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Des Teufels Steg: Seite 104

»Dieter!«, rief er in die Richtung, aus der die Stimme kam. »Ich bin’s, Tobias. Wir sind hier!«

»Wo, hier?«, schrie Dieter vom Waldrand zurück.

»Wartet, ich komme.« Tobias ließ den Ballen liegen und begab sich zu den Ankömmlingen.

Alle waren bereits ausgestiegen, als Tobias aus dem Wald herauskam, und standen neben dem Wagen: Dieter, ein kräftiger Schlägertyp um die zwanzig mit kurz geschnittenem Haar, der aussah wie jemand, den man lieber zum Freund als zum Feind hatte, Ralf und Uwe, zwei junge Glatzköpfe, die übermäßig stark am ganzen Körper mit unverkennbaren patriotisch-arischen Symbolen tätowiert waren und dicke goldfarbene Ketten um ihren Hals trugen mit einem hakenkreuzähnlichen Gebilde als Anhänger, und Sonja in einer eng anliegenden ledernen Hose und plumpen Springerstiefeln, eine heftig geschminkte »blonde Schönheit«, die eher etwas von einem leichtsinnigen, frivolen Fräulein an sich hatte.

»Na?«, begrüßte Dieter den jungen Anwärter auf Vollmitgliedschaft. »Wie sieht’s aus?«

»Alles in Butter«, erstattete ihm Tobias Bericht zur aktuellen Lage. »Hans und Schorsch bauen das Kreuz im Camp und ich hole das Stroh zum Ausstopfen vom Feld, der Ballen liegt im Wald. Ihr könnt mir dabei vielleicht mal helfen, er ist verdammt schwer.«

»Mal sehen, was sich machen lässt«, erwiderte Dieter und öffnete die Heckklappe am Auto. »Wir haben selbst ’ne ganze Menge zu schleppen! Dann kommt«, wandte er sich an den Rest, »laden wir den Kram aus! Ralf, kannst du dann gleich noch das Auto unter den Bäumen parken, wo das andere steht?«

Alle machten sich an die Arbeit und als das Gepäck – zwei große Reisetaschen, ein zusammengerolltes Zelt in einem Plastikfolienüberzug, ein paar Rucksäcke und beladene Einkaufstüten und schließlich zwei Kisten Bier – am Waldsaum stand und das Auto sicher versteckt schien, sagte Uwe: »Habe ich vielleicht einen Durst!«

Doch kaum hatte er seine Hand nach den Bierflaschen ausgestreckt, erfolgte eine strenge Rüge von Dieter, der in der Gruppe, wie es wirkte, im Augenblick weisungsbefugt war: »Denk nicht mal dran! Wir müssen hier schnell verschwinden von diesem Feldweg, bevor uns noch die Bullen entdecken. Saufen kannst du gleich im Camp.«

Mit unzufriedener Miene hievte Uwe einen der Rucksäcke auf seinen Rücken und nahm die Bierkisten, in jede Hand eine, sodass sie mit einem Ende schräg zu Boden hinunterhingen, und machte zwei, drei Schritte in den Wald hinein.

»Wo geht’s denn lang?«, fragte er Tobias, nachdem er wieder angehalten und sich umgedreht hatte.

»Ja«, sagte dieser bereitwillig, »ich zeig euch den Weg. Es ist nicht weit.«

Er sah Dieter an, ob seinerseits irgendwelche Einwände gegen den überstürzten Aufbruch bestanden, und ging dann zu Uwe nach vorn, um die Mannschaft durch den Wald anzuführen.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Ja, lasst uns gehen«, zwitscherte Sonja dazwischen. »Ich muss mich noch schön machen, bevor die Wessis kommen!«

»Okay, los geht es!«, sprach Dieter noch zum Schluss sein gewichtiges Wort und sie brachen auf.

Die kleine Lichtung, auf der sich erst vor Kurzem die Chefetage der Jenaer Sektion »die Kante gegeben« hatte, war verwaist, als Dieter und Konsorten den Zeltplatz betraten, voll beladen mit Zeug, samt Tobias und Sonja, die ihm mit dem Strohballen half, im Schlepptau. Sie gingen bis zur Feuerstelle, wo noch die letzten, kleinen bläulichen Flammenzungen die verkohlten Holzreste leckten, und warfen die Sachen einfach daneben auf den Boden, nur Uwe stellte seine kostbare Last behutsam neben der angebrochenen Bierkiste ab, die bei Weitem nicht mehr den halben, geschweige denn noch den vollen Flaschenbestand aufwies.

»Jetzt will ich aber auch was trinken«, sagte Dieter und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Er nahm zwei Flaschen aus einer der mitgebrachten Kisten und machte beide auf eine wundersame Art auf, indem er beide Flaschenhälse geschickt gegeneinanderhielt, sodass sich die Zacken der Kronkorken ineinander verhakten und die Verschlüsse der Zugkraft, verstärkt durch Hebelwirkung, nicht mehr standhalten konnten.

Eine Flasche reichte er Uwe. »Hier, Üfchen, still endlich deinen Durst!«

Während sich Ralf gleichfalls aus dem Kasten bediente, wurden Geräusche einer Handsäge im Wald hörbar und außerdem brachte der leichte Wind Bruchstücke einer Unterhaltung herüber, deren Sinn man zwar wegen der Entfernung nicht in vollem Umfang verstehen konnte, die aber mit Gewissheit darauf schließen ließen, dass der Sägevorgang etwas anders vonstattenging, als von den ausführenden Personen beabsichtig, denn das Wort, das in rustikaler Ausdrucksweise das Produkt menschlicher Verdauung beschrieb, – seine zahlreichen Derivate mit eingeschlossen – fiel ziemlich oft und war klar und deutlich zu vernehmen.

»Die Jungs sind ja fleißig!«, scherzte Ralf, als er ein paar Schluck aus der Flasche genommen hatte.

»Johannes! Jürgen!«, rief Tobias laut in den Wald hinein in der Hoffnung, dass die beiden ihn hörten. »Die Jungs sind da!«

Doch seine Schreie gingen unter in einem geräuschvollen Knirschen, Knacksen und Knarren von brechendem Holz und anschließend hörten alle das raschelnde Geräusch eines umfallenden Baumes gefolgt von einem dumpfen Schlag auf den Boden. Die Bemühungen der Holzfäller wurden offenbar von Erfolg gekrönt, sie hatten den Baum trotz der anfänglichen Probleme zu Fall gebracht.

»Geh mal rüber zu denen, Tobs«, meinte Dieter. »Sag, dass wir angekommen sind.«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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