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Des Teufels Steg: Seite 165
»Außerdem«, betonte Vater Nicklas besonders genüsslich, »außerdem, Eure Eminenz, Bruder Giulio, und Eure Eminenz, Bruder Ruggiero, weilt derzeit im Kerker noch ein junges Weib, das sich der Hexerei verdächtig gemacht hat und von dem Eure Eminenzen noch nichts wissen, da Eure Eminenzen sich gestern Nachmittag gnädig in ihre Gemächer zurückgezogen haben.« »Ihr macht aber große Fortschritte, Bruder Nicklas«, bemerkte Kardinal Ruggiero lobend. »Man tut, was man kann, für das Wohl unseres einzig wahren katholischen Glaubens«, bedankte sich der Mönch bescheiden für das Lob. »Und dieses junge Weib, Gretlin, gedenke ich, mit Ihrer hochgeschätzten Zustimmung, versteht sich, heute peinlich zu vernehmen. Die Frau ist in ihren Angaben veränderlich und hat versucht, die Heilige Inquisition in die Irre zu führen.« »Und das blutjunge Geschöpf?«, fragte Kardinal Giulio nach. »Beabsichtigt Ihr, die Jungfrau zusammen mit dem Weibe zu befragen?« »Mit dem Mädchen gibt es eine gewisse Unannehmlichkeit, Eure Eminenz, Bruder Giulio«, weihte der Franziskaner die Kardinäle in seine Probleme ein. »Das Haus der angezeigten Hexen, der Jungfrau und ihrer Mutter, stand leer, als ich heute im Morgengrauen die Schutzgarde losschickte, um die beiden festzunehmen. Ich muss noch herausfinden, wo sie Unterschlupf gefunden haben. Aber es gibt auch eine erfreuliche Nachricht, Eure ehrenwerten Eminenzen: Die Schutzgarde ist des Ehemannes der Verdächtigen Frau, Ruprecht, habhaft geworden und ihn ins Kloster gebracht. Ich habe vor, das Weib vor seinen Augen zu foltern, damit er ihre Leiden erlebt und uns über sie Dinge verrät, die er nie beichten würde, wenn nicht das Leben seines Weibes auf dem Spiele stünde. Er wird sie vor den Schmerzen bewahren wollen. Und ist er nicht willig, so muss auch er einer Befragung unterzogen werden, damit sein Weib, alles über sich und ihn gesteht, um ihren Mann vor der Folter zu retten.« »Das ist eine fein ausgeklügelte Methode, um ein Geständnis zu erlangen!«, lobte Bruder Ruggiero abermals den Inquisitor. »Ja«, pflichtete ihm sein Amtskollege bei, »ein Mann und ein Weib, die sich bei der Folter wie Gott sie schuf gegenüberstehen und heftigsten seelischen und körperlichen Schmerz zu ertragen bereit sind, ehe sie einander verraten, und am Ende dennoch gebrochen werden. Die bloße Vorstellung übersteigt alles von mir Gesehene. Alle Achtung, Bruder Nicklas!«
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Eigentlich konnte der Franziskanermönch und neuerdings Inquisitor seines Zeichens diese zwei überheblichen Kerle nicht ausstehen, war aber auf jede positive Reaktion von ihnen angewiesen, denn sie würden ihre Eindrücke von ihm, dem frischgebackenen Untersuchungsrichter, Seiner Heiligkeit übermitteln, das wusste Vater Nicklas. Er wusste auch, wie man den beiden Honig um den Mund schmieren konnte. Indem man ihnen so etwas Unterhaltsames anbot wie eine peinliche Befragung, bei der die Angeklagten mit ihrem splitterfasernackten Körper dem Richter auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren. Der Franziskaner vermutete stark, dass die Kardinäle in dieser Hinsicht auch nicht völlig indifferent waren, wenngleich sie ihre Neigungen gut zu verbergen wussten. Auch sonst hatte er schon vieles über die zwei in Erfahrung gebracht. Der Mönch wusste zum Beispiel, warum die beiden stets miteinander auf Reisen gingen und deren Gemächer während des Konklaves immer nebeneinander lagen, und er musste nur seine Bewährungszeit als Inquisitor überstehen, um den beiden alles mit gleicher Münze heimzuzahlen, – seine Demütigung, die Behauptungen über seine angebliche Inkompetenz, all die hinterhältigen Schikanen. Kompromittierende Informationen in Bezug auf die Kardinäle hatte er genug, um sie mindestens zum Schweigen zu bringen, wähnte sich der Mönch schon mit Lorbeer des Sieges geschmückt. »Wann findet das Verhör statt?«, erkundigte sich Kardinal Ruggiero. »Es müssen noch Vorbereitungen getroffen werden, Eure Eminenz, aber ich denke, dass wir noch vor dem Abendbrot alle Geständnisse haben werden, die erforderlich sind, um weitere Hexen im Dorfe zu überführen. Ich lasse Eure Eminenzen rufen, sobald die Folterkammer so weit eingerichtet ist, dass Eure Eminenzen dort gebührend Platz nehmen können, um den Vorsitz zu haben.« Die Kardinäle sahen den Franziskaner verblüfft an, denn sie betrachteten sich in erster Linie als Beobachter in dem Inquisitionsprozess, man hätte sie beispielsweise zu Rate ziehen können, wenn schwierige Entscheidungen zu fällen waren, und nicht als aktive Untersuchungsrichter, die den Vorsitz im Verfahren hatten. »Es gibt da nämlich eine Sache, um die ich die hohen Würdenträger unserer Kirche in tiefster Devotion bitten möchte«, fuhr Vater Nicklas fort. »Es muss bezüglich der geständigen Hexe, der alten Schneiderin, ein schlussendliches Urteil gefällt werden, das Maß ihrer Strafe betreffend. Eure Eminenzen werden mir wohl gnädig zustimmen, dass das Strafmaß in diesem Fall, kein anderes sein kann als der Tod durch die Flammen!« »In Anbetracht ihrer Vergehen vor Gott und der heiligen Kirche, scheinen die säubernden Flammen, dass einzig Richtige zu sein, um die Hexe vor dem Antlitze Gottes erscheinen zu lassen!«, bestätigte Kardinal Giulio. »Doch habe ich als Untersuchungsrichter«, erklärte Vater Nicklas den Zusammenhang, »der Hexe vor Zeugen den Erhalt des Lebens zugesichert, wenn sie die Wahrheit bekennt und ihre Vergehen gesteht. Und so möchte ich mich von der Fällung des Urteils entlasten.« Die hohen katholischen Würdenträger blickten finster auf den Mönch.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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