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Des Teufels Steg: Seite 169

Doch eine Sache hätte er trotz dem Zerwürfnis mit seinem Meister gerne gewusst, und zwar jetzt gleich: Warum wurde Ruprecht verhaftet und was war aus dem Verdacht gegen Gretlin geworden? Aber er traute sich nicht, die Fragen zu stellen, denn angesichts der vielen Schutzgardisten um sie herum und der einsatzbereiten Foltergeräte war es eine heikle Angelegenheit. Er verschob die Fragen auf später.

»Die Folterbank, mein Sohn«, erklärte ihm inzwischen der Untersuchungsrichter das nächste Gerät, »kann man für vieles gut gebrauchen!«

Der Tischler war gezwungen hinzusehen. Das etwa fünf bis sechs Ellen langes »Möbelstück« erinnerte ihn eher an ein zu groß geratenes hölzernes Bett, bei dem an der Kopfseite statt einer Lehne eine Winde mit dreifingerdicken aufgewickelten Seilen angebracht war, und am Fußende ein Holzrahmen mit zwei Öffnungen, durch die allem Anschein nach die Beine des Delinquenten durchgesteckt werden sollten, sodass die Füße auf der anderen Seite in der Luft baumelten. Was sich schon alles auf dieser Bank abgespielt haben mochte, überlegte Hannes, als er auf den doch ziemlich beanspruchten Holzbrettern schlecht verwischte Blutspuren entdeckt hatte. Er wollte es sich nicht im Detail ausmalen, doch Vater Nicklas schilderte ihm bereits sehr bildhaft die Zweckbestimmung des Gerätes.

»Mein Sohn, wenn eine völlig entkleidete Hexe einmal auf dieser Streckbank gefesselt mit gespreizten Gliedmaßen vor dir liegt, kannst du dir frei aussuchen, wie du ihr Geständnis erwirkst.«

Hannes bemerkte wieder das animalische Leuchten in den Augen des Richters, das ihm schon gestern aufgefallen war.

Der Franziskaner fuhr fort: »Ziegen sind gute Tiere, mein Sohn. Sie versehen uns mit ihrer Milch und sorgen für das Fleisch auf unserem Tisch, wenn sie geschlachtet werden. Sie sind sehr genügsam und können überleben, wenn die Wiesen vertrocknet sind und darauf nichts mehr außer verdorrtem Gras und stacheligen Zweigen zu finden ist, die ihre Zungen rau und kratzig machen. Und damit können sie auch einer Hexe zu Leibe rücken!«

Der Tischler konnte Vater Nicklas nicht folgen.

»Wenn man der Hexe die Füße in den Stock spannt und die Ziegen an ihren Sohlen lecken lässt, nachdem man sie mit Salz eingerieben hat, windet sich das nackte Fleisch auf der Bank wie ein Wurm auf der Mistgabel laut vor kitzeligen Berührungen lachend. Doch schon bald tritt an die Stelle des Lachens zuerst leises Wimmern, dann weinerliches Schluchzen, ehe es vom lauten Schreien abgelöst wird, denn mit jeden Zungenstrich platzt die Haut auf der Fußsohle immer tiefer auf, bis sie eine einzige blutige Wunde ist. Doch muss ich zugeben, dass viele Hexen diese Tortur überstehen, ohne ein Geständnis abzulegen. Dann kommen weitere Methoden zum Einsatz.«

Hannes fühlte sich angewidert von der genüsslichen Ausführlichkeit, mit der der Franziskanermönch die Einzelheiten hervorhob.

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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»Du kannst die Hexe strecken«, setzte dieser unbeirrt seine Unterweisung fort, »indem du an der Winde drehst und die Seile spannst. Es hat schon manch eine Hexe die Schmerzen in den gedehnten Gelenken nicht ausgehalten und ihre Unzucht mit dem Teufel gestanden, genau auf dieser Bank, wohlgemerkt. Aber auch bei dieser Folter versagt sich einem manchmal das Glück. Dennoch …«

Vater Nicklas machte eine Redepause, während er mit der Hand unter der Streckbank etwas zu finden versuchte, und holte sodann einen länglichen, im Querschnitt runden, metallischen Gegenstand hervor, der an einem Ende wesentlich dicker war und an eine Birne erinnerte.

»Dennoch«, redete er weiter, »gibt es Werkzeuge, die wie dafür geschaffen sind, ein Hexenweib an seinen eigenen Genitalien spüren zu lassen, wie aufregend es sein kann, wenn man es mit dem Teufel treibt. Man nennt es Spreizbirne, aber ich bezeichne es als Liebesblüte, denn dreht man an dieser Schraube hier, gehen ihre Kronblätter auf und füllen die Scheide der Hexe aus, als sei der Satan selbst mit seinem Phallus in das Weib eingedrungen. Doch ist der Beelzebub tückisch und dreht immer weiter an der Schraube, um die Hexe von seiner Liebe reichlich kosten zu lassen, bis ihre Scheide reißt und die Eingeweide zum Vorschein kommen. Und ist der Hexe diese Liebesbekenntnis noch nicht Grund genug, geständig zu werden, so wird der Akt an anderen Körperöffnungen vorgenommen!«

Hannes erschauderte von der bloßen Vorstellung. Doch der Richter kam immer mehr in Rage.

»Oder sieh dir mal diese Zange an, mein Sohn!« Vater Nicklas holte unter der Folterbank das nächste Werkzeug heraus – eine eiserne Greifzange wie die eines Schmiedes, aber mit zwei spitzen Zinken an jedem Schenkel, die bedrohlich wie gefletschte Fangzähne eines Raubtieres wirkten. »Was denkst du, welche Gelüste die Hexe spürt, wenn man damit ihre Brust anfasst?«

Am besten hätte der Apologet der christlichen Lehre auf der Stelle die Augen zugemacht, um das, was sein nunmehr ehemaliger Meister trieb, nicht zu sehen. Dieser nahm die Zange mit beiden Händen an den Griffen, öffnete sie und führte die Spitze zu der Stelle auf der Bank, an der voraussichtlich der Busen eines nackten, wehrlosen Frauenkörpers während der Tortur zu finden gewesen wäre. Alsdann schnappte der Mönch mit der Zange ein paarmal nach der imaginären Brust in der Luft, sodass die eisernen Zinken wie Zähne ineinandergriffen und ein klapperndes Geräusch generierten, und Hannes stellte sich mit Entsetzen vor, wie sich die Spitzen der Metalldorne in die weiße Haut der unbedeckten weiblichen Brust unterhalb der Warze bohrten und Blut auf die Folterbank hinabfloss. Er schüttelte mit dem Kopf, um der schrecklichen Vision ein Ende zu setzten.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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