfindig zu machen erhoffte. Kurz gesagt, es war ihm wieder nach Zauberpilzen.

Inzwischen hatte sich die Lage im Camp etwas beruhigt. Holger lag vor dem Feuer, den rechten Arm in eine Schlinge gesteckt, und es ging ihm wohl den Umständen entsprechend gut, seine Wunde blutete jedenfalls nicht mehr, nachdem der »Doktor« ihn mit den Mitteln aus der Apotheke verarztet hatte. Um ihn herum scharten sich ein paar Recklinghäuser. Die thüringischen Jungs – ohne Tobias, denn dieser blieb immer noch wie vom Erdboden verschluckt – richteten das übrig gebliebene Kreuz auf und waren mit der Arbeit schon fast fertig. Sie trieben wohl noch den letzten Holzkeil in das Loch im felsigen Boden, um den Pfosten zu stabilisieren. Jürgen, mittlerweile wieder das Bewusstsein erlangt, lag nach wie vor gefesselt im Zelt und gab muhende Laute von sich, ob aus Frust oder vor Schmerz, konnte man nicht so recht verstehen. Der Biker, der ohne Zweifel eine medizinische Ausbildung haben musste, hatte auch den angeschlagenen Jenaer oberflächlich untersucht, erwartungsgemäß einen Kieferbruch bescheinigt und ihn notdürftig behandelt. Ohne Krankenhaus war nach seiner Auffassung nicht mehr viel zu machen. Sonja beschäftigte sich mit dem Strohmann für das Probefeuer ein Stückchen von der Feuerstelle entfernt und Johannes hockte auf dem Baumstamm und beobachtete sie bei der Arbeit – so schien es zumindest, obwohl man bei näherer Betrachtung merkte, dass seine gläsernen Augen an ihr vorbeiblickten.

»Sonja!«, rief er plötzlich nach ihr. »Wo habt ihr mit Uwe noch mal die Pilze gefunden?«

»Na dort.« Die junge Frau deutete mit dem Kopf zum Waldrand, während ihre Hände mit dem Ausstopfen der Strohpuppe beschäftigt waren. »Aber wir haben da schon alles abgepflückt.«

Johannes erhob sich. »Komm, zeig mir die Stelle! Außerdem hast du ’ne Tracht Prügel verdient für deine gestrige Hurerei. Die Rute für deinen Arsch darfst du dir im Wald selbst aussuchen.«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 8.039
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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