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Des Teufels Steg: Seite 107

»In der Tüte mit Konservendosen«, antwortete Tobias, während er sich mit dem kleinen Würstchen, das Einzige, was noch auf dem Tellerboden von der Suppe übriggeblieben war, beschäftigte. Er hatte die Sachen persönlich eingeräumt und wusste es noch.

Als Dieter zurückkehrte und die Becher verteilte, plapperte Sonja, die inzwischen ihre Schüssel leer gegessen hatte, fröhlich drauflos: »Ja, Jungs! Lasst jetzt auf uns trinken, auf unser gutes Gelingen! Hans, was machen wir denn heute noch, wenn die Wessis kommen?«

»Sonja!«, herrschte sie Johannes an. »Halt mal ein bisschen die Klappe! Was schnatterst du hier wie ’ne Ente?« Er hielt seinen Schnapsbecher, nachdem Dieter ihn mit dem Doppelkorn aus der Flasche gefüllt hatte, in seiner Linken hoch und brachte als Oberhaupt der Jenaer Nationalpatrioten einen Toast heraus: »So, Leute, wir sind jetzt zum vierten Mal hier und hoffentlich nicht zum letzten. Trinken wir darauf, dass alles wie geplant läuft und Ali fröhlich auf dem Kreuze brennt!« Er warf energisch seine rechte Hand auf zu dem unverkennbaren Gruß seiner Vorbilder aus der dunklen Vergangenheit und brüllte: »Sieg …!«

»Heil!«, bekam er prompt eine Reaktion vom Rest, der auf dieselbe Art und Weise geschlossen zurücksalutierte.

»Sieg!« – »Heil!«

»Sieg!« – »Heil!«

Dann tranken alle aus.

Während Dieter die Schnapsflasche Tobias übergab, damit dieser die Becher zum zweiten Mal vollmachte, fragte er Hans und Schorsch stellvertretend für alle: »Ja, was machen wir denn heute, wenn wir das Kreuz aufgebaut haben?«

»Saufen und Hexen jagen!«, sagte der Sektionsanführer.

Alle bis auf Tobias und Jürgen sahen ihn fragend an, was es denn im Einzelnen heiße, bekamen aber keine nähere Erklärung zu der geplanten Aktion. Stattdessen forderte der Oberpatriot alle dazu auf, nunmehr einen auf die gute Zusammenarbeit mit den Gleichgesinnten aus Recklinghausen zu trinken, die hier in zwei Stunden ankommen sollten. Bei der Gelegenheit wies er die Mannschaft in einfachen Worten strengstens an, den ganzen »Blödsinn« mit Wessis und Ossis im Umgang mit den Gästen zu lassen und sie mit höchstem Respekt zu behandeln.

Die Versammelten tranken nunmehr darauf und im Anschluss noch auf zahlreiche andere Dinge, an die sich im Nachhinein keiner mehr erinnern konnte, denn die Trinksprüche wurden mit jeder weiteren Runde immer sinn- und inhaltsloser. Noch etwa eine halbe Stunde saßen alle rund um das Feuer und becherten ordentlich. Pathetische Reden wurden nicht mehr geschwungen. Alle begnügten sich mit einem schlichten Zuprosten mit dem Schnapsglas und zum Schluss leerten die meisten einfach kommentarlos ihr Trinkgefäß, sobald sie spürten, dass es wieder mit dem Freude spendenden Saft gefüllt war.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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Die Hexenfeuerfest-Gesellschaft unterhielt sich, wie man es auch von einem lokalen Geheimbund der Nationalpatrioten und selbsternannten Befreiungskämpfern »der arischen Rasse« erwartet hätte, über ihre »Heldentaten« in der Heimat: Über Hakenkreuzschmierereien an öffentlichen Gebäuden, über Provokationen mit dem Versand von Bombenattrappen an Besitzer der »Türkenläden«, die sich zu ihrem Ärgernis nach der Wende in ihrer Heimatstadt in Windeseile angesiedelt hatten, über öffentliche Verbrennungen von ausgestopften menschengroßen Puppen in ihrer national befreiten Zone, die einen Davidstern auf der Brust getragen hatten oder deren Gesichter so bemalt gewesen waren, dass sie an eine arabisch oder asiatisch anmutende Person erinnerten. Das Letztere, da waren sich die Patrioten einig, hatte sie seinerzeit erst überhaupt auf die glorreiche Idee gebracht, so etwas im Harz zu veranstalten – und darauf tranken sie dann noch einen Schnaps! Überdies fanden es die »Kameraden« äußerst amüsant, dass die Polizei und sonstige Behörden, die ihnen auf der Spur waren, sie bei ihren heroischen Taten noch nie richtig hatten dingfest machen können! Noch nie in ihrer ganzen Geschichte! Ein paar belanglose vorläufige Festnahmen ohne Beweise, zählten ihrer Meinung nach nicht, denn sie waren immer nach zwei, drei Tagen wieder auf freiem Fuß gewesen. Alle lachten laut über die offensichtliche Inkompetenz der Gesetzeshüter und sprachen ihrem Anführer Hans ein gebührendes Lob aus, dass er ein feines Händchen für die Planung und Durchführung ihrer erfolgreichen Coups hatte.

Als die dritte Flasche Doppelkorn zur Neige ging, sagte Johannes lallend: »Ich muss mich mal ’ne Runde ausruhen. Sonja, du kommst mit mir. Geh schon mal ins Zelt, mach dich fertig.«

Das Fräulein stand unsicher auf und begab sich, ohne ein Wort zu sagen, leicht wackelnd zu Johannes’ Nachtlager.

»Danach haben wir schon halb fünf«, fuhr er fort, als das Mädchen im Zelt verschwunden war. »Tobs fährt nach Treseburg die Leute abholen und wir können das Kreuz aufrichten.«

Johannes erhob sich, ging zunächst zum Waldrand, um den Druck von der Blase zu nehmen, und richtete alsdann seine Schritte zu dem Zelt.

»Na, was ist denn jetzt, du kleine Schlampe?«, fragte er unzufrieden, als er seinen Kopf in die Eingangsöffnung hindurchsteckte. »Warum bist du denn noch angezogen?«

»Ich … dachte, dass du mich …«, rechtfertigte sich Sonja.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.968
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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