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OPEN DIGITAL LITERATURE PROJECT
Des Teufels Steg: Seite 34

»Hallo, Liebchen!«, wandte sich der Legendensammler familiär an die Kellnerin, als er das Restaurant im Erdgeschoss des Hotelgebäudes betrat, – in einem Tonfall, bei dem sich sofort sein unverkennbares Interesse an dem Mädchen durchhören ließ. »Kann ich bitte vorab ein großes Glas Weißwein bekommen?«

»Drinnen oder draußen?«, wollte die junge Frau, der keineswegs Richards lüsterne Blicke entgangen waren, ihrerseits wissen. Sie konnte förmlich spüren, wie der Mann sie mit seinen Augen verschlang, – gestern Abend war es auch nicht viel anders gewesen.

»Ich denke, draußen. Bring bitte auch einen Aschenbecher, ich rauche noch eine Pfeife, gell?«

»Steht auf dem Tisch.«

Richard nahm Platz an einem der Tische und stopfte konzentriert die Pfeife – er trug sie immer in einem Plastiktütchen bei sich in der Tasche nebst dem Päckchen Tabak –, während nebenan ein Pärchen, schätzungsweise Anfang vierzig, dinierte und sich voller Begeisterung mit den hellbraunen, knusprig angebratenen Bachforellen auf ihren Tellern beschäftigte.

»Schmecken sie gut?«, erkundigte sich der Kreativreisende bei den beiden, nachdem er ein paarmal kräftig an der Pfeife gezogen und dann die erste Rauchwolke ausgestoßen hatte. »Sie entschuldigen die Störung.«

Der Mann am benachbarten Tisch, der mit dem Rücken zu Richard saß, drehte sich um, lächelte freundlich und sagte: »Sogar besser als gut!«

»Ja, kann ich nur empfehlen!«, pflichtete ihm vermutlich seine Ehefrau bei, die dem freundlichen Mann gegenübersaß und mit der Richard direkten Blickkontakt hatte, und nahm einen Schluck Wein aus ihrem Glas.

»Ich habe schon gestern mit dem Fisch geliebäugelt«, gestand Richard, »dann mich aber trotzdem für Fleisch entschieden, aber heute werde ich Ihrer Empfehlung vermutlich Folge leisten, gell?«

»Hier ist Ihr Wein, Herr Knöpfle!« Die Kellnerin kam mit einem Tablett in der Hand und stellte das Weinglas, das sie darauf trug, vor Richard auf dem Tisch ab.

Ihm gefiel, dass das alles andere als zahlreiche Personal dieses hübschen Ferienhotels alle Gäste mit Namen ansprach – die Hotelleitung legte offenkundig Wert darauf. Es ging hier auch sonst sehr persönlich und familiär zu, und besonders gerne hörte Richard seinen Nachnamen aus dem Munde dieser bildschönen Kellnerin, die einen bezaubernd klingenden Vornamen hatte – Katja. »Möchten Sie auch speisen?«, fragte Katja noch zum Schluss.

»Ja, ja, sicher«, sagte Richard. Er deutete auf den Tisch nebenan: »Ich würde gerne der Empfehlung dieser Dame folgen und so eine leckere goldbraune Forelle bestellen, gell? Wenn es recht ist?«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Gewiss. Möchten Sie auch eine Suppe vorab?«

»Hm …«, überlegte der Schriftsteller. »Nein, heute wohl nicht.«

Das hübsche Fräulein entfernte sich und Richard machte einen großen Schluck aus seinem Glas. Dann presste er das Mundstück der Pfeife zwischen seine Lippen, hielt den Daumen fest auf dem Pfeifenkopf und machte ein paar kräftige Züge. Rauchschwaden vernebelten die Terrasse.

»Kommen die Forellen aus dem Flüsschen hier?«, richtete er erneut eine Frage an das Ehepaar.

»Wohl kaum«, antwortete der Mann, während er sich abermals zu Richard umdrehen musste. »Früher, noch zu DDR-Zeiten, haben wir hier noch in der Bode geangelt und die Forellen selbst gefangen, die wir später gegessen haben. Das waren noch Zeiten. Heute ist hier alles Naturschutzgebiet, wenn ich mich nicht irre, da braucht man einen Spezialfischereischein, den man nur, keine Ahnung, irgendwo im Ministerium in Bonn kriegt.«

»Ach so!«, tat Richard, als hätte er sich noch nie etwas Ähnliches gedacht. »Sie sind zu den Zeiten auch schon mal hier gewesen, gell?«

»Ja, natürlich, wir sind aus Halle und …«

»Möchten Sie sich nicht zu uns an den Tisch setzen?«, unterbrach die Frau ihren Mann, als er sich wieder umdrehen wollte, um zu antworten. »Sonst kann man sich nur schlecht miteinander unterhalten.«

»Ja, aber gerne«, freute sich Richard über die Gelegenheit, richtig ins Gespräch zu kommen. »Sie haben recht … Warten Sie mal einen Moment.« Er schüttete die Glut und die Tabakreste aus der Pfeife in den Ascher und legte sie zum Abkühlen daneben, eher er sich mit seinem Glas zu dem Pärchen an dem benachbarten Tisch gesellte.

»Was ich sagen wollte«, fuhr der Mann fort, »wir kommen aus Halle, es ist hier in der Nähe, und früher, ich hatte da ein paar gute Beziehungen bei der Gewerkschaft, haben wir hier oft »Betriebsurlaub« gemacht, das war früher ein …«

»Ja, ich weiß, ein Betriebserholungszentrum oder so etwas. Ich hab’s gelesen.«

»Richtig! Und der ganze Urlaub hat uns fast gar nichts gekostet, und angeln und wandern durfte man, wo man wollte. Nur zum Brocken hin war natürlich alles gesperrt.«

»Jetzt haben die Sowjets aber das Gelände geräumt, habe ich gehört. Vor paar Monaten kam es in den Nachrichten, gell?« Richard nahm noch einen großen Schluck Wein und stellte das leere Glas wieder auf den Tisch. »Waren Sie nach der Wende schon einmal dort?«

Richard hatte während seiner Harzreise unter anderem vor, auch den sagenumwobenen Berg zu besuchen, so war ihm jede Information willkommen, die er von Leuten bekommen konnte, welche die aktuelle Situation nicht nur vom Hörensagen her kannten.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.905
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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