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Des Teufels Steg: Seite 219

»Bullen!«, rief Johannes, als er plötzlich einen fremden Mann in einer seltsam anmutenden schusssicheren Weste schnell auf das Lagerfeuer zukommen sah und ihn für einen Beamten des Sondereinsatzkommandos hielt. »Verteilt euch in der Gegend!«, schrie er zu seinen Leuten. »Die Bullen kommen!«

Alle sprangen auf, blickten sich irritiert um und Dieter fragte: »Wo?«

Statt einer Antwort zog Johannes die Pistole, die er nach dem Vorfall mit Schorsch an sich genommen hatte, und zielte auf den Hauptmann der Schutzgarde. Zum Abfeuern der Waffe kam es nicht. Der vermeintliche Polizist löste sich im nächsten Augenblick wie in Luft auf.

Eine weitere zeitbeugende Welle raste unsichtbar durch die Gegend ausgesandt von der magischen Brücke und brachte Vater Nicklas mit seiner treuen Schutzgarde zurück auf die Waldlichtung, auf der er unverhofft die vermissten Scheiterhaufen an den Kreuzen entdecken konnte.

»Was war das, Kuntz?«, wunderte er sich.

»Ich hab es Euch gesagt, Euer Ehren, dass wir die Scheiterhaufen gleich zu Gesicht bekommen!«, antwortete der Befehlshaber der Schutzgarde sichtlich darüber erfreut, dass der Spuk vorüber war.

»Es ist wahrlich ein Teufelswerk«, resümierte der Untersuchungsrichter. »Aber eins steht fest: Die Hexer haben sich verflüchtigt, als sie die Spitzen der Speere gegen sich gerichtet gesehen haben. Das ist eine gute Nachricht!«

»Jawohl, Euer Ehren«, hütete sich der Schutzgardist, dem Inquisitor zu widersprechen.

»Ich merke übrigens, dass ihr gute Arbeit geleistet habt«, lobte Vater Nicklas Kuntz und seine Männer. Er blickte prüfend auf die aufgeschichteten Holzhaufen. »Die Feuer werden heiß brennen.«

»Jawohl, Euer Ehren.«

Der Blick des Richters wanderte eine Zeit lang von einer Seite der Lichtung zur anderen und zurück. Er unterzog den Platz einer visuellen Prüfung und prägte sich jedes Detail der Umgebung ein.

Sichtlich zufrieden mit den Ergebnissen würdigte er wiederholt die Leistung der Schutzgardisten: »Gute Arbeit … Geradezu perfekt ausgeführt!«

»Jawohl, Euer Ehren.«

»Wir sollten uns jetzt auf den Heimweg machen, Kuntz«, meinte dann der Franziskaner. »Die Stunde ist schon fortgeschritten, bis wir zurück sind, ist es wahrscheinlich dunkel, und ich habe heute noch einiges vor.«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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15. Kapitel: DER SCHICKSALHAFTE TAG

An der Zeitpforte rumorte es. Und es war nicht nur der Bodekessel, der mit ungeheurer Kraft die Wassermassen aufwirbelte, gegen umliegende Felsen schleuderte und die Erde erbeben ließ. Auch die geheimnisvolle Brücke sandte Schwingungen aus, die sich wie Wellen auf dem Wasser nach einem Steinwurf ringförmig in der Gegend ausbreiteten. Ihre Kraft reichte vielleicht nicht aus, um das Dorf zum Tale zu erreichen, aber in der näheren Umgebung, auf dem Hexentanzplatz, waren ihre Auswirkungen allemal zu spüren. Nein, es gab mitnichten irgendwelche Erderschütterungen oder malmende Geräusche von tektonischen Verschiebungen, alles geschah laut- und tonlos. Doch jede weitere unsichtbare Woge trug auf ihrem Kamm eine kleine Zeitenwende, die die Welt ex abrupto aus dem modernen Zeitalter um vier Jahrhunderte zurückwarf oder mit der nächsten Welle den Vorgang wieder rückgängig machte. Und die Wellenlängen verkürzten sich zuweilen, sodass die Zeitwogen schon bald nahezu im Sekundentakt gegen den Hexenberg brandeten. Die Häufigkeit der Sprünge auf der Zeitachse nahm zu und die Luft schien vom ununterbrochenen Hin und Her wie in der flimmernden Hitze der Wüste zu zittern.

Für die Besucher des mysteriösen Ortes äußersten sich die wundersamen Verwandlungen vor allem auf die seltsame Art und Weise, dass sie die Zeitsprünge gar nicht mehr als solche wahrnahmen. Wie merkwürdig es auch klingen mochte, aber der blitzschnelle Wechsel zwischen den Epochen führte dazu, dass Elemente beider Welten permanent präsent waren und die Menschen den Vorgang als einen gleichmäßigen Zeitfluss perzipierten – Menschen, die in diesen unerwartet aufgetretenen, tückischen Strudel hineingeraten waren, der sie nicht losließ, bis sich irgendein Rädchen der gnadenlosen Zeitmaschinerie aus unerfindlichen Gründen in die entgegengesetzte Richtung drehte. Die Welten trennten sich dann erneut und existierten jede für sich wie schon seit eh und je.

Schon mittags, auf dem Hexenberg fanden derzeit keine extremen raumzeitlichen Phänomene statt, zogen die ersten Dörfler zum Tanzplatz, nachdem in der Siedlung das Gerücht die Runde gemacht hatte, dass die verurteilten Hexen bereits vor einer Stunde von der Schutzgarde ohne großes Aufsehen zum Ort ihrer Einäscherung eskortiert worden waren. Es waren zum Teil Schaulustige, die sich schon so früh auf den Weg machten, um alles, absolut alles vom Anfang bis zum bitteren Ende mit ihren eigenen Augen zu erleben, zum Teil alte und gebrechliche Menschen, die länger brauchten, um auf den Berg zu kommen, – sie wären gerne zu Hause geblieben, doch die Ankündigung drakonischer Strafen zeigte ihre Wirkung –, aber auch einige Frauen, die sich sehr zeitig zum Tanzplatz begaben, um den zum Tode Verurteilten, mit denen sie erst vor Kurzem zum Kräuterpflücken gegangen waren, seelischen Beistand durch ihre Präsenz zu leisten.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 8.048
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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