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Des Teufels Steg: Seite 218

»Hans«, nutzte Uwe den günstigen Moment, als Johannes einmal schlucken musste. »Wo wollen wir denn so viele Kanonen herkriegen?«

»Das überlass mal mir!«, versetzte der Zellenvorstand. »Nicht nur Pistolen! Maschinengewehre und Sprengstoff, um die beschissenen Gemüseläden in die Luft zu jagen, – wir kriegen alles! Die Schmarotzer haben hier kein Recht auf Existenz. Deutschland ist für Deutsche gedacht. Und es kommt der Tag, wenn auch andere Patrioten wach werden. Wir werden mehr, wir werden Gesetze für unser schönes Land erlassen, die die Einreise von Dunkelhäutigen nach Deutschland verbieten, Vorschriften, die es verordnen, das farbige Gesindel aus dem Land rauszuwerfen! Das ist die Welt, in der ich leben will, das Land, von dem ich träume. Mit unserem Kampf werden wir auf den Grundfesten dessen, was vor fünfzig Jahren zerstört worden ist, das neue Deutsche Reich errichten, das noch tausend Jahre währt.«

Beeindruckt von den sich plötzlich öffnenden Perspektiven saß die Meute schweigsam am Lagerfeuer und verdaute den Stoff, nachdem der Hauptpatriot verstummt war, um das Gesagte wirken zu lassen.

»Und wann geht es los?«, erkundigte sich schließlich Ralf.

»Wir sind mittendrin«, antwortete Hans. »Lasst uns daher das Hexenfeuerfest morgen fröhlich abschließen, wie geplant mit säuberndem Feuer unter dem Arsch von Ali. Ich hoffe … Ich bin mir sogar sicher, dass wir schon bald einen echten Ali und eine echte Gülcan in die Finger kriegen. Bis dahin müssen wir uns noch mit Strohpuppen begnügen.«

Jürgen horchte auf und hob seine Hand, um die Aufmerksamkeit des Sektionsvorsitzenden auf sich zu lenken. Er deutete auf das Zelt, in dem Johannes die Nacht verbracht hatte.

»Nein, die kleine Hexe bleibt dort, wo sie ist«, lehnte er den wortlosen Vorschlag seines Kumpels ab. »Ich hab’s mir anders überlegt. Die Blonde wird nicht eingeäschert, ich brauche sie für andere Zwecke.«

Welche Zwecke es im Einzelnen waren, verriet Hans nicht und ließ seinen Freund im Dunkeln tappen, was seine Absichten anging. Es war alles seltsam, dachte Jürgen zum wiederholten Mal. Der zweite Mann der Jenaer Zelle wunderte sich ohnehin, woher der Chef auf einmal überhaupt diese okkulte Ader hatte. So kannte er ihn gar nicht. Dieses blonde Mädchen, das auch noch so gut wie keiner außer ihm, Jürgen, und Hans selbst richtig sehen konnte, machte seinen Kumpel einfach verrückt. Was Johannes mit ihr vorhatte, blieb ihm ein Rätsel, der Mann hielt sich bedeckt und ließ keinen an das Mädchen heran, das gefesselt und geknebelt im Zelt lag.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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Bei dem Stichwort »kleine Hexe« spitzte auch Vater Nicklas seine Ohren, der zusammen mit dem Schutzgardisten im hohen Gras nicht weit von der Feuerstelle entfernt lag und die in seinen Augen sehr merkwürdige Gesellschaft belauschte. Der Franziskaner wurde einfach nicht schlau daraus, was es für Leute sein konnten. Wie einfache Dörfler sahen sie nicht aus. Für armselige, bescheidene Bauern waren die Kerle zu aufwendig gekleidet und so eine Art von Kleidung hatte er persönlich noch nie in seinem Leben zu Gesicht bekommen. Sie sprachen seltsam. Und noch befremdlicher erschien dem Richter der Inhalt der zündenden Rede, die der großgewachsene junge Mann, vermutlich ihr Anführer, gehalten hatte. Vater Nicklas als gebildeter Mann, der ein gehobenes kirchliches Amt innehatte, hatte gelinde gesagt sehr wenig davon verstanden, um was es dort ging. Wessis, nationale Ideen, Maschinengewehre und Sprengstoff – alles vermischte sich in seinem Kopf zu einem formlosen Brei aus unbekannten Begriffen.

Doch als das Wort »Hexe« gefallen war, wurde ihm plötzlich wieder alles glasklar. Es musste eine Zusammenkunft von Hexern sein, Jüngern des Leibhaftigen, bei der sie in höllischen Künsten unterrichtet wurden. Der Ort hier hieß im Volksmund nicht von ungefähr »Hexentanzplatz«, mutmaßte der Franziskanerbruder. Solche Versammlungen waren auf der Lichtung allem Anschein nach schon früher beobachtet worden und sie waren vermutlich auch der Grund dafür, warum der Platz auf dem Berg Jungfrauen und Weiber aus dem Dorf magisch anzog. Und derjenige, der gerade feurig gesprochen hatte und hier offenbar der Wortführer war, musste der böse Geist persönlich sein oder zumindest jemand, der bei ihm ein und aus ging.

»Kuntz«, flüsterte der Richter, »ich glaube, wir haben den Quell des Bösen entdeckt.«

Der Schutzgardist, der nicht minder verwundert das Geschehen am Lagerfeuer verfolgte, nickte einige Male zustimmend mit dem Kopf.

»Wir müssen die Teufelsbrut ausmerzen«, sagte Vater Nicklas zu ihm. »Sind deine Leute bereit zum Angriff?«

»Ja, Euer Ehren …«, bestätigte der Hauptmann unsicher. »Aber da ist noch was. Die Männer können die Leute kaum sehen.«

Der Mönch blickte verblüfft auf den Schutzgardisten.

»Höchstens als schattenhafte Gestalten«, fügte der Mann erläuternd hinzu. »Und wir sind nur zu sechst. Ich weiß nicht, ob ein Angriff …«

»Wir müssen es versuchen«, meinte der Inquisitor unnachgiebig zur Antwort.

»Gut«, sagte der Hauptmann und erhob sich aus dem Gras. Es war das Zeichen, auf das die Einheit wartete, um den Angriff zu starten.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 8.048
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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