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Des Teufels Steg: Seite 226
Dieter, Ralf und Uwe überlegten nicht lange und rannten Hals über Kopf in eine Richtung davon. Hannes, der ihnen im Wege stand, war kein Hindernis. Der Mann verweilte in einer Starre. Den adventus Domini sah man schließlich nicht alle Tage, und um ehrlich zu sein, war es für den jungen Adepten ein absolutes Novum. Die kiloschwere Faust von Dieter traf ihn mitten ins Gesicht und der Tischler ging bewusstlos zu Boden. »Halt!«, stoppte Johannes seinen Freund, als Schorsch den flüchtenden Kameraden folgen wollte. »Nicht so schnell. Wir laufen in die andere Richtung.« Die Freunde rannten los und Sonja schloss sich ihnen an. Als das Trio schon den Waldrand erreichte, drehte sich der Hauptpatriot um und zischte durch die zusammengepressten Zähne: »Wir kommen wieder. Schöne Grüße aus Jena.« Richard Knöpfle wusste nicht recht, welche Gruppe er verfolgen sollte, um den sich selbst auferlegten Auftrag zu Ende zu führen. Bislang war es ihm nicht gelungen, auch nicht nachdem dieser Hannes aufgetaucht war, mindestens einem Nazi den Schädel mit seinem dicken Knüppel zu zertrümmern. Sie waren ziemlich geschickt im Nahkampf, zu geschickt, hatte er mit Bedauern feststellen müssen. Der Schriftsteller stand eine Zeit lang unschlüssig da und erst als er die abnehmenden Drehzahlen der Helikopterschraube wahrnahm und einige Schatten aus der Maschine aussteigen und in dieselbe Richtung wie die erste Gruppe laufen sah, fiel seine Entscheidung. Er folgte Hans, Schorsch und Sonja. Auch die Schutzgardisten erwachten plötzlich aus ihrer Starre und spritzten in alle Richtungen auseinander wie eine Handvoll verschütteter Erbsen, um sich in Sicherheit vor unerklärlichen Dingen zu bringen, die die Aufnahmefähigkeit ihres Verstandes bei Weitem überstiegen. Die Schlacht schien vorüber zu sein.
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Unterdessen hatten Wolfgang und Cecilia die geheimnisvolle Brücke erreicht. Sie sahen schon aus der Ferne die im Scheine des Mondes aufwallenden Nebelschwaden über der Schlucht, in denen sich die dunklen Umrisse des Teufelsstegs erahnen ließen. Vor dem Abgrund warteten die übrig gebliebenen freiwilligen Kämpfer, sie hatten den Verlust von Jobst zu beklagen und ein Dörfler war auf dem Schlachtfeld liegen geblieben, und die wilden Krieger, deren Reihen sich auch etwas gelichtet hatten. Ruprecht und Gretlin, die sich inzwischen einigermaßen erholt hatte und auf ihren eigenen Beinen stehen konnte, waren ebenfalls erst vor Kurzem zu der Gesellschaft gestoßen, die auf die andere Seite übergesetzt werden wollte. »Wo ist Hannes?«, fragte Ruprecht. »Ja …«, druckste Wolfgang. »Er … musste … wollte…« »Er hilft noch dem Freund vom Wilden Wolfgang und kommt gleich«, sprang für ihn Cecilia ein. »Das ist nicht gut«, bedauerte Ruprecht. »Ich glaube, die Wilden wollen keinen Augenblick länger warten.« Wolfgang merkte, dass der Anführer der wilden Sippe schon zu ihm eilte und etwas mit Händen und Füßen zu erklären versuchte. Gerlinde war nicht anwesend und der Weinhändler verstand wenig von der wilden Sprache, glaubte aber, dass Ruprecht recht haben konnte. »Und wie kommt Hannes zurück?«, wollte Cecilia wissen. »Ähm …«, tat sich Wolfgang wieder schwer mit der Antwort. »Er könnte ja warten. Wir kommen später noch einmal. Morgen Früh.« »Morgen ist die Brücke nicht mehr da«, entgegnete das Fräulein. »Heute ist die letzte Nacht.« »Na dann vielleicht beim nächsten Vollmond. Richard ist bei ihm. Er wird ihn nicht im Stich lassen. Außerdem ist die Polizei dort!« »Wer?«, fragte das Mädchen nach. »Ähm … Du hast ja das Geräusch gehört. Es ist jemand gekommen, um sie zu beschützen. Es wird ihm nichts passieren. Ich frage mich aber, was mit deiner Oma ist. Und mit der anderen alten Frau, die am Kreuz war.« »Großmutter weiß, wo die Brücke ist. Und ich denke nicht, dass sie mit der Frau zusammen zurückkommt.« Wolfgang dachte kurz nach und sagte: »Ich glaube, wir sollten jetzt die Leute auf die andere Seite führen, solange die Brücke noch vorhanden ist. Dann können wir ja sehen.« »Gut«, stimmte ihm das blauäugige Mädchen zu. Alle bildeten eine Menschenkette und jeder hielt den Hintermann an der Hand, damit die Fähigkeit, die Brücke unter seinen Füßen spüren zu können, von Mann zu Mann nach hinten weitergegeben wurde – Cecilia betrat den Überweg als Erste – und auch umgekehrt, von hinten nach vorne geleitet, denn Wolfgang sollte die Kolonne abschließen.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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