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Des Teufels Steg: Seite 184
»Tobs!«, sagte er etwas leiser, sodass nur die Jenaer Sektion ihn deutlich hören konnte. »Zisch sofort zum Auto und bring den Erste-Hilfe-Kasten!« Tobias machte sich ohne Widerreden mit kreidebleichem Gesicht auf den Weg nach medizinischem Zubehör. Im nächsten Augenblick winkte einer der Biker Hans herbei. »Nur der Chef!«, sagte er laut, um jegliche Missverständnisse zu vermeiden. »Da hast du noch mal Glück gehabt, Bursche«, meinte Holger mit leiser Stimme, als sich der Obmann der arischen Gruppierung aus Jena über ihn bückte. »Ist ein glatter Durchschuss an der Schulter, sonst hätten die Jungs euch jetzt mit Kugeln durchsiebt. Glaubt du, wir hätten kein Spielzeug mit dabei, oder was?« »Holger, rede keinen Quatsch!«, erwiderte Johannes. »Warum sollen wir uns gegenseitig bekämpfen? Es war nur ein besoffener Idiot. Tut mir leid!« »In einem hast du recht«, bemerkte Holger sarkastisch. »Es ist ein richtiger Idiot! Und er bleibt vorerst ruhiggestellt im Zelt liegen! Sonst hätten wir ihn gleich mitnehmen können, um ihm ein bisschen Manieren beizubringen, aber ich kann jetzt unmöglich Motorrad fahren. Ich kann kaum den Arm bewegen und ich blute wie ein Schwein.« »Das verbinden wir gleich und stoppen die Blutung«, beruhigte ihn Hans. »Tobs ist mit dem Verband unterwegs.« Holgers Blick fiel auf Schorsch, der neben ihm bewusstlos auf dem Boden lag. »Schafft den Mistkerl hier weg!«, befahl der Hauptbiker seinen Männern. Während zwei Motorradgangmitglieder Jürgen an den Armen und Beinen packten und seinen bis zur Bewusstlosigkeit geprügelten, leblosen Körper ins Zelt brachten, tauchte Tobias mit dem Erste-Hilfe-Kasten auf. Der Biker, der schon vorhin Holger am Boden untersucht hatte, sagte in strengem Ton zu Hans, als sich dieser an der Schulter des Chefs der Recklinghäuser zu schaffen machte: »Gib her! Ich mach das schon!« Alsdann schnitt er das blutdurchtränkte Hemd des Verletzten durch und zog es aus. »Na, mal sehen, ob ich es noch kann«, ließ er fallen und legte dann im Handumdrehen den Verband an der Schulter an, nachdem er an der Wunde brust- und rückenseitig eine kurze Behandlung vorgenommen hatte, und wie es sich feststellen ließ, hatte er es nach allen Regeln der medizinischen Kunst gemacht. »Habt ihr vielleicht noch ein sauberes Hemd übrig?«, fragte der Biker-Doktor den Sektionsanführer. »Tobs!«, rief Johannes nach dem »Laufburschen«, der allerdings nirgendwo zu sehen war. »Dieter, verflixt noch eins, bring mal schnell ein Hemd aus dem Auto!« Dieter entfernte sich widerwillig und sah dabei unentwegt scharf in alle Richtungen, ob er nicht doch noch irgendwo Tobias ausmachen konnte.
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»Ich habe dir doch gesagt, Engelchen, es war ein Schuss«, flüsterte währenddessen Knöpfle Elke ins Ohr. »Ich habe es verstanden«, wisperte sie zurück mit einem Blick voller Entsetzen darüber, was gerade alles vor ihren Augen passierte. »Willst du immer noch nicht zur Polizei fahren? Mir wird angst und bange! Ich glaube, es wäre besser. Ich muss ja schließlich noch zur Arbeit. Hast du es vergessen?« »Nein, habe ich nicht«, antwortete Richard. »Besser wäre es vielleicht. Wir müssen aber abwarten. Sie laufen jetzt alle fuchsteufelswild zwischen dem Parkplatz und der Lichtung hin und her. Wenn wir jetzt losfahren, schnappen sie uns. Davon verspreche ich mir nichts Angenehmes. Deine Arbeit kannst du dann jedenfalls vergessen, liebe Elke!« Sie unterbrachen sich, denn es kam wieder Bewegung auf die Waldlichtung, und hielten Ausschau von ihrem Beobachtungsposten. Nachdem nun der Übeltäter k. o. geschlagen und im Zelt langsam zu sich kam, die Schussverletzung einigermaßen verarztet und das frische Hemd angezogen war, brachten die Recklinghäuser ihren Chef vorsichtig zur Feuerstelle und legten Holger aufs Gras neben dem Feuer, sodass er seinen angehobenen Kopf gegen den Baumstamm stützen konnte. Der Biker bekam heftigen Schüttelfrost und sie brachten noch einige Decken aus den Zelten, deckten ihn zu und legten noch Holz auf. »Was steht ihr hier alle rum, als ob ihr euch in die Hose geschissen habt?«, brüllte Johannes plötzlich seine Leute an, die nach wie vor ratlos in der Gegend herumstanden. »Sonja, du verdammte Hure! Ist Ali für das Abendfeuer schon fertig? Dann beweg gefälligst deinen Arsch! Ich habe dich nicht deswegen mitgeschleppt, damit du hier querbeet mit allen vögelst!« Johannes waren die nächtlichen Abenteuer seiner Feldbraut offenbar nicht entgangen. »Und ihr?«, wandte er sich anschließend an den Rest des arischen Vereins. »Los! Stellt endlich das verdammte Kreuz auf!« Alle gehorchten und gingen ihren Aufgaben entsprechend den zugewiesenen Geschäftsfeldern nach. Wer Ali war und welche Rolle er bei der ganzen Geschichte spielte, wusste Knöpfle nicht, aber »Abendfeuer« war für ihn ein Stichwort und er flüsterte erneut aufgeregt in Elkes Ohr: »Heute Abend! Heute Abend ist die Verbrennung! Wir müssen hier verschwinden und die Polizei holen. Bis zum Abend gibt’s noch ein bisschen Zeit.«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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