Logo Leseecke
OPEN DIGITAL LITERATURE PROJECT
Des Teufels Steg: Seite 28

Was zum Teufel ging hier vor, fragte er sich von Panik ergriffen, als neben ihm unerwartet die Stimme des Imbissinhabers erklang: »Acht Mark und fünfzig Pfennig bitte.«

Wolfgang sah ihn verblüfft an: Wie hatte sich denn der unbemerkt herangeschlichen? Und vor allem: Warum?

»Ich bekomme von Ihnen acht Mark fünfzig«, wiederholte der Wirt. »Für die Suppe mit Brötchen und Extrabockwurst. Möchten Sie noch einen Kaffee trinken? Geht aufs Haus.«

Wolfgang verstand nichts mehr in dieser Welt. Wo kam der plötzliche Sinneswandel bei dem »Typen« her? Der arme Vertreter war noch von dem vorhin Erlebten wie benebelt.

»Ähm …«, gab er von sich. »Meinen Sie es im Ernst?«

»Wie denn sonst? Oder glauben Sie, ich hätte nichts Besseres zu tun?«

»Na, weil sie vorhin … mich so …«, stotterte Wolfgang zur Antwort.

»Ich hab Sie für jemand anders gehalten«, unterbrach ihn der Wirt unwirsch. »Nehmen Sie jetzt den Kaffee oder nicht?«

»Ja.«

»Milch und Zucker?«

»Nein, nur Zucker.«

Der Mann entfernte sich und hantierte hinter dem Tresen an der Kaffeemaschine. Wolfgang konnte sich nach wie vor keinen Vers darauf machen, was nun eigentlich passiert war, dass er plötzlich diese Vision gehabt hatte. Er schielte noch einmal vorsichtig auf die Hexenpuppen, mit denen der Tisch, an dem er saß, dekoriert war, und konnte nichts Außergewöhnliches feststellen. Es waren nur Puppen und keinesfalls zum Leben erwachte Furien, die ihm Böses wünschten. Und vor allem konnte er nicht begreifen, was der merkwürdige Wirt mit der ganzen Sache zu tun hatte. Denn er war derjenige, der auf einmal neben Wolfgang gestanden und, wenn man ehrlich war, ihn aus seiner Vision an der gefährlichsten Stelle zurückgeholt hatte. Der Mann musste auf irgendeine Weise alles mitbekommen haben und hatte in das Geschehen eingegriffen – anders konnte man es sich nicht erklären. Außerdem, sein Verhalten hatte sich völlig verändert, es war ein anderer Mensch. Was machte ihn derart spendabel, dass er einen Kaffee auf Kosten des Hauses ausgeben wollte, wo er doch zuvor äußerst unzufrieden gewirkt hatte, als Wolfgang bei ihm ein Gericht für Geld hatte bestellen wollen. Er sagte, er habe Wolfgang für jemand anders gehalten! Für wen eigentlich? Das passte alles nicht zueinander und Wolfgang sah im Augenblick keine Möglichkeit, das Ganze in seinem Kopf ohne fremde Hilfe irgendwie miteinander in Einklang zu bringen. Er würde gleich versuchen, es bei dem Wirt auf Umwegen in Erfahrung zu bringen, beschloss er, griff in die Hosentasche nach seiner Geldbörse, schließlich musste er ja noch sein Essen bezahlen, und holte einen Zehn-Mark-Schein heraus.

(?)
Leseecke Schließen
Lesezeichen setzen
 
Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
»Jetzt lesen

»Der Rest ist für Sie«, zeigte er sich großzügig, als er dem Inhaber den Zehner in die Hand drückte, nachdem dieser mit dem Kaffee zum Tisch zurückgekehrt war.

Der Mann sah ihn etwas seltsam an, steckte sich aber den Schein in die Brusttasche, ohne sich großartig für das Trinkgeld zu bedanken.

»Sagen Sie doch bitte«, fuhr Wolfgang fort, nachdem er einen Schluck aus der Tasse genommen hatte, »die Figuren hier … Ist es irgendwie eine Ausstellung der örtlichen Handwerker?«

Der Wirt blickte noch seltsamer auf seinen Gast und setzte sich zu Wolfgang an den Tisch. Mit ruhiger Stimme, in der sich auch ein bisschen von seinem Stolz durchhören ließ, sagte er: »Trophäen.«

»Wie bitte?« Wolfgang verlor sich in Vermutungen, was es wohl heißen sollte. »Welche Art von …?«

»Die Art von Trophäen«, ließ ihn der Wirt nicht seine Frage beenden. »Wir sind die Hexenjäger.«

»Hexen… was?« Wolfgang traute seinen Ohren nicht.

»Sie sind hier ein Fremder«, sprach der Mann unbeeindruckt weiter, »aus Hannover, wenn ich mir das Kennzeichen ansehe, Sie haben ja keine Ahnung. Es passieren Dinge im Harz, seltsame Dinge, und sie werden desto seltsamer, je näher sie zum Blocksberg kommen! Solange der Brocken hinter der Grenze im Osten lag, war es noch erträglich, aber seit dem Mauerfall verbreitet sich das Übel ungehindert in alle Richtungen, bis nach Goslar, ja bis nach Göttingen, habe ich schon gehört. Es ist schon längst an der Zeit, dass sich die Leute gegen das Böse organisieren und mit allen Mitteln bekämpfen. Und das haben wir auch getan. Wir sind die Hexenjäger! Wohin sind Sie denn unterwegs?«

»Nach Thale«, antwortete Wolfgang.

»Nach Thale …?«, fragte der Wirt nach und grübelte eine Weile. »Sie müssen an dem Berg vorbei, nehmen Sie sich lieber in Acht. Nicht dass Ihnen etwas Seltsames widerfährt.«

»Was kann denn mir passieren?« Wolfgang war etwas irritiert durch die rätselhaften Geschichten.

»Wer weiß! Es gab schon Leute, die nach einer Wanderung zum Gipfel für immer dem Wahnsinn verfallen waren.«

»Sie glauben also, dass mich irgendwelche Geister …?«

»Reden Sie lieber nicht so laut. Denke, es ist besser, wenn Sie es nicht wissen, was passieren kann. Ich fürchte, dass Sie es noch früh genug erkennen werden, wenn etwas Seltsames im Gange ist. Dann sollten Sie sich schleunigst aus dem Staub machen!«

| Seite 28 von 233 |

Günstige Downloads für Ihr Gerät

Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
PDF
Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
PDF Dokument: Format A5, 518 Seiten, Dateigröße 217.705 KB, Ausgeführte Dowloads 0, PDF-Reader zum Lesen erforderlich! Auch zum Lesen im Ebook-Reader geeignet
12,99 € N/A
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
EPUB
Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
E-Book im ePub-Format: Anzahl Seiten deviceabhängig, Dateigröße 917 KB, deviceübergreifend optimiert, Ausgeführte Dowloads 0, e-Book Reader zum Lesen erforderlich!
12,99 € »Epubli Verlag
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
Jetzt eine Printausgabe bestellen! Sie werden gleich auf die Seite des Verlages weitergeleitet, wo Sie Ihr Exemplar bequem erwerben können.
26,99 € »Epubli Verlag

Diese Seite weiterempfehlen

»Link an Freunde senden
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.881
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

Ihre Spende ist willkommen!

Wir stellen Ihnen gerne alle Inhalte unserer Webseite kostenlos zur Verfügung. Sie können die Werke auch in der E-Book-Version jederzeit herunterladen und auf Ihren Geräten speichern. Gefallen Ihnen die Beiträge? Sie können sie alle auch weiterhin ohne Einschränkungen lesen, aber wir hätten auch nicht das Geringste dagegen, wenn Sie sich bei den Autoren und Autorinnen mit einer kleinen Zuwendung bedanken möchten. Rufen Sie ein Werk des Autors auf, an den Sie die Zuwendung senden wollen, damit Ihre Großzügigkeit ihm zugutekommt.
Tragen Sie einfach den gewünschten Betrag ein und drücken Sie auf "jetzt spenden". Sie werden anschließend auf die Seite von PayPal weitergeleitet, wo Sie das Geld an uns senden können. Vielen herzlichen Dank!

Diese Seite weiterempfehlen

»Link an Freunde senden
Kreisende Punkte
Leseecke Schließen