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Des Teufels Steg: Seite 86

»Geschichte?«, ereiferte sich der Handelsreisende. »Das ist doch keine Geschichte! Das ist das, was ich real erlebt habe!«

»Ich sage es nur dahingehend, dass wenn daraus mal etwas Papierwürdiges entstehen sollte, ich Sie zwecks Vergütung kontaktieren werde. Das verspreche ich Ihnen.«

»Das ist ja ganz nett von Ihnen!«, ironisierte Wolfgang.

»Was aber ihr Mädchen angeht, Breitscheid, sollten wir die Angelegenheit vielleicht noch eine Weile beobachten. Ich kann’s nicht ausschließen. Wissen Sie, ich habe gestern weder das Gesicht von der Frau gesehen, noch habe ich ihre Haarfarbe unter dem Umhang bestimmen können. Ich weiß es nicht. Dennoch, ich habe da so ein Gefühl, das mich selten im Stich lässt, dass die seltsame Frau, oder ihr ›Wildes Fräulein‹, wenn Sie wollen, demnächst wieder auftaucht.«

»Um ehrlich zu sein, will ich sie nicht mehr sehen«, brachte der ohnehin schon von Visionen geplagte Weinhändler seine Abneigung zu unheimlichen Begegnungen zum Ausdruck. »Von mir aus kann sie gerne in der Wirtschaft in Clausthal noch eine Ewigkeit und zwei Tage bleiben!«

»Manchmal, Wolfgang, geschehen solche Dinge unabhängig von unserem Willen, gell? Das können Sie mir glauben, ich habe da gewisse Erfahrungen. Wir sollten mal öfter abends ein Weinchen auf der Terrasse zusammen trinken und nach der Frau Ausschau halten. Sie kommt, da bin ich mir sicher. Heute werden wir es vielleicht nicht, denn heute steht eine Wanderung auf dem Programm und danach …

»Apropos Wanderung!«, unterbrach Wolfgang den Legendensammler. »Hätten Sie was dagegen, wenn ich mich Ihnen anschließe? Ich müsste auch nach Thale, um ein paar Dinge zu regeln.«

»Nicht das Geringste!« Richard freute sich sichtlich über solch eine Wendung. »Eine Wanderung zu viert ist ja noch lustiger als eine Wanderung zu dritt, gell? Meinetwegen sind Sie herzlich eingeladen!«

»Danke.«

»Die Zimmermanns werden bestimmt auch nichts dagegen haben!«, mutmaßte Knöpfle. »Sie sollten dann aber vielleicht die Angelegenheit mit Ihrem Einchecken zügig erledigen, damit wir zeitig starten können.«

»Ist schon erledigt«, beruhigte Wolfgang den Schriftsteller. »Den Schlüssel habe ich in der Tasche. Ich muss nur noch meine Sachen nach oben bringen und mir etwas Wandertaugliches anziehen.«

»Perfekt!«, sagte Richard zum Schluss zufrieden.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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Das gelbe Ortsschild huschte am Auto vorbei. Sie waren wieder in Treseburg. Vor dem Hotel spazierten Ingrid und Rüdiger müßig auf und ab und warteten anscheinend auf die Rückkehr von Richard, denn sie winkten schon von Weitem den beiden Männern im Mercedes zu, als die Letzteren auf den Dorfplatz fuhren.

»Na, schon voll im Wanderoutfit, wie ich sehe?«, fragte Richard breit lächelnd, nachdem er geparkt hatte und ausgestiegen war.

»Ja!« Ingrid lächelte zurück. »Die größte Freude ist die Vorfreude! Wir sind ganz gespannt, durch das Bodetal sind wir schon lange nicht mehr gewandert.«

»Es geht auch gleich los!«, versicherte Richard. »Ich muss mir nur die Wanderschuhe anziehen und Wolfgang mit seinen Sachen helfen.« Er machte sich am Kofferraum zu schaffen. »Übrigens … Wolfgang hat den Wunsch geäußert, sich uns anschließen zu wollen, und ich habe mir die Freiheit genommen, dem zuzustimmen!«

»Aber klar«, meldete sich auch Rüdiger zu Wort. »Es wird ja mit jeder Minute immer spannender!«

»Dann bis gleich!«, sagte noch Richard, bevor sie mit Wolfgang beladen mit vollen Plastiksäcken und Weinkoffern hinter der Hoteltür verschwanden.

Wie es schien, war der Montagmorgen nunmehr nicht nur der Uhrzeit nach endgültig vorbei, denn alle anfänglichen Sorgen und Zweifel hatten sich verflüchtigt, alle Punkte der Tagesordnung hatten sich von alleine sortiert und geordnet, die Stimmung war außerordentlich gut! Einer entspannten Wanderung nach Thale durch das Bodetal in einer halben Stunde stand nichts mehr im Wege.

7. Kapitel: UNHEIMLICHE CAMPER IM WALD

Die Sonne stand schon hoch im Himmel und schien unbarmherzig auf das Zelt inmitten einer Waldlichtung, in dem die drei »ungehobelten« Burschen – Johannes, Jürgen und Tobias – vergeblich versuchten, nach der durchzechten Nacht ihren Rausch auszuschlafen, als Jürgen, der als Spitznamen den auf Deutsch ausgesprochenen französischen Vornamen Georges trug, also Schorsch, die ganze Sinnlosigkeit des Unterfangens als Erster begriff.

»Zum Teufel!«, sagte er verärgert. »Wer kann denn hier noch schlafen? Es ist ja heiß wie im Backofen!«

Schorschi kroch nicht allzu zimperlich über die mürben, kraftlosen Körper seiner Kameraden, die leichenhaft auf dem Zeltboden lagen und dicke Schwaden alkoholhaltiger Düfte in die Luft abgaben, öffnete den Reißverschluss und fiel nach draußen. Leere Bierflaschen, die vor dem Eingang im Gras umherlagen, klirrten schrill unter seinem Gewicht.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.958
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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