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Des Teufels Steg: Seite 119

»Mal … sehen … was sich …«, druckste der Familienvater und sah verstohlen seine Tochter an, die wenig Interesse für die Unterhaltung an den Tag legte und sich indessen ganz von der Gruppe weggedreht hatte.

»Das ist aber doof!«, protestierte der Junge. »Nur, weil Jaqueline keine Lust hat!«

»Selber doof!«, maulte seine Schwester zurück.

Richard konnte die ablehnende Haltung des Fräuleins gegenüber einer Schurre-Wanderung zwar gut nachvollziehen, doch wollte er in dem Familienstreit nicht parteiisch werden und sagte in völlig neutralem Ton zu dem Mann: »Ja, mit der Schurre hatte ich heute schon das Vergnügen. Ist es der einzige Weg aus dem Tal nach oben?«

»Direkt aus dem Tal schon«, stimmte er Richard zu, »aber aus der Stadt gibt es noch den einen oder anderen Pfad, und es gibt natürlich noch die Seilbahn, den Sessellift.«

»Ist es die Seilbahn, wo die Seile über der Schlucht hängen?« Richard zeigte auf die Bergstation auf dem Hexentanzplatz.«

»Nein, nein!«, negierte die Frau. »Der Lift ist von der anderen Bergseite, den kann man von hier nicht sehen.«

»Und wie komme ich hin?« Knöpfle sah die Frau erwartungsvoll an.

»Immer geradeaus!« redete der Junge dazwischen.

»Sebastian!«, wies der Vater seinen Sohn wegen der Einmischung in das Erwachsenengespräch zurecht. »Aber es stimmt allerdings. Wenn Sie von hier den Pfad entlang bis zum Hotel laufen, sind Sie fast schon da! Sie müssen nur noch ein kleines Stückchen auf der Zufahrtsstraße in Richtung der Hauptstraße gehen, dann sehen Sie schon rechts die Bergstation!«

»Haben Sie vielen Dank, gell?«, bedankte sich der Märchenautor bei dem Ehepaar.

»Wo wollen Sie denn überhaupt hin?«, wollte der Mann wissen, während sich seine Frau zu der Tochter gesellte, die sich mittlerweile vom Platz entfernt hatte und auf einem der gestuften Steine des Pfades saß, um vermutlich ein Gespräch unter vier Augen mit ihr zu führen.

»Eigentlich«, antwortete Richard prompt, »möchte ich gerne auf die andere Seite, und das mit minimalem Kraftaufwand, gleichsam als würde mich das nicht unbekannte Ross über die Schlucht auf seinem Rücken tragen! Aber ein Pferd ist nicht in Sicht und zu Fuß wäre ganz schlecht – wir sind heute schon von Treseburg hergewandert, ich habe schon die Schurre hinter mir und wir haben noch vor zurückzulaufen.«

Sein Gesprächspartner lächelte. »Na ja, nach oben können Sie ja mit der Kabinenseilbahn fahren. Und nach unten mit dem Sessellift, dort müssen Sie umsteigen, die Stationen liegen nebeneinander.«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Mmh«, gab Knöpfle von sich. »Das ist mir auch schon in den Sinn gekommen, als Sie etwas von einem Sessellift berichtet haben. Davon wusste ich nämlich nichts, ich bin zum ersten Mal hier, aber ich glaube, um nicht zu sagen, ich bin fest davon überzeugt, dass ich Ihre Worte beherzigen und Ihrem werten Rat folgen werde!«

»Na, dann … Eine gute Fahrt!«

»Könnten Sie mir vielleicht noch Folgendes verraten: Komme ich von dort irgendwie zu dem Café … Hirschgrund heißt es, glaube ich?«

Der Mann überlegte kurz. »Ja …«, sagte er dann zögerlich, »Sie kommen da direkt zur Jungfernbrücke hinunter, der Gasthof liegt auf der anderen Seite. Aber es ist wieder ein relativ steiler Abstieg. Schauen Sie: Dort ist die Bergstation.« Der Familienvater deutete auf den Bahnhof, den Richard vorhin schon ausgemacht hatte. »Da steigen Sie oben aus. Dann laufen Sie zu dem Berghotel … Hier, direkt gegenüber. Von dort folgen Sie dem Weg und halten immer rechts entlang der Schlucht bis der Abzweig zu der La Viershöhe kommt – da ist sie!« Richards Gesprächspartner zeigte mit der Hand auf einen Bereich der Felswand auf der anderen Seite der Schlucht rechts vom Berghotel. »Von dort geht es nach unten zur Brücke, sie liegt so ziemlich genau unter uns!«

»Hm, das ist natürlich …« Richard folgte skeptisch mit seinem Blick dem Verlauf der Abbruchkante der Schlucht und überlegte, ob er heute noch einen halsbrecherischen Abstieg wagen sollte, als er aus dem Wald auf der anderen Seite Rauch aufsteigen sah. Aber es war nur ein kurzer Moment, in dem er dachte, einen Waldbrand entdeckt zu haben, im nächsten Augenblick trieb ein leises Lüftchen die weißen Schleier über dem Berg auseinander, sodass er sich nicht mehr sicher war, so etwas überhaupt gesehen zu haben, und vergaß die Erscheinung gleich wieder, zumal der Familienvater offensichtlich nichts davon bemerkt hatte und unbeeindruckt weitersprach.

»Sie können auch wieder eine Gondel nach unten nehmen und von der Talstation bequem zum Hirschgrund eine Viertelstunde wandern.«

»Okay, mal sehen«, sagte der Schriftsteller unsicher. »Auf jeden Fall, vielen herzlichen Dank für Ihre Auskünfte! Machen Sie es gut.«

»Nicht der Rede wert. Viel Glück!«

Richard verabschiedete sich auch von dem Rest der liebenswerten Familie und begab sich auf die Suche nach dem Bahnhof des Sessellifts. So gut, wie der Mann vom Aussichtsplatz den Weg beschrieben hatte, konnte Knöpfle nicht mehr viel falsch machen. Zurück auf die Schurre wollte er nicht mehr und lief daher am Wanderpass, so hieß die Stelle wo der steile Aufstieg in den Pfad zur Roßtrappe mündete, einfach weiter und erinnerte sich mit Unbehagen daran, wie er sich an dieser Kreuzung vorhin halb tot vor Erschöpfung geistig und körperlich hatte regenerieren müssen, um den Weg fortsetzen zu können. Er blieb unablässig auf dem Pfad – »immer geradeaus«, entsann er sich der Worte des Jungen – und wenig später kam er tatsächlich zu einem Gebäudekomplex aus dem Wald hinaus, der das erwähnte Hotel mit seinen Nebengebäuden sein musste. Es sah nicht so aus, dass er hier jemanden fragen konnte, wo es weiterging, denn das Hotel schien nicht in Betrieb zu sein, aber es war auch allem Anschein nach gar nicht erforderlich, weil die Zufahrtsstraße, die er laut der Wegbeschreibung nehmen musste, war ohne fremde Hilfe leicht zu finden – es gab nur diese eine Straße.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.970
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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