|
Des Teufels Steg: Seite 129
»Und diese Nazis, wie Sie sagen, haben Ihnen Körperverletzungen zugefügt?«, ließ der uniformierte Mann nicht locker. »Nein, das habe ich nicht gesagt«, regte sich Richard immer mehr auf. »Sie haben zwei türkische Frauen in ihrer Gewalt und wollen das Kreuz, an dem sie gefesselt sind, anzünden. Wie beim Ku-Klux-Klan! Verstehen Sie?« »Ja, ich verstehe«, erwiderte der Polizist und sah sich die fast leere Weinflasche auf dem Tisch nachdenklich an. »Das erklärt aber nicht«, meldete sich sein Kollege zu Wort, »warum wir einen Notruf wegen tätlicher Körperverletzung bekommen haben. Das grenzt ja bald an Falschbeschuldigung. Und das ist strafbar, wenn Sie verstehen, was ich meine.« »Ja, natürlich verstehe ich, was Sie meinen, junger Mann!« Richard konnte es nicht ausstehen, wenn junge Kerle ihm »wertvolle« Hinweise gaben und sich dabei äußerst wichtig vorkamen. »Gut«, sagte der ältere Polizist friedfertig. »Wie heißen Sie?« »Richard Knöpfle.« »Haben Sie auch einen Ausweis dabei, Herr Knöpfle?« »Ja, sicher.« Richard vergrub die Hand in die Innentasche seiner Jacke, um das Portemonnaie herauszuholen. »Dann nehmen wir mal alles der Reihe nach auf, was Sie gesehen und gehört haben«, meinte der Hauptmeister. »Sollte man nicht lieber jetzt sofort zum Tatort fahren, um das Schlimmste zu verhindern?« »Immer mit der Ruhe!«, sagte der Beamte und zückte einen Stift und ein zusammengefaltetes Formular aus seiner Brusttasche. »Sagen Sie bitte: Wie viele davon haben Sie heute schon konsumiert?« Er zeigte mit dem Stift auf die Weinflasche, die vor Richard auf dem Tisch stand, und zog einen Stuhl heran, um neben Knöpfle Platz zu nehmen. »Das glaube ich jetzt aber nicht!« Richard klang bis aufs Äußerste empört. »Sie denken, ich bin betrunken und erzähle Ihnen nur Blödsinn?« »Das habe ich nicht gesagt«, bemerkte der Polizist höhnisch. »Dann geben Sie mir bitte Ihren Ausweis, ich werde schon mal Ihre Personalien eintragen.« Knöpfle hatte das Gefühl, dass hier gerade alles schieflief, was schieflaufen konnte. Die Polizisten hielten ihn für einen Spinner, so sah es für Richard aus. Den Eindruck, dass die Streife seinen Angaben ziemlich misstrauisch gegenüberstand, wurde der Schriftsteller keineswegs los, nachdem er alles von seinen Erlebnissen auf der Waldlichtung gewissenhaft berichtet hatte. Sogar den Vorfall von gestern Abend, als die drei Typen von der Nazizusammenkunft eine Frau auf der Straße verfolgt hatten, vergaß er nicht zu erwähnen.
(?)
»Also, Herr Knöpfle«, sagte der jüngere Polizist, nachdem er einige Minuten per Funk mit seinen Kollegen gesprochen hatte, »es stimmt schon, dass hier hin und wieder unvernünftige junge Leute im Wald Strohhexen verbrennen, aber alle einschlägigen Plätze, die dafür infrage kommen, stehen unter Beobachtung und die Kollegen haben mir gerade bestätigt, dass alles ruhig ist.« »Dann sind sie woanders und nicht auf den Ihnen bekannten Plätzen«, entgegnete der Legendensammler aufgebracht. »Man muss nach ihnen suchen!« Der Polizeihauptmeister, der gerade den letzten Satz in das Protokollformular geschrieben hatte, mischte sich in das Gespräch ein: »Wie stellen Sie sich diese Suche vor, Herr Knöpfle? Es ist Nacht und es regnet, und wenn wir jetzt zu zweit mit den Taschenlampen in den Wald gehen, denken Sie, wir werden gleich auf Ihre Nazis stoßen?« »Es sind nicht meine Nazis, mein gnädigster Herr, gell?«, ereiferte sich Richard. »Aber es muss doch etwas passieren, etwas muss unternommen werden!« »Ja, selbstverständlich!«, stimmte ihm der Polizist zu. »Gleich morgen Früh werden die Kollegen ihren Hinweisen nachgehen, indem sie die Gegend durchkämmen. Es macht keinen Sinn, jetzt ein Dutzend Streifenwagen in die dunkle Nacht loszuschicken, damit sie auf den Feldwegen im Schlamm stecken bleiben. Das werden Sie wohl verstehen können. Ihre Anzeige ist aufgenommen und wird auch entsprechend bearbeitet.« Richard verstummte unzufrieden für eine Weile. Er dachte nach und sah ein, dass der Polizist möglicherweise recht hatte. Nicht einmal er selbst hätte jetzt sagen können, wo sich die Waldlichtung ungefähr befand und wie man zu ihr kam. Vielleicht würde sich das morgen bei Tageslicht ändern, verlor er nicht die Hoffnung. Und er wollte hoffen, dass den Frauen während dieser Zeit nichts Furchtbares zustieß. »Ich habe aber noch eine Sache«, sagte er, als der Polizist schon vom Stuhl aufstehen und gehen wollte. »Es wird jemand vermisst.« »Vermisst?«, fragte der Beamte verwundert. »Ja, ein gewisser Wolfgang Breitscheid«, bestätigte Richard. »Wir sind heute durch die Schlucht nach Thale …« »Breitscheid, sagen Sie?«, fiel ihm der Polizist ins Wort. »Ja, er …« »Nach einem Wolfgang Breitscheid suchen wir bereits«, informierte der Polizeihauptmeister Richard trocken. »Heute wurde nicht weit von hier ein abgestellter Unfallwagen am Straßenrand gefunden, er ist auf einen Wolfgang Breitscheid zugelassen. Ist es der Wolfgang Breitscheid?«
|
Diese Seite weiterempfehlen»Link an Freunde senden
KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
Zahlen & Daten zum Werk
![]() Ihre Spende ist willkommen!Wir stellen Ihnen gerne alle Inhalte unserer Webseite kostenlos zur Verfügung. Sie können die Werke auch in der E-Book-Version jederzeit herunterladen und auf Ihren Geräten speichern. Gefallen Ihnen die Beiträge? Sie können sie alle auch weiterhin ohne Einschränkungen lesen, aber wir hätten auch nicht das Geringste dagegen, wenn Sie sich bei den Autoren und Autorinnen mit einer kleinen Zuwendung bedanken möchten. Rufen Sie ein Werk des Autors auf, an den Sie die Zuwendung senden wollen, damit Ihre Großzügigkeit ihm zugutekommt.Tragen Sie einfach den gewünschten Betrag ein und drücken Sie auf "jetzt spenden". Sie werden anschließend auf die Seite von PayPal weitergeleitet, wo Sie das Geld an uns senden können. Vielen herzlichen Dank! Diese Seite weiterempfehlen»Link an Freunde senden |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||



