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Des Teufels Steg: Seite 105
Aber ehe sich Tobias auf den Weg machen konnte, erschienen die leicht angetrunkenen Anführer des »Arischen Feuers« von selbst auf der Lichtung. Sie kamen auf die Feuerstelle zu und Jürgen warf die Holzfällerausrüstung, die er in den Händen trug, neben das abgestellte Gepäck. Die Handsäge und die Axt fielen scheppernd ins Gras zwischen die leeren Flaschen auf dem Boden, zerschlugen zum Glück aber keine davon. »Na? Gute Reise gehabt?«, fragte Jürgen in die Runde, während Johannes auf Sonja zusteuerte, ihren Kopf anhob, indem er sie mit seiner linken Hand ungeniert unters Kinn fasste und ihre Wangen zwischen Daumen und Mittelfinger so zusammenpresste, dass ihre Lippen sich nach vorn stülpten, und dem Fräulein einen dicken, nach Bier riechenden Zungenkuss gab. »Hi, Schätzchen«, flüsterte Johannes dem Mädchen ins Ohr. »Kochst du für uns gleich etwas Leckeres? Ich habe einen Riesenhunger auf Erbsensuppe und auf dich!« Er drehte Sonja halb zur Seite und gab ihr von hinten mit der rechten Hand einen sanften Klaps auf ihren runden Steiß. Anscheinend störten Sonja solche Umgangsformen nicht besonders, vielmehr entstand der Eindruck, dass sie ihr auf eine gewisse Weise schmeichelten, denn das Mädchen lächelte nur kokett zur Antwort und wandte sich gleich darauf unbekümmert plappernd an die übrigen Jungpatrioten. »Wo sind denn die Suppen?«, fragte sie. »Und der Kochtopf? Jemand muss auch noch Feuer machen!« »Feuer brauchst du keins!«, bemerkte Jürgen. »Wir haben da ’ne Gasflasche mit Aufsatz zum Kochen, steht am Zelt. Der Topf muss auch dort sein.« »Und die Erbsensuppe?«, erkundigte sich Sonja erneut. »Guck mal in den Rucksäcken nach«, riet ihr Dieter. »Irgendwo zusammen mit dem Schnaps müssen die Dosen liegen.« Das Mädchen begab sich zum Zelt und Hans gab Anweisungen zum weiteren Tagesablauf: »Dieter, kannst du gleich mit Ralfi den Baumstamm von Ästen freimachen und hierherbringen? Wir werden nach dem Essen ein schönes Kreuz draus basteln! Üfchen mit Tobs können die Sachen wegräumen und das Zelt aufbauen. Guckt aber, dass noch genug Platz für die Zelte der Rocker bleibt! Wir mit Schorsch, schauen mal nach einer passenden Stelle, wo wir das Kreuz aufstellen. Das Loch buddeln wir dann später.« »Hier?«, wunderte sich Dieter. Jürgen antwortete ihm: »Ja, wir haben mit Hans überlegt, dass wir es dieses Jahr nicht ganz so auffällig in der Nähe der Seilbahnstation machen. Mittlerweile tummelt sich hier überall so viel Volk rum … sie haben jetzt auch die Seilbahn wiedereröffnet … und die verdammten Bullen, sie haben uns schon letztes Jahr Schwierigkeiten gemacht. Hier ist es noch relativ ruhig.«
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Alle Mitglieder der Jenaer Patrioten-Zelle machten sich in den zugewiesenen Bereichen nützlich: Ralf und Dieter hoben die herumliegenden Werkzeuge auf, begaben sich in den Wald zum gefällten Baum und schon bald konnte man von dort Hiebe der Axt und das fröhliche Ritzeratze der Säge durchs Holz vernehmen, Tobias und Uwe beschäftigten sich mit dem ausgeklügelten System des Zeltaufbaus, bis das Zeltgerüst endlich etwas unglücklich dastand und die Welt schief ansah, weshalb es wieder abgebaut werden musste, und die schöne Sonja … Ja, die schöne Sonja übte sich in der Kochkunst, indem sie den Inhalt von vier Dosen Fertigsuppe in einen Topf schüttete, ihn auf die Kochvorrichtung auf der Gasflasche stellte, die Tobias zuvor zum Brennen gebracht hatte, und unbekümmert davor auf dem Boden saß und sich schminkte. Währenddessen erkundeten die leitenden Mitglieder der Sektion die Waldlichtung nach einem geeigneten Platz, um das Kreuz für das Hexenfeuerfest aufzustellen. Irgendwas passte immer nicht: War es eine hervorragende flache Stelle, so war der Untergrund zu felsig, um mit ihren Mitteln ein Loch graben zu können, war der Boden weich genug, so lag der Platz zu nahe am Waldrand, denn einen Jahrhundertbrand wollten die beiden hier nun doch nicht auslösen angesichts der Gefahr, dass es in der Gegend in einer Viertelstunde von Feuerwehrleuten und Polizei wimmelte – das war nicht geplant –, und passten endlich die Bodenbeschaffenheit und die Entfernung, wies die Stelle wieder ein Gefälle auf, was das Ausrichten und Befestigen der Konstruktion erheblich behindert hätte, immerhin sollte das Kreuz etwa vier bis fünf Meter hoch werden und der Baum, den sie ausgesucht hatten, war ziemlich dick. »Guck mal«, sagte Schorsch auf einmal. »Man könnte annehmen, dass jemand die Arbeit für uns schon erledigt hat!« Er stand vor einem Loch im Boden, das sich für ihre Zwecke nahezu perfekt eignete. Es war tief und breit genug, um dem gefällten Baumstamm genau so viel an Platz zu bieten, damit er von alleine, ohne fremde Hilfe darin stehen konnte, zwar vermutlich etwas zur Seite geneigt, aber wenn man in das Loch noch ein paar Keile aus dickeren Ästen getrieben hätte, um den Stamm zu stabilisieren, hätte das Kreuz ohne zusätzliche Stützen stehen können, denn die Ränder der Öffnung waren aus festem Stein und hätten unter seinem Druck nicht nachgegeben. »Hm …« Hans begutachtete kritisch die Entdeckung. Er schätzte die Entfernung zum Waldsaum, warf einen Blick um sich, ob das Gefälle an der Stelle so weit stimmte, und kam zum Schluss, dass es keinen besseren Platz auf der ganzen Lichtung gab, um ihr Vorhaben zu realisieren, vor allem aber musste man sich nicht mehr mit dem lästigen Buddeln abmühen. Es war immer ein Punkt gewesen, den keiner von der Truppe so richtig gerne hatte erledigen wollen.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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