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Des Teufels Steg: Seite 161
Aber in ihrer neuen Heimat hatte sie bislang noch keinen richtigen Verehrer finden können – die eine oder andere Bekanntschaft für eine Nacht nicht mitgezählt – und so kam es ihr, von welcher Seite sie es auch betrachten mochte, ganz gelegen, dass auf einmal dieser Richard aufgetaucht war. Die nicht mehr junge und in zwischengeschlechtlichen Beziehungen durchaus nicht unerfahrene Frau fühlte sich zu ihm auf eine unerklärliche Weise hingezogen wie ein pubertierendes Mädchen, obgleich er auch nicht ein Märchenprinz zu sein schien, aber er hatte etwas, was ihr imponierte. Außerdem kam er allem Anschein nach aus dem Westen, seine ganze Art deutete darauf hin, und ihre Pläne hatte Elke noch nicht aufgegeben. Es machte vielleicht keinen großen Sinn mehr auf die andere Seite der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf gut Glück zu wechseln, denn alle Flüchtlingsgelder und Vergünstigungen für Ostdeutsche waren schon längst weggefallen und sich auf eigene Faust mit ihrer ostdeutschen Bildung im Westen durchzusetzen, traute sie sich nicht so ganz, aber jemanden kennenzulernen und an seiner Seite die Linie zwischen »Gut« und »Schlecht« zu überqueren, war ganz in ihrem Sinne. »Hier wohnen Sie also«, sagte Knöpfle, als sie nach dem Einkauf vor einem der Plattenbauten am Rande der Stadt anhielten. »Ja, ich miete hier eine Zweizimmerwohnung«, erwiderte Elke und öffnete die Beifahrertür zum Aussteigen. »Etwas Größeres und Besseres kann ich mir von dem Gehalt bei der Seilbahn nicht leisten.« Sie holten drei beladene Einkaufstüten aus dem Kofferraum, Richard schloss den Wagen ab und beide begaben sich mit den Einkäufen zum Hauseingang. Knöpfle trug zwei bis zum Rand gefüllte Taschen, aus denen die Hälse von vier Weinflaschen hervorstachen, in seinen Händen, Elke nur eine, die deutlich weniger Inhalt aufwies und sichtlich leichter zu tragen war. Zum Essen kam es vorerst nicht. Die zwei Turteltäubchen schafften es mit den Vorräten nicht einmal bis zur Küche. Sobald die Wohnungstür hinter ihnen ins Schloss gefallen war und die beiden sich auf dem engen Flur endlich unbeobachtet fühlten, geschah das, weswegen sie hier waren. Sie standen, noch mit den Tüten in der Hand, auf Tuchfühlung zueinander, ihr Atem vermischte sich. Sie sahen sich eine Zeit lang gegenseitig an, als hätte jeder von ihnen in den Augen des Gegenübers nach der Antwort auf die Frage gesucht, ob beide ein und dasselbe im Sinne hatten, ehe Elke ihre Tragetasche auf den Boden fallen ließ, die Augen schloss und ihre sinnlichen Lippen leicht öffnete, bereit, einen Kuss von Richard zu empfangen. Er ließ nicht lange auf sich warten und schon bald rissen sie einander mit rauer Gewalt die Kleider vom Leibe und vollzogen gleich neben der Eingangstür leidenschaftlich ihren Liebesakt, indem Knöpfle seine völlig entkleidete Liebespartnerin fest gegen die Wand drückte und anfangs etwas ungestüm sich Zugang zu gewissen Stellen zu verschaffen suchte, wogegen sich die Frau zu seiner großen Zufriedenheit auch nicht besonders vehement wehrte, sondern vielmehr ihm mit sichtlichem Behagen bereitwillig Einlass gewährte.
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»Sei nicht so stürmisch«, sagte sie nur kokett. »Ich gehöre ganz dir. Ich werde dir nicht weglaufen.« Der erste Teil des Liebesspiels war nur von kurzer Dauer. Allerdings wechselte das experimentierfreudige Pärchen alsdann ins Schlafzimmer, um seine Kenntnisse über die akrobatischen Aspekte im sechsten Kapitel des Samprayogika-Buches aus dem hinduistischen »Leitfaden der Liebeskunst« praxisbezogen zu vertiefen, und es dauerte, wie es Knöpfle vorkam, noch Stunden, bis die beiden ihr aufgestautes fleischliches Begehr befriedigen konnten. Erst als es draußen schon dunkelte, warf sich Richard erschöpft auf den Rücken und lehnte kraftlos seinen Kopf auf das Kissen zurück, Elke ruhte noch in der Bauchlage der letzten Liebesposition mit seitlich ausgestreckten Armen quer übers Bett und stöhnte hin und wieder leise und sinnlich beim Ausatmen. Es dauerte eine Weile bis das Liebespaar zur Ruhe gekommen war, sodass die beiden wieder miteinander sprechen konnten. »Elke«, sagte der Schriftsteller träumerisch, »Sie sind ja … Oder können wir miteinander per Du sein?« »Natürlich«, meinte die Frau leicht verwundert und wandte Richard auf dem Bauch liegend ihr Gesicht zu. »Das bin ich ja mit dir schon! Oder hast du es noch nicht gemerkt? Wenn man doch schon miteinander vögelt …« »Du bist ja die personifizierte Emanation der weiblichen Sexualität, Elke!«, machte Richard ihr ein Kompliment. Die Frau lächelte geschmeichelt. »Ich muss gestehen, ich habe auch nicht erwartet, dass du so ein Hengst im Bett bist!«, erwiderte sie fast schon ein wenig vulgär, aber den Autor reizte ihre Art. »Ich habe noch nie so intensiv eine Frau beim Sex erlebt wie mit dir!«, setzte Knöpfle seine Lobrede fort. »Ich frage mich nur, woher du all die Praktiken kennst, von denen ich noch nie etwas gehört oder gesehen habe, geschweige denn ausprobiert. Bis heute, wohlgemerkt.« »Alle haben ihre wilden Jahre hinter sich«, meinte Elke. »Ich war nicht immer ein braves Mädchen.« Die Frau verstummte und lag nachdenklich auf der im Eifer der wilden Leidenschaft heftig durcheinandergewirbelten Tagesdecke, Knöpfle bewunderte ihren unverhüllten, nicht mehr ganz jungen, aber dennoch »knackig« schlanken Körper, an dem seiner Meinung nach nichts fehlte, was eine Frau ausmachte. Der Schriftsteller bohrte nicht weiter. Es war offensichtlich, dass die Seilbahnangestellte dieses Kapitel im Buch ihres Lebens nicht aufschlagen wollte. Ihm reichte vollkommen, dass er von ihren Erfahrungen auf direktem Wege profitieren konnte.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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