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Des Teufels Steg: Seite 200

Der Anführer des wilden Trupps nahm bei einem seiner Männer, der mit dem Tragen der Frauen betraut war, den Schlagknüppel, reichte ihn Hannes und erklärte ihm etwas mit gurgelnden Lauten.

»Wir gehen zum Hexentanzplatz«, beeilte sich Gerlinde mit der Übersetzung, »um Cecilia zu befreien. Der Wilde Mann sagt, du sollst mitkommen. Wir könnten noch einen kräftigen Mann gebrauchen.«

Bei dem Namen »Cecilia« veränderte sich Hannes’ Gesichtsausdruck. Er erkannte auch die Frau wieder, die neben der Greisin auf dem Boden saß, – Cecilias Mutter Ursel! Hier versteckten sich also die beiden, war sein erster Gedanke! Und sie haben sich auch sehr ansehnliche Beschützer ausgesucht.

»Wurde sie festgenommen?«, erkundigte er sich bei Ursel.

»Ja, Hannes«, bestätigte sie. »Aber nicht so, wie du vielleicht denkst.«

Der Tischler sah sie fragend an.

»Meine Tochter ist in der anderen Welt und wird dort gefangen gehalten.«

Hannes verstand noch nicht ganz, von was für einer Welt die Frau sprach. »Von Vater Nicklas?«, fragte er.

»Nein, ich sage doch, in der anderen Welt jenseits der Brücke.«

»In meiner Welt!«, mischte sich Breitscheid in das Gespräch ein, denn er hatte den Eindruck, dass Ursel mit ihren Erklärungen nicht weiterkam. »Sie liegt auf der anderen Seite der Schlucht und man erreicht sie über die Brücke.« Er streckte die Hand aus und deutete zum Fluss, wo gegenwärtig allerdings weit und breit nichts Ähnliches zu sehen war. »Cecilia war dort nicht vorsichtig genug und wurde von … von Räubern entführt.«

Aus Erfahrung hatte sich der Weinvertreter die umständlichen Erklärungen zu Rechtsradikalen und Nazis gespart, denn die jungen Leute, Ruprecht mit Jobst, die sich nämlich auch kein einziges Wort von der Unterhaltung entgehen ließen, standen ohnehin schon verdattert da und wussten nicht, was sie glauben sollten.

»Aber es ist doch keine Brücke da«, ließ Jobst schüchtern fallen und suchte mit dem Blick nach einer Bestätigung bei seinen Freunden.

»Jetzt nicht, aber wenn der Mond scheint«, entgegnete Breitscheid. »Über diese Brücke ist Cecilia in meine Welt gegangen.«

Hannes war der sonderbar gekleidete ältere Herr schon längst aufgefallen, noch als die alte Frau ihm die Worte der Wilden Männer übersetzt hatte, und er war zum Teil geneigt, ihm die seltsame Geschichte mit der anderen Welt zu glauben, denn der Unbekannte an sich mutete schon ein wenig wie nicht von dieser Welt an.

»Die Welt des Bösen?«, hinterfragte Hannes.

»Nein!«, ärgerte sich Breitscheid.

»Eine Hexe kann nur in die Welt des Bösen durch die Luft wandern. Und eure Cecilia ist eine. Ich habe gesehen, wie sie über der Schlucht schwebte. Das können nur Hexen.«

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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»Wir sind keine Hexen!«, wurde plötzlich Gerlinde laut. »Diese Märchen hat dir bestimmt diese Irmel erzählt. Sie stimmen nicht! Meine Enkeltochter kann nur die Brücke sehen wie ich oder Ursel, und du nicht. Sie ist über den Steg gewandert!«

Jetzt begriff Hannes, wer die alte Frau war. Er erinnerte sich an das Gerede im Dorf über alte Zeiten, über den Streit, den Irmel mit Ursels Mutter angeblich gehabt hatte, über ihr plötzliches Verschwinden, über die unverhoffte Denunzierung von Cecilia und Ursel durch die Schneiderin. Er spürte, dass das Ganze irgendwie zusammenhing, konnte aber aus den rätselhaften Verflechtungen der Schicksale noch nicht in vollem Maße klug werden.

Von Zweifeln geplagt sagte er dennoch: »Wir sind auch unterwegs zum Hexentanzplatz. Auch wir wollen dort jemanden befreien. Ruprechts Frau und Irmel, und noch jemand! Sonst werden sie alle am Sonnabend unschuldig eingeäschert. Wir haben den gleichen Weg und wenn ihr uns bei unserer Sache helft, so werden wir auch euch mit Cecilia helfen. Dann nehme ich auch eure Waffe an!«

Der Hauptmann der Wilden Männer stand immer noch vor dem Tischlergesellen mit dem Knüppel in der Hand, den er Hannes geben wollte. Gerlinde übersetzte ihm halblaut die kurze Fassung der mit den jungen Leuten geführten Verhandlung und der Rest der Wilden Männer hörte aufmerksam zu. Alle nickten bejahend, nachdem die alte Frau den letzten Satz gesprochen hatte, und der Anführer machte einen Schritt auf Hannes zu und drückte ihm die Schlagwaffe in die Hand. Hannes nahm sie ohne Widerreden an. Der Vertrag war besiegelt.

 

Auch Richard Knöpfle hatte die Nacht im Wald verbracht. Doch er war nicht allein gewesen, wie man es sich vielleicht hätte denken können, nachdem gestern zuerst Elke und dann auch Wolfgang aufgrund äußerst dringlicher, keine Verzögerung duldender Angelegenheiten sich von ihm verabschiedet hatten. Bei ihm war Tobias. Derselbe Tobias, den die Nationalpatrioten schon eine Zeit lang auf der Waldlichtung vermissten.

Auf den Jungen stieß der kreativreisende Autor rein zufällig, als er das Probefeuer der Nazis beobachtete, während er andauernd seine Position wechselte, um einen besseren Blickwinkel zu bekommen. Plötzlich hörte er neben sich in der Dunkelheit ein weinerliches Flehen mit der inständigen Bitte, den Verursacher der klagenden Töne in Frieden von dannen ziehen zu lassen und ihm auch sonst nichts Schlimmes anzutun.

»Wer bist du?«, fragte Richard streng, als er keine zwei Meter entfernt eine menschliche Figur entdeckte, die auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten lag und ihren Kopf unter den schützenden Händen vergrub.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 8.048
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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