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Des Teufels Steg: Seite 170
»Nun gibt es aber noch möglicherweise nicht so schnell den Erfolg bringende Geräte, nichtsdestotrotz sind sie sehr nützliche und wirksame Vorrichtungen, wie zum Beispiel dieser Bock!« Der Inquisitor war unterdessen zu der nächsten, etwas größeren Konstruktion übergegangen, deren Ecken und Kanten sich unter dem verhüllenden Stoff abzeichneten. Er zog das Abdecktuch beiseite. Hannes’ Blick bot sich ein seltsames Gebilde: Ein solides dreikantiges Holz, das nach oben spitzwinklig zulief und an ein Dach erinnerte, ruhte auf zwei massiven Stützpfosten, von jedem Ende einer, die ihrerseits unten jeweils in einen dicken, längeren Holzbalken eingelassen waren, von denen jeder auf dem Boden als tragender Fuß diente und auf seiner Seite für die nötige Stabilität der Konstruktion sorgte. Das Ganze sah ein wenig aus wie eine überdachte Futterkrippe, bei der der Behälter für das Heu aus unerfindlichen Gründen fehlte. »Es kommt alles darauf an«, sprach der Richter weiter, »wie schnell man an das Geständnis gelangen will oder muss. Gibt es nur eine einzige boshafte Frau zu befragen und ist ihr Vergehen nicht so schwerwiegend, dass sie noch am selben Tag verurteilt werden muss, lässt man sie schon morgens völlig nackt mit hinter dem Rücken verbundenen Händen aufsitzen und den Bock stundenlang, ja den ganzen Tag reiten, während man seinen üblichen Geschäften nachgeht. Erst gegen Abend, wenn die Hexe nach dem Ritt gesprächig wird, sucht man sie in der Folterkammer zusammen mit dem Gerichtsschreiber auf und führt mit ihr ein vertrauliches Gespräch. Aber auch in dem Fall, wenn es mehrere Verdächtige sind, kommt man wesentlich schneller zu einem Ergebnis, indem man die Delinquentinnen schön in Reihe wie Tauben auf einem Dach auf den Bock setzt und zusehen lässt, bis sie an der Reihe sind – als Vorgeschmack dessen, was sie erwartet –, während man eine davon auf der Streckbank den Freuden des intimen Umgangs mit dem Teufel aussetzt. Denn …« Vater Nicklas unterbrach sich, streckte seinen Arm nach oben zum dreikantigen Holz aus und führte seine Hand mit sichtlichem Vergnügen entlang der scharfen Kante, die ebenfalls stellenweise mit vertrockneten Blutresten verschmutzt war. »Denn diese Spitze passt genau zwischen die Beine eines teuflischen Weibs, zwischen die Lippen der lüsternen Scham einer Hexe! Viele machen ihre Angaben noch während sie der Folter auf der Bank zusehen und den Druck in ihren Lenden spüren, der sie in zwei Teile reißt, vor allem, wenn ihre Füße noch zusätzlich mit Gewichten beschwert sind!« Der Tischlergeselle war heilfroh, dass die Reihe der Foltergeräte langsam zu Ende ging. Nur noch ein menschengroßer Aufbau, der pyramidenartig mit der Spitze nach oben zeigte, hüllte sich in der Ecke in Tücher, zu denen von der Decke einige Seile herabhingen.
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»Die Judaswiege«, erklärte der Untersuchungsrichter näher die Zweckbestimmung, nachdem er die Abdeckung weggezogen hatte. »Es gibt ja auch noch Ketzer männlichen Geschlechtes, bei denen man nicht so geschickt mit der Busenkralle die Brust zu fassen bekommt! Diese werden an den Seilen festgebunden, angehoben und mit dem Anus auf die Spitze gesetzt. Die Tiefe des Eindringens regelt man mit den Seilen und wenn der Ketzer nicht die Wahrheit bekennt, wird er hochgezogen und dann fallen gelassen, und wieder hochgezogen und wieder fallen gelassen, bis der After reißt oder der Verdächtige seine ketzerischen Vergehen vor Gott gesteht. Die Übung ist sehr schmerz- und vor allem schmachvoll für den Ketzer, und die meisten brechen schon beim dritten Anheben ihr Schweigen, sodass ihre ketzerischen Eingeweide weitgehend erhalten bleiben, wenn du begreifst, was ich meine.« Hannes verstand alles. Nur eins gab ihm Rätsel auf: Wie konnte er in all den Jahren übersehen, wen er sich als Lehrer ausgesucht hatte? Der Mann der Kirche, dachte der Tischler mit Entsetzen nach, hatte ja eine krankhafte Besessenheit, ein zwanghaftes Verlangen nach jungen Frauen, die vor ihm ausgezogen und gefesselt auf der Folterbank lagen, sich nicht wehren konnten und über deren Leib er die volle Macht hatte, insbesondere über ihre geschlechtlichen Teile. Dass das Ziel der Folter für den Franziskaner gar nicht in der Enttarnung von Hexen lag, um die Reinheit des Glaubens aufrechtzuerhalten, sondern mehr in der Befriedigung eigener Triebe, hatte er einfach nicht bemerkt. Und allem Anschein nach war es noch nie anders gewesen, denn Hannes erinnerte sich an einige Zwischenfälle in der Vergangenheit, nur aus Unachtsamkeit von Vater Nicklas fallengelassene Worte, denen er früher keine große Bedeutung beigemessen hatte und die er erst jetzt als eindeutige Zeichen erkannte, in denen sich schon damals die abartigen Neigungen manifestiert hatten. Ihm reichte schon diese Unterweisung, um sich sein Urteil zu bilden. Wie sich die triebhafte Veranlagung seines »Mentors« erst während der Befragung äußerte, wollte er gar nicht wissen. Der Tischler war ohnehin schon völlig niedergeschlagen. Allerdings wusste Hannes noch nicht, dass ihm die schwierigste Lektion für heute noch bevorstand. Irrtümlicherweise nahm er an, dass wenn die Vorbereitungen für die Befragung nicht der alten Schneiderin galten, denn das hatte der Tischlergeselle bereits herausgefunden, mussten sie die »kleine Hexe« Cecilia und ihre Mutter betreffen, die Irmel angezeigt hatte. Zwar hatte Jobst ihm gesagt, die Schutzgarde habe die beiden morgens nicht in ihrem Haus angetroffen, aber er ging davon aus, dass die Hexen zwischenzeitlich im Dorf ausfindig gemacht worden waren. Und so fühlte es sich für ihn wie ein Schlag vor den Kopf an, als Vater Nicklas ihn diesbezüglich aufklärte. »Ich hoffe, mein Sohn«, sagte er zum Schluss, »du hast dir alles gut gemerkt, was ich dir erzählt habe, denn heute übernimmst du die Territion vor der peinlichen Befragung von Gretlin aus dem Dorf zum Tale, die sich der Hexerei verdächtig gemacht hat.«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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