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Des Teufels Steg: Seite 130
»Ich denke schon«, gestand der Schriftsteller. »Er hatte einen Unfall und ist gestern zu Fuß zum Hotel gekommen. Und sein Wagen stand nicht weit von hier auf der Straße. Das stimmt.« »Waren Sie irgendwie in diesen Unfall involviert?«, fragte der Polizist nachdenklich. »Ich?« Knöpfle war wie vor den Kopf gestoßen. »Um Gottes willen! Wie kommen Sie denn darauf?« »Man weiß nie …«, wich der Hauptmeister einer direkten Antwort aus. »Warum glauben Sie denn, dass er verschwunden ist? Wohnt er hier im Hotel?« »Ja, soweit ich weiß, hat er sich eingecheckt«, Knöpfle sah hilfesuchend auf Katja. »Ja, ja, heute nach dem Frühstück«, bestätigte die Kellnerin. »Und dann ist er mit uns durch das Tal gewandert. Wir haben uns später getrennt, er wollte nach Thale, um dort eine Werkstatt zu suchen, wahrscheinlich wegen dem Auto, und danach ist er offenbar nicht wieder zurück wie vereinbart zum Hirschgrund gekommen.« »Was heißt offenbar!«, wollte der Beamte wissen. »Na ja, ich war nicht dabei, aber Katja sagt …« Beide Gesetzeshüter schauten in ihre Richtung und das Mädchen erzählte, was es wusste: »Frau und Herr Zimmermann, hier aus dem Hotel, sagten, er sei nicht aufgetaucht. Mehr weiß ich nicht.« »Wer sind Frau und Herr Zimmermann?«, fragte der Hauptmeister weiter Löcher in den Bauch. »Puh, mit ihnen sind wir nach Thale gewandert«, antwortete Richard. »Keine Ahnung, ich habe sie erst gestern kennengelernt. Sie kommen aus Halle, mehr weiß ich auch nicht, gell?« »Könnten Sie vielleicht die Leute nach unten bitten?«, wandte sich der Polizist an Katja. »Wir hätten da ein paar Fragen an sie.« »Entschuldigung«, lehnte die Kellnerin ab, »aber wir stören unsere Gäste sehr ungern zu dieser Stunde. Ich denke, dass sie schon schlafen. Sie sahen sehr müde aus und sind nicht einmal zum Abendessen runtergekommen. Kann es nicht bis morgen warten?« »Gut«, meinte der ältere Polizist. »Richten Sie ihnen bitte aus, dass wir uns morgen Vormittag bei ihnen melden. Sie sollten in dieser Zeit nach Möglichkeit nicht wandern gehen!« »Okay«, meinte Katja pflichtbewusst. »Sage ich ihnen beim Frühstück.« »Und bleiben Sie bitte auch verfügbar«, bat der jüngere Mann Knöpfle. »Möglicherweise werden die Kollegen noch Fragen wegen der Waldlichtung an Sie haben.«
(?)
Die Polizisten gingen, stiegen in das Auto ein und fuhren weg. Knöpfle saß völlig enttäuscht am Tisch und starrte mit einem leichten Silberblick die leere Flasche an, aus der er gerade die Reste des Weins in sein Glas umgefüllt hatte. Er wurde seines Irrtums gewahr, die Polizei hätte auf der Stelle Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um die entführten Frauen zu finden. Bewirkt hatte er mit seiner Aktion bedauerlicherweise vorerst nichts Konkretes. Und wo steckte eigentlich Breitscheid, der alte Knabe? Die Frage ließ ihm ebenfalls keine Ruhe. Aber er musste sich heute, kam Richard zu der Einsicht, wohl oder übel damit abfinden, dass keine davon bis morgen eine Antwort finden würde. Plötzlich fragte die Kellnerin, die immer noch in der Tür lehnte: »Sagen Sie, Herr Knöpfle: Ist das wahr, was Sie da erzählt …?« »Nicht jetzt, liebe Katja«, unterbrach der Schriftsteller sie erschöpft, »nicht jetzt. Ich bin völlig kaputt und gehe gleich nach oben.« Richard trank alsdann mit einem Schluck das Glas leer, stand auf und begab sich auf leicht wackeligen Beinen zu seinem Zimmer. »Gute Nacht«, sagte er noch zu Katja, als er das Restaurant verließ.
»Im Namen des Herrn, Amen«, eröffnete Vater Nicklas die Nachmittagssitzung des Inquisitionsgerichts. Die Verhandlung fand in kleiner Runde statt: Vater Nicklas, der Gerichtsschreiber Marten, Hannes mit drei Zeugen, die der Tischler im Dorf aufgetrieben hatte, um Irmels tadellosen Leumund kontestieren zu lassen, und zwei am Oberkörper geharnischte Wachen, deren Aufgabe eher darin bestand, den Teilnehmern einen gehörigen Respekt vor dem Untersuchungsgericht einzuflößen, als jemanden zu bewachen, denn die Angeklagte war, wie von Vater Nicklas vormittags verfügt, in der Gerichtsstube nicht anwesend. Nicht zugegen bei der Zeugenvernehmung waren auch die Eminenzen aus Rom, dem Augenscheine nach hatten die hohen Kardinäle ihr Urteil bereits gefällt und wollten sich mit unbedeutenden Zeugen nicht mehr die Finger schmutzig machen. Stattdessen zogen sie es vor, den Tag in ihren Gemächern beim Nachdenken über Gott und die Welt ausklingen zu lassen, oder was auch immer kirchliche Autoritäten ihres Standes sonst so taten, während sie auf die Ergebnisse der peinlichen Befragung warteten, die für morgen angesetzt war. »So offenbare nun dem Gericht, Tischler Hannes aus dem Dorf zum Tale«, sprach der Franziskaner weiter, »wen du mitgebracht hast, der vor Gott und der Heiligen Inquisition Zeugnis für die Unschuld der Schneiderin Irmel ablegen kann.« Hannes erhob sich. »Euer Ehren, es ist Jobst, der sein Brot als Knecht auf dem Felde verdient, mein treuer Freund, für den ich bürgen kann, es ist Ruprecht, Gehilfe beim Schmied, den ich ebenfalls seit meiner Kindheit kenne, und außerdem sein angetrautes Weib Gretlin, die das Nähkränzchen bei Irmel oft besucht hat und die ehrbaren Absichten der Schneiderin bezeugen kann.«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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