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Des Teufels Steg: Seite 142

Um ehrlich zu sein, ging es Jürgen ähnlich wie den Bikern, und wenn er sich im spärlichen Licht der Taschenlampe die Gesichter von Ralf und Dieter anschaute, empfanden die beiden nicht viel anders als er selbst. Von Tobias konnte Schorsch nichts sagen, er war irgendwo hinter Holgers Leuten mit der zweiten Taschenlampe, aber der zweitwichtigste Nationalpatriot konnte sich gut vorstellen, dass der Junge ebenfalls nicht abgeneigt gewesen wäre, lieber Bier zu saufen und die zwei »Huren«, die die Wessis mitgebracht hatten, nackig tanzen zu lassen, wie es Holger und Johannes den Jungs zwar versprochen, ihr Wort aber bis jetzt nicht gehalten hatten.

Es war vielleicht auch nicht direkt ihre Schuld gewesen, denn abends hatten die ohnehin schon betrunkenen Hexenfeuerfestteilnehmer am Rande der Lichtung irgendwelche wundersamen Pilze gefunden, es war Uwe, um genau zu sein, die einen derartigen Rausch verursachten, als wenn … Schorsch überlegte, denn ihm fiel kein aussagekräftiger Vergleich ein. … da war eine Flasche Schnaps nichts dagegen, fand er endlich eine passende Bezugsgröße. Und allen, die schnell genug gewesen waren und etwas von den Pilzen abbekommen hatten, war hinterher nicht mehr nach nackten Weibern gewesen.

Er dachte da an seine eigenen Erlebnisse und die Wirkung, die die seltsamen Pilze bei Hans zeigten, der gerade erst vor wenigen Minuten einigermaßen in die Realität zurückgefunden hatte, geschweige denn Uwe und Sonja, die sich als Erste über die Pilze hergemacht und die meisten davon gegessen hatten und die, wie Schorsch glaubte, nach wie vor neben der Feuerstelle auf der Wiese unter strömendem Regen auf dem Rücken lagen, in den Himmel sahen und eine andere Welt erlebten, die in ihren Köpfen entstanden war, bei jedem seine eigene.

Holger und seine Kumpels hatten hingegen keine Pilze konsumiert, sondern nur Bier getrunken, erinnerte sich der Thüringer Patriot, was möglicherweise auch der Grund dafür war, dass sie jetzt den Beutezug durch die unterirdischen Gänge abbrechen wollten, – sie waren einfach nicht in ausreichendem Maße berauscht. Ganz anders war es bei Hans, er war wie besessen von der »kleinen Hexe«, oder wer auch immer das Mädchen war, das sie gestern verfolgt und das sich einfach wie in Luft aufgelöst hatte. Doch daran, dass die Kleine sich im Stollen versteckt hatte, mehr noch, sich weiterhin in dem Bergwerk aufhielt, konnte er beim besten Willen nicht glauben. Und so vertrat er innerlich den Standpunkt »Hier unten ist keiner«, den Holger formuliert hatte, aber nach außen handelte er ganz anders, jedenfalls nicht so, wie man es von jemandem erwartet hätte, der aus einer aufgestellten These, mit der er konform ging, die einzig mögliche logische Konsequenz zog: Wenn hier unten keiner war, dann gab es auch keinen Anlass, nach jemandem zu suchen!

»Tobs!«, rief er laut in den Gang hinein, dorthin, wo sich am Ende der Kolonne der Lichtkegel der Taschenlampe an den Wänden hin- und herbewegte.

»Ja?«, hallte es durch den Gang zurück.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Kannst du unsere Freunde zum Ausgang bringen? Du könntest mit denen dann noch ein Bierchen trinken. Wir bleiben noch ’ne Weile hier und suchen weiter!«

»Okay!«, kam vom anderen Ende prompt eine Antwort.

Johannes sah Jürgen dankbar an und sagte zu Holger: »So lange wird es bestimmt nicht mehr dauern, der Stollen kann nicht so groß sein. Wir kommen bald zurück. Bis dann.«

Die Mitglieder der Motorradgang folgten Tobias zum Ausgang und die vier Jenaer Kameraden blieben unter sich.

»Okay«, meinte Hans, »dann lasst uns weitergehen! Dieter, du gehst als Dritter und leuchtest uns mit Schorsch von hinten vor die Füße, und Ralf wird als Letzter noch genug Licht von dir abbekommen.«

Sie setzten sich in Bewegung und liefen zunächst schweigsam durch das unterirdische Reich, ehe Ralf nach einer Weile von hinten fragte: »Was ist es für ’ne welche Hexe, die wir suchen?«

»’ne schöne, junge und geile!«, ironisierte Schorsch zur Antwort. »Zum Ficken halt, sagt unser Chef!«

»Halt die Fresse!«, versetzte Hans. »Ich habe sie heute noch einmal gesehen! Sie muss irgendwo hier sein.«

»Oh«, stichelte Jürgen weiter, »die Pilze wirken wahre Wunder!«

»Die sind echt geil«, pflichtete ihm Ralf bei.

»Ihr habt ja keine Ahnung, was …« Johannes, der die Kolonne anführte, blieb abrupt stehen, sodass der Rest ihn beinahe überrannte. »Da ist was!«, teilte er mit und sah angespannt in die Dunkelheit hinein. »Dieter, leuchte mal nach vorn.«

»Also, ich sehe da keinen«, meinte der Schlägertyp, nachdem er die Taschenlampe nach vorn gerichtet hatte.

»Da, auf der rechten Seite, an der Wand!«

»Eine dunkle Stelle, ein Schatten«, entgegnete Schorsch. »Vielleicht ein Abzweig in einen Nebenstollen? Aber sonst sehe ich auch nichts.«

»Eben. Ein Abzweig.« Der Hauptpatriot fühlte sich bestätigt. »Aber nicht etwa in einen anderen Gang, nein, das ist der Zugang zu einem Unterschlupf. Das alles habe ich vorhin schon in meiner Vision gesehen, als wir hierhin fuhren! Und die kleine Schlampe war dadrin!«

»Bist du sicher, dass es dir gut geht?«, fragte nun auch Dieter besorgt über den geistigen Zustand ihres Anführers, als er sah, mit welch krankhaftem Eifer und Besessenheit Hans sich der Sache widmete, – er wirkte schon beinahe unheimlich.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.971
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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