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Des Teufels Steg: Seite 19

Von einer Begegnung mit Unbekannten des Nachts in der Schlucht versprach sich Cecilia nichts Gutes. Die beste Möglichkeit zur Flucht, und streng genommen auch die einzige, bot die Brücke, die schon in greifbarer Nähe in einer Nebelwolke über der Klamm vor ihr lag. Sie musste sich auf die andere Seite retten, dort war sie vor den Verfolgern sicher, so glaubte Cecilia. Möglicherweise würden sie die Brücke im Neben übersehen. Sie eilte voran, um den Steg zu erreichen, noch bevor sich die Männer hinter dem Felsen zeigten.

Cecilia setzte ihren Fuß auf die schemenhafte Konstruktion. Die Brücke hielt ihr Gewicht, so wie sie es schon unzählige Male zuvor gehalten hatte. Das Mädchen zog das andere Bein nach und schwebte, so wäre es einem Außenstehenden vorgekommen, nunmehr in der Luft über dem Abgrund.

 

Die Gestalt im langen dunklen Umhang und mit der Laterne in der Hand verschwand hinter einem Felsen in der Biegung und Hannes machte seinem Ärger Luft.

»Kannst du nicht endlich aufhören mit dem ganzen Mist von Wilden Männern?«, schnauzte er Ruprecht an.

Ruprecht ängstigte sich wahrhaftig vor der Dunkelheit und vor übernatürlichen Erscheinungen und hatte schon den ganzen Weg herumgejammert und hinter jedem Baum irgendeine Kreatur vermutet, bis Hannes schließlich der Kragen platzte, nachdem Ruprecht die weitere Gefolgschaft verweigert hatte: »Hinter der Biegung ist der Bodekessel. Da gehe ich nicht hin. Dort lebt der Wilde Mann.«

Um den Bodekessel wusste Hannes auch, er erinnerte sich, dass es einem dort auch am helllichten Tage unheimlich wurde, aber wenn an diesem Ort auch jemand sein Unwesen trieb, war es der Teufel persönlich, und gegen den Höllenfürsten waren sie gewappnet. Hannes trug ein großes Holzkreuz um seinen Hals, sodass der »Pferdefuß« sofort die Flucht ergreifen würde, sobald er es sah, nahm der junge Mann allen Ernstes an. Aber irgendwelche Wilden Männer gab es hier nicht, davon war er fest überzeugt. Doch offenbar war sein Freund Ruprecht einer anderen Meinung, denn er stand wie angewurzelt auf dem Weg und rührte sich keinen Schritt von der Stelle.

»Gut, Ruprecht«, sagte Hannes nach einer Weile versöhnlich, »hör mal zu: Wir schauen nur einmal um die Ecke. Ich möchte wissen, was die Frau am Kessel in der Nacht will. Sie ist bestimmt eine Hexe, die zu einem Treffen mit dem Teufel verabredet ist, vermute ich. Es gäbe sonst keinen Grund, in der Dunkelheit zu diesem Teufelsloch zu wandern. Wir müssen das Weib fassen oder zumindest feststellen, wer es ist, um sie Vater Nicklas zu melden.«

Widerwillig stimmte Ruprecht zu: »Aber nur, wenn ich hinter deinem Rücken stehe!«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Vorsichtig näherten sich die beiden dem Felsvorsprung und auf der anderen Seite bot sich ihrem Blick ein verstörendes Bild.

»O Gott! Siehe doch nur«, flüsterte Ruprecht erschrocken von hinten in Hannes’ Ohr. »Sie wandert in der Luft …«

Auch Hannes hätte sich keine bessere Beschreibung einfallen lassen können von all dem, was er gerade erlebte. In einer aufwallenden Nebelwolke über der Schlucht bewegte sich von rechts nach links das Licht der Laterne in der Luft schwebend, dahinter war schemenhaft eine dunkle Gestalt in einem langen Umhang zu erkennen, die allem Anschein nach die Frau war, die sie verfolgt hatten, und es fand sich keine einzige Erklärung dafür, wie sie es anstellte. Denn nicht einmal ein umgefallener Baumstamm überbrückte an dieser Stelle den Abgrund. Die Frau erreichte wohlbehalten die andere Seite der Schlucht und setzte in Eile ihren Weg fort.

»Wir müssen hinterher!«, sagte Hannes aufgeregt.

»Nein, ohne mich. Es geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Ich will nichts damit zu tun haben!«, entgegnete Ruprecht und lief im nächsten Augenblick Hals über Kopf den Pfad hinunter, als wäre er dem Leibhaftigen begegnet.

»Verdammt, Ruprecht, komm zurück!«, rief Hannes ihm erbost hinterher und eilte sodann allein zu der Stelle, wo die rätselhafte Figur mit der Laterne gerade die Schlucht überquert hatte.

Er hielt gezwungenermaßen an am Rande des Abgrunds. Hier endete der Weg und die Klamm war viel zu breit, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, sie mit einem kühnen Sprung überwinden zu können. Der Nebel wallte nach wie vor auf im silbrigen Schein des Mondes, unten tobte die Bode und auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht entfernte sich im Zickzack das noch kaum sichtbare Licht der Laterne den Hang hinauf. Er sah verärgert und enttäuscht über die Schlucht zu den schroffen Felsen hinüber und rätselte, wer die Hexe sein konnte, die ihm entkommen war. Doch der Hexenjäger fand keine Antwort auf seine Frage, eine Frau von ihrer Statur hatte er seines Erachtens noch nie zuvor im Dorf gesehen, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich unverrichteter Dinge auf den Heimweg zu machen.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.860
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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