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Des Teufels Steg: Seite 192
»Ich muss zurück«, sagte der Handelsreisende nachdenklich. »Wohin, zurück?«, fragte Knöpfle ahnungslos. »Na ins Mittelalter. Hilfe holen. Die Wilden Männer!« »Wen?« »Die Wilden Männer!«, antwortete Breitscheid genervt. »Es wird ja immer besser! Bald machen sie Zeitsprünge, bald …« »Ach Knöpfle, hören Sie auf, mit Ihren … Ihren … Es gibt sie wirklich! Ich habe sie gesehen, ich habe sie angefasst. … oder besser gesagt, sie mich! Es ist die einzige Möglichkeit. Ich glaube nicht, dass die Polizei heute noch kommt.« »Da könnten Sie vielleicht recht haben. Aber was soll ich denn hier allein mit den Typen machen?« »Verstecken Sie sich. Es dauert nicht lange. Bald geht schon die Sonne unter. Bis ich wieder an der Brücke bin, ist es vielleicht schon dunkel und der Mond geht auf. Und bin ich einmal auf der anderen Seite, ist es nicht mehr weit.« »Und was versprechen Sie sich von dem Ganzen, Breitscheid?«, äußerte Knöpfle seine Bedenken. »Tragen Ihre Männer kugelsichere Westen? Denken Sie, sie können nicht getroffen werden?« »Knöpfle, es sind riesige Kerle, die sich geräuschlos durch den Wald bewegen. Ein Dutzend von ihnen jagen die Versammlung hier nur so auseinander, dass die Typen vor Schreck wie Ungeziefer in alle Himmelsrichtungen spritzen.« »Ja, okay«, gab sich der Schriftsteller geschlagen, blieb aber nach wie vor sehr skeptisch. »Tun Sie es. Ich bleibe hier und beobachte das Ganze. Vielleicht taucht ja noch die Polizei auf? Oder ich muss mich diesmal auf den Weg machen, um sie zu holen, wenn es brenzlich wird.« »Gut, dann viel Glück, Knöpfle«, sagte der Handelsreisende sich verabschiedend und machte Anstalten zum Aufbruch. »Bis später.« Der Legendensammler antwortete mit einem zustimmenden Kopfnicken und Breitscheid verschwand lautlos hinter den Baumreihen.
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13. Kapitel: RUND UM DEN HEXENTANZPLATZElke Käßler machte ihre Augen auf und erinnerte sich sofort an die missliche Lage, in der sie sich befand. Ob sie einfach eingeschlafen war oder das Bewusstsein verloren hatte, wusste die Frau nicht mehr. Die Seilbahnangestellte saß immer noch auf dem Boden mit dem Rücken gegen einen dicken Baum gelehnt an der Stelle neben dem Wanderpfad, zu der sie gestern Abend noch mit Mühe und Not gekrochen war, nachdem sie sehr ungeschickt über eine aus dem Boden ragende Baumwurzel auf dem Weg gestolpert und so unglücklich gestürzt war, dass sie sich das linke Schienbein gebrochen hatte. Dass sie ihre Gliedmaße ganz übel angeknackt hatte, begriff Elke unverzüglich, noch während sie auf dem Trampelpfad lag und helle Blitze hinter ihren geschlossenen Augenlidern beobachtete, die durch den unerträglichen Schmerz oberhalb des Fußgelenks verursacht wurden. Es bedurfte keiner tiefen medizinischen Kenntnisse, um ihre anfängliche Vermutung als einen endgültigen Befund anzusehen, – den Knick im unteren Teil des Beins konnte die Frau mit bloßem Auge erkennen, als sie das Hosenbein etwas hochzog und einen Blick auf die schmerzende Stelle warf, nachdem sie sich aufgesetzt hatte. Der Versuch aufzustehen scheiterte kläglich. Mit dem linken Fuß konnte Elke nicht auftreten und auch wenn sie nur auf dem gesunden Bein stand und das verletzte leicht anhob, damit der Fuß in der Luft hängen blieb, verursachte die Bruchstelle infernalische Schmerzen, sodass die Gehandicapte damit vorliebnehmen musste, sich wieder auf den Boden zu setzen und dort zu verweilen. Sie lag auf der linken Seite mit angehobenem Oberkörper sich mit dem Ellbogen abstützend und hoffte darauf, dass ein Ausflügler irgendwann des Weges kam und ihr zu Hilfe eilte. Doch bis zum Abend ließ sich niemand blicken und so stand Elke, als die Nacht allmählich Einzug hielt, keine andere Option zur Auswahl als die, sich ein Plätzchen zu suchen, wo sie wenigstens bequemer liegen konnte. Die Brandenburgerin hatte bisher noch nie in ihrem Leben die Nacht in einem dichten, finsteren Wald allein verbracht und gruselte sich, als sie unverhofft feststellen musste, dass der Tann zu der dunklen Tageszeit gar nicht schlief, sondern vielmehr von Leben erfüllt war. Sie konnte zwar nichts in der Dunkelheit erkennen, dennoch zuckte Elke jedes Mal zusammen, wenn sie etwas hörte. Bald war es ein Knacken der abgefallenen Zweige auf dem Boden, als ob jemand um sie herumschlich, bald ertönte ein dunkler, länger anhaltender Ruf irgendeines Tieres oder Vogels in der Nacht und ließ Elke das Blut in den Adern gefrieren und von Zeit zu Zeit wuselte und raschelte es heftig im trockenen Laub ganz in ihrer Nähe, sodass die Frau gleich an eine Schar gefräßiger Ratten denken musste, die sich in den Hinterhalt gelegt hatten, um sie zu überfallen, sobald sie ihre Augen schloss. Die Laute, die das Treiben der unbekannten Wesen im Unterholz begleiteten, klangen teils miauend weinerlich, teils knurrend bedrohlich und bisweilen glaubte Elke, ein hechelndes Geflüster aus der Richtung zu vernehmen, das ihr äußerst seltsam und unheimlich vorkam.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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