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Des Teufels Steg: Seite 70

»Ja, natürlich. Selbstverständlich! Von acht bis zehn Uhr morgens. Sie wissen ja bereits, wo es serviert wird, nicht wahr? Dann bräuchte ich noch ihren Ausweis für die Buchung.«

Soweit es sich erkennen ließ, war das Geschäft besiegelt. Wolfgang reichte der Frau seinen Personalausweis über den Tresen und nahm sich, solange die Rezeptionistin ihre Bögen ausfüllte, das Telefonbuch vor, das etwas abseits auf dem Tresen lag. Wie er auch schon befürchtet hatte, waren die »Gelben Seiten« rappelvoll mit bunten Bildchen der Signets von großen Autovermietungen und ließen bei den Einträgen, die in normaler Schriftgröße gedruckt waren, viel zu wünschen übrig. Doch Breitscheid stellte fest, dass in der Gegend eine Reihe von Autohändlern und Reparaturwerkstätten ansässig waren, unter anderem auch in Thale, dem nächstgelegenen Ort, die ihm potenziell auch einen Wagen vermieten konnten. Er musste irgendwie in diesen Ort, sagte er sich. Aber wie? Noch mal Knöpfle fragen? Vielleicht. Doch man sollte nichts überstürzen, beschloss er, der rothaarige Mann war ja auch so schon sehr entgegenkommend gewesen, als er sich bereit erklärt hatte, Wolfgang mit den Sachen zu helfen. Alles zu seiner Zeit, eins nach dem anderen, traf er seine Entscheidung!

»So, Herr Breitscheid!«, meldete sich wieder die Frau hinter der Rezeptionstheke. »Einmal ihren Personalausweis zurück und einmal den Zimmerschlüssel! Und nein, Sie müssen nicht noch einen Tag Aufenthalt zusätzlich bezahlen, wenn Sie jetzt gleich aufs Zimmer gehen!« Offenbar hatte Sie einiges von Wolfgangs Gespräch mit Stachowski mitbekommen.

»Ja, okay. Vielen Dank!« Der Weinvertreter zerging in einem breiten Lächeln.

»Wir wünschen Ihnen eine schöne Zeit in unserem Haus!«, begrüßte die Dame am Empfang offiziell den neuen Gast.

Doch Wolfgang war es nicht danach, aufs Zimmer zu gehen. Er wusste nicht so recht, was er dort mit sich anfangen sollte. Seine Sachen, sein Terminplaner und sonstige Unterlagen waren nicht da, er konnte beispielsweise die Kunden nicht anrufen, um die Termine für heute abzusagen oder gegebenenfalls zu verschieben. Er konnte gar nichts. Sollte er im Zimmer einfach auf dem Bett sitzen und warten, bis Richard an der Tür klopfte? Wolfgang ging lieber nach draußen und wartete dort, Knöpfle würde sich früher oder später eher vor dem Hotel blicken lassen, sein Auto stand vermutlich auch irgendwo hier auf dem Parkplatz.

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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»Ach, hier sind Sie, gell?«, sagte der »verrückte Schriftsteller«, als er fünf Minuten später durch die Tür ins Freie trat mit einer zum Anzünden fertigen Verdauungspfeife im Mund.

»Ja, ich habe auf Sie gewartet«, erwiderte Wolfgang. »Ihr Wagen muss ja einer von denen sein, nicht wahr?« Er deutete auf die geparkten Autos. »Wollen Sie jetzt etwa noch eine vorher qualmen?«

»Es muss sein«, gab Richard zur Antwort. »Mein Auto ist übrigens das gelbe da!«

Wolfgang sah hin und entdeckte auf dem Parkplatz einen knallgelben, sportlich aussehenden Mercedes. Das Auto war nicht neu aber noch sehr gut in Schuss, man hätte bald »angeberisch zur Schau gestellt« sagen können.

»Der sieht ja aus wie ein Kanarienvogel«, zog Wolfgang den Märchensammler auf.

»Die Farbe musste sein! Ich liebe sie, gell?« Richard machte die Pfeife an, zog ein paarmal kräftig daran, und atmete genüsslich eine Rauchwolke aus.

»Sagen Sie, mein Liebster«, fragte Wolfgang spöttisch. «Was muss man denn in seinem Leben so machen, um so ein Angeberauto zu fahren?«

»Geschichten sammeln«, gab Knöpfle unbeeindruckt zurück.

»Wie jetzt?«

»So wie ich es gesagt habe. Ich reise durch die Gegend und höre mir lokale Geistergeschichten und -legenden an, dann mache ich daraus größere, spannendere Geschichten und veröffentliche sie als Buch.«

»Ach du dickes Ei!«, staunte der Weinvertreter.

»Aber machen Sie sich bloß nichts vor«, fügte Knöpfle ernüchternd hinzu. »Die Sache ist nicht so einträglich, wie sie Ihnen vielleicht vorkommt, gell? Der Wagen ist zum größten Teil auf Kredit gekauft worden.«

»Das meine ich doch nicht!«, entgegnete Wolfgang. »Stellen Sie sich mal vor, ich bin in irgendeine Geistergeschichte reingeraten!«

Richard Knöpfle sah ihn aufmerksam an und paffte leicht aufgeregt seine Pfeife.

»Ja«, fuhr Wolfgang währenddessen fort, »seit gestern Mittag verfolgen mich irgendwelche Horrorvisionen. Widerliche Hexen suchen mich heim, mir erscheinen Geister in Gestalt meiner Exfrau, das Auto geht mir plötzlich bei voller Fahrt einfach aus und weiß der Teufel, was sonst noch … Und ein blondes, blauäugiges Mädchen, eher eine junge Frau, die mich einen Wilden Man nennt und mich um Hilfe anfleht. Und was Sie da beim Frühstück erzählt haben, ich glaube, Sie haben sie gestern auch gesehen, nachdem sie mir kurz nach meinem Unfall erschienen und dann vermutlich nach Treseburg gelaufen war.«

»Hm …«, gab Knöpfle lediglich nachdenklich von sich, er wusste noch nicht, was er von dem Erzählten halten sollte, aber interessant war es für ihn allemal, denn er machte sich ununterbrochen Gedanken über die rätselhafte Frau in einem Nebelschleier auf der Brücke und fand keine Erklärung, welcher Natur die Erscheinung hätte sein können.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.919
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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