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Des Teufels Steg: Seite 108

»Weg mit dem Scheiß!«, unterbrach sie Johannes und kroch in das Zelt hinein.

Es wurde still im Camp. Durch die deftige Mahlzeit, den Schnaps und die pralle Sonne, die die Lichtung immer noch mit ihren Strahlen verwöhnte, etwas mürb geworden, saßen alle noch eine Weile müde und schläfrig am Feuer, ehe sich Uwe als Erster auf die Seite legte und die Augen zumachte. Tobias folgte ihm.

»Schorsch, was hat er denn mit ›Hexen jagen‹ gemeint?«, fragte Dieter Jürgen, der auch schon mit dem Kopf nickte.

»Na ja«, antwortete die zweite Geige der Kameradschaft apathisch, »gestern sind wir einem Mädchen hinterhergelaufen und sie hat sich dann in Treseburg wie aufgelöst, keine Spur. Die einzige Stelle, wo sie sich versteckt haben konnte, ist ein alter Stollen und der ist mit einem Gitter versperrt. Hans will es aufbrechen. Er glaubt nämlich, dass die Kleine ’ne Hexe ist und in diesem Bau lebt, frag mich nicht! Frag ihn selbst, wenn er gleich mit seiner Tussi fertig ist.«

Jürgen ließ seinen Oberkörper aus der Sitzposition langsam rücklings auf den Boden sinken, bewegte seinen Allerwertesten noch ein paarmal hin und her, um eine bequeme Liegeposition zu finden, und schloss ebenfalls die Augen. Er war nicht mehr ansprechbar.

Die Jenaer Nationalpatrioten hielten Mittagsruhe, während sich aus dem Westen ein zehn Mann starker Trupp auf schweren Motorrädern näherte, der Angst und Schrecken auf der Autobahn verbreitete, denn die Männer fuhren in zweier Reihen wie eine Schlachtformation zu beiden Seiten der Mittellinie, kaum schneller als ein Lastwagen, und man musste viel Mut besitzen, wenn man sie überholen wollte. Allein schon ihr Aussehen versprach nichts Gutes für den Fall, dass man mit dem Überholmanöver ihre Missgunst erregte und am Ende möglicherweise eine persönliche Bekanntschaft mit ihren beschlagenen Stiefeln machen musste. Ihre Sturzhelme glichen der Form nach eher den Stahlhelmen der deutschen Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg, sodass man das Vorhandensein von Maschinengewehren aus derselben Zeit unter ihren Sitzen keineswegs ausschließen konnte. Die Motorradgang hatte inzwischen die Ausfahrt Göttingen erreicht und ihr Anführer am Anfang der Kolonne, der auf einem schicken Dreirad fuhr und auf dem Tank eine Straßenkarte befestigt hatte, hob die linke Hand und zeigte seinen Leuten mit zwei zusammengehaltenen Fingern die neue Fahrtrichtung – nach rechts. Das Knattern der Maschinen wurde leiser, die Motorradbande ging herunter vom Gas, ohne dass die Formation auseinanderfiel, und nahm die Spur, die zur Ausfahrt in die Stadt führte.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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8. Kapitel: WELT JENSEITS DER PFORTE

Jemand klopfte kräftig an der Tür und Cecilia schreckte auf aus ihrem süßen Traum. Sie wusste nicht mehr so recht, was sie geträumt hatte, außer dass es etwas in höchstem Maße Erquickliches war, und sie wollte partout nicht aufwachen, ihre Augen schlossen sich wieder von selbst, es verlangte das Mädchen unwiderstehlich zurück in die Welt, in der Frieden und Harmonie herrschten und alle Sorgen sich spurlos zu verflüchtigen schienen wie morgendlicher Nebel bei Sonnenaufgang. Das Klopfen wiederholte sich. Unwillig richtete sich die junge Frau auf, rieb die Augen, um nicht erneut im verzaubernden Schlummer zu versinken, und schaute sich verschlafen um. Ihr wurde leicht schwindlig und bisweilen trübte noch ein unsichtbarer Traumschleier ihren Blick, sodass Cecilia kräftig blinzeln musste, um die Welt wieder scharf sehen zu können, aber im Übrigen ging es ihr gut, um nicht zu sagen ausgezeichnet: Ein absolutes Glücksgefühl füllte ihr Herz, ein völlig grundloser Optimismus, dass alles sich unumgänglich zum Besten wenden würde, beherrschte ihre Gedanken.

Es musste schon gegen Mittag sein, stellte Cecilia fest, als sie das in die Schlafstube durchs Fenster fallende Sonnenlicht sah, und fragte sich: Warum hatte sie überhaupt so lange geschlafen? Die Mutter schlief auch noch friedlich in ihrem Bett. Doch die nötige Zeit, um nach einer Erklärung zu suchen, hatte das Fräulein nicht, denn die Versuche, Einlass zu bekommen, wurden nicht aufgegeben. Sie stand auf, ging zur Tür – anziehen musste sie sich nicht, denn ihre Kleider hatte sie erst gar nicht abgelegt, bevor sie eingeschlafen war, – und rätselte, wer es wohl sein mochte, während sie den Holzriegel zurückschob.

»Gott sei Dank, Cecilia«, sagte Agnes erleichtert, als die Tür endlich aufging. »Gott sei Dank, dass ihr noch gesund und wohlbehalten seid! Ich habe schon mit dem Schlimmsten gerechnet, weil mir so lange keiner die Tür aufmachte.«

Das Mädchen sah die Frau verblüfft an. Es war Agnes, eine Christin aus dem Dorf, die bei ihnen zwar hin und wieder Heilkräuter und Tränke kaufte, ja das eine oder andere Mal mit zum Kräuterpflücken mitgekommen war, aber ihre Familien hatten nie in einer engeren Beziehung zueinander gestanden und in der letzten Zeit, seitdem Ursel schwer krank geworden war, gingen ihre Kontakte sogar auf höchstens zwei in einem halben Jahr zurück, sodass Cecilia sich gar nicht mehr daran erinnern konnte, wann sie Agnes zum letzten Mal gesehen hatte, und das Fräulein konnte daher nicht ganz nachvollziehen, aus welchem Grunde die Frau sich um sie und ihre Mutter sorgte und dabei dermaßen exaltiert wirkte.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.968
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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