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Des Teufels Steg: Seite 160

Ein bedrohliches Knurren wurde hörbar und als Breitscheid sich wieder an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatte, sah er zwei Wilde Männer, die er offenbar vorhin hatte reden hören, in einiger Entfernung vor sich stehen, die eher verdattert als furchteinflößend wirkten. Doch schon früh genug merkte er, dass ihre Ratlosigkeit nicht ihm galt, mit seinem Erscheinen hatten die zwei Wachen wohl schon gerechnet, als sie die Geräusche des leinenen Vorhangs gehört hatten, sondern Gerlinde, deren überraschender Auftritt sie in Staunen versetzt hatte. Sie zogen nur verständnislos die Luft durch ihre Nasenlöcher ein, und wunderten sich, dass sie den Geruch von jemandem ihrer Sippe wahrnahmen. Und nicht minder frappant war für sie der Umstand, dass die Unbekannte plötzlich in ihrer eigenen wilden Mundart zu ihnen sprach.

 

Elke bedachte Knöpfle mit einem vielversprechenden Blick und fragte: »Warum machen wir es nicht viel einfacher?« Sie lächelte bezaubernd geheimnisvoll, in ihren Augen blitzte etwas Schelmisches. »Wir lassen es einfach mit dem Restaurant, holen uns etwas aus dem Geschäft und ich mache bei mir zu Hause etwas Leckeres für uns!«

Wenn das keine eindeutige Einladung war, überlegte Richard voller Vorfreude. Es war ja das, was er eigentlich schlussendlich bezweckte, nämlich: Sich mit der Frau nach dem Essen in eine ruhige, gemütliche Ecke zurückzuziehen, um … Tja, weitere Aktivitäten hingen von vielen Faktoren ab und aus dem Ganzen hätte durchaus auch gar nichts werden können, doch der Schriftsteller war voller Optimismus und rechnete mit vollem Programm. Im Großen und Ganzen hatte der alte Casanova seine neue Liebe mit dem Restaurantbesuch lediglich beeindrucken wollen, aber wie es den Anschein hatte, war die Seilbahnangestellte ohnehin schon von der roten Stielrose, die er mangels anderer Gelegenheiten zuvor beschämenderweise im Park heimlich von einem Rosenstock abgeknickt und sich dabei die Finger wund gestochen hatte, dermaßen fasziniert, dass sie ihn gleich zu sich nach Hause einlud mit ziemlich klaren Absichten – und sie betrafen nicht das Abendessen, hoffte wenigstens der glückliche Märchenautor.

»Hm …«, gab er von sich. »Das, liebste Elke, kommt ganz darauf an, was Sie zu bieten haben werden, gell?« Die Doppelsinnigkeit seiner Bemerkung war nicht zu überhören.

»Ja, mal überlegen …«, flirtete die Thalenserin zurück. »Wir könnten eine große Packung Kartoffelsalat holen und dazu noch knackige Bockwürstchen. Obwohl, nein … das ist keine gute Idee. Es wird viel zu lange dauern, bis das Wasser heiß ist. Wissen Sie, Richard, mein Topf hat keinen Deckel und bis wir die Würstchen reinlegen können, verhungern wir noch, wenn Sie verstehen, was ich meine?«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Elke schmeichelte es, endlich mal wieder von einem Mann begehrt und umgarnt zu werden, und es erweckte bei ihr den Eindruck, dass dieser flüchtige Flirt auch zu etwas Ernsterem führen konnte. Schon lange nicht, ja wenn sie ehrlich zu sich selbst war, in ihrem ganzen Leben noch nie, hatte sie jemand von der Arbeit abgeholt auf so eine romantische Art wie dieser Richard, mit einer Rose in der Hand. Es war nur ein einziges unschuldiges, verwaistes Blümchen, aber eben dieser Umstand machte die Sache für Elke viel spannender und geheimnisvoller als die Vorstellung, dass der Mann, der sie gestern ganz zufällig angesprochen hatte, unverhofft mit einem ganzen Strauß roter Rosen vor ihr stand und nach der Arbeit zum Essen ausführen wollte. Die Frau war sich nicht sicher, ob sie im zweiten Fall die Einladung auch angenommen hätte. Das hier hatte Niveau. Der Mann besaß ohne Zweifel einen guten Geschmack, war umgänglich und konnte sich ziemlich sublim ausdrücken, wenngleich auch zuweilen nach ihrem Empfinden ein klein bisschen zu geschwollen.

»Wenn es so ist, gnädige Frau«, antwortete der niveauvolle Aspirant für die Liebhaberrolle, »sollten wir im selben Supermarkt auch gleich einen Deckel besorgen! Auf ein Würstchen in ihrem Topf würde ich sehr ungern verzichten. Wenn Sie verstehen, was ich meine?«

»Dann sollten wir uns auf den Weg machen, Richard!«, schlug Elke vor und sie gingen zum Parkplatz, wo Knöpfles Auto parkte, nachdem sie dem Schriftsteller noch einmal verspielt in die Augen geschaut hatte, um sich zu vergewissern, dass zwischen ihnen beiden eine stillschweigende Einvernehmlichkeit herrschte, auf was sie sich miteinander einließen.

So kannte sich die Seilbahnmitarbeiterin gar nicht, dass sie sich praktisch selbst dem Mann aufdrängte. Die Frau konnte es sich nicht erklären, was plötzlich in sie gefahren war, obwohl sie schon die halbe Nacht und einen bedeutenden Teil des Vormittags sich darüber Gedanken gemacht hatte, während sie am Fenster stand und die herabfließenden Regentropfen auf der Glasscheibe betrachtete. Ihre unverhofften Gefühlsausbrüche hatten nämlich schon gestern begonnen. Sie hatte unentwegt an diesen merkwürdigen Richard denken müssen, der ihr den Hof gemacht hatte. Es ging ihr wie in ihren jungen Jahren, Elke konnte ihren Wunsch nach intimer Nähe nicht unterdrücken. War die jahrelange unbeabsichtigte sexuelle Enthaltsamkeit der Grund hierfür, fragte sie sich. Ja, sah sie schließlich ein, es war schon lange her, dass sie in einer festen Beziehung gewesen war und sich mit ihrem Partner hatte austoben können. Genauso lang, wie sie schon in Thale lebte, seit der Wende.

Ursprünglich kam sie gar nicht von hier, sondern aus der tiefen Brandenburgischen Provinz, und hatte sich noch kurz vor der Wiedervereinigung auf den Weg in den Westen gemacht, aber irgendwie hier im Harz schon in greifbarer Nähe der Grenze hängengeblieben. Ihre frühere Beziehung in der Heimat hatte sie für immer hinter sich gelassen, an dem Mann lag ihr nichts mehr, zumal sich inzwischen herausgestellt hatte, dass er ein Stasispitzel gewesen war und Tag und Nacht denunzierende Berichte verfasst hatte, wahrscheinlich auch über sie, denn sie hatte ihn seinerzeit in ihre Pläne über die Flucht in den Westen eingeweiht.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

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Aufrufe: 7.971
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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