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Des Teufels Steg: Seite 183
Wenig später kamen sie zum Waldrand und Knöpfle erkannte die Gegend wieder. Es war ohne jeden Zweifel die Stelle, zu der er nach seiner Irrfahrt durch den dichten Wald hinausgekommen war, nachdem er die Nazis auf der Lichtung beobachtet hatte. »Hier ist es!«, meinte Knöpfle zu Elke, als der Wagen stehen geblieben war. »Bist du sicher?«, fragte sie. »Ja, absolut. Da läuft der Weg weiter entlang des Waldes, da bin ich aber nicht langgegangen wegen der Befürchtung, er würde mich zurück zur Lichtung bringen. Gegangen bin ich den Weg übers Feld, auf dem wir gerade hergekommen sind. Es ist die Stelle!« Sie stiegen aus. »Und …«, wollte die Seilbahnangestellte etwas fragen, als Richard ihr ins Wort fiel. »Und da stehen auch ihre Autos.« Der Schriftsteller deutete auf den Wald, wo nach wie vor am Rand die Fahrzeuge der Hexenfeuerfestteilnehmer geparkt waren. »Es ist die Stelle.« »Und was machen wir jetzt?«, wollte Elke wissen, als sie auch die abgestellten Autos und Motorräder zwischen den Bäumen entdeckt hatte. »Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht so genau«, gestand Knöpfle. »Ich bin etwas unschlüssig.« »Sollen wir nicht zur Polizei fahren? Und sie herbringen?« »Polizei?«, fragte Richard voller Skepsis nach. »Mit der Polizei in Sachsen-Anhalt habe ich keine guten Erfahrungen. Sie haben mir erzählt, sie könnten hier im Schlamm versinken, wenn sie die Gegend durchkämmen. Dabei sind wir doch einwandfrei durchgekommen, und der da …« Er zeigte auf das völlig verdreckte Auto, mit dem Tobias zum Einkaufen gefahren war. »… und der da auch! Seine Spuren, die wir im Feld gesehen haben, führen hierher. Und es muss unmittelbar nach dem Regen gewesen sein.« »Was sollen wir denn sonst machen?«, ließ Elke nicht locker. »Keine Ahnung. Lass uns vielleicht zuerst mal zu der Lichtung gehen und nachsehen, was das Ungeziefer treibt und was es für ein Schuss war. Dann können wir entscheiden.« »Ich weiß nicht …«, gab Elke zu bedenken. »Wenn es wirklich ein Schuss war …« »Übet Nachsicht mit mir und stimmet zu, meine gnädige Fee«, ließ Knöpfle wieder seinen Charme spielen. »Es war ein Schuss, aber trotzdem: Wer weiß schon, vielleicht zünden sie gerade den Scheiterhaufen unter den Geiseln an? Dann müssen wir intervenieren! Wir müssen der Polizei außerdem genau berichten können, wo sich die Lichtung befindet. Sonst sagen sie noch, sie könnten sich im Wald verirren, und bleiben auf der Wache sitzen! Ehrlich gesagt, weiß ich auch selbst nicht mehr, wie ich hierhergekommen bin.« »Sollten wir dann nicht auch das Auto von der Straße wegschaffen?«, fragte Elke und stimmte mit der Frage zu Knöpfles großer Freude praktisch seinem Vorschlag zu. »Es ist eine überaus gute Idee, mein reizend Schnuckelchen!«, sagte der Märchenautor, setzte sich ans Steuer und versteckte den Wagen ähnlich wie die Nationalpatrioten unter den Bäumen, nur von ihren Fahrzeugen ein Stückchen weiter weg entfernt, damit die Lümmel ihn nicht zufällig zu Gesicht bekamen.
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Allerdings mussten die Frischverliebten entgegen Richards Befürchtungen nicht lange nach der Lichtung suchen, denn von dem improvisierten Parkplatz am Waldsaum führte dorthin inzwischen ein, hätte man schon beinahe sagen können, kleiner Trampelpfad. Und außerdem hörten die Turteltäubchen, kurz nachdem sie sich in den Wald vertieft hatten, aufgeregte Stimmen durch den Tann klingen, die keine Zweifel an der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges übrigließen. »Da! Das ist das Gesindel!«, flüsterte Knöpfle Elke zu, als sie sich unbemerkt von den Feuerfestteilnehmern an die Lichtung herangeschlichen und im hohen Gras auf die Lauer gelegt hatten. »Na schau, die haben jetzt schon zwei Kreuze stehen und wollen das dritte aufrichten, es steckt noch schief in der Erde.« Der »verrückte Schriftsteller« berichtete seiner Partnerin in Kürze über seine Erlebnisse während des Aufenthaltes an diesem Ort vor zwei Tagen. Nun wusste Elke alles, was auch Knöpfle von der Zusammenkunft auf der Lichtung bekannt war. Unter anderem, dass es hier zwei Arten von »Gesindel« gab – die einen waren mit Motorrädern angereist und die anderen mit Pkws. Und dieser Umstand war für sie unübersehbar. Dort, wo auf der Waldlichtung die Kreuze in die Höhe ragten, hatten sich zwei Gruppen gebildet, von welchen eine alle Merkmale besaß, um reinen Gewissens behaupten zu können, es handle sich um eine Motorradgang. Sie stand sehr kompakt in Abwehrstellung rund um einen ihrer Männer, der auf dem Boden lag und gerade von einem anderen Biker am Brustkorb abgetastet wurde, und hielt in ihrer Gewalt einen an Händen und Füßen gefesselten jungen Mann, der allem Anschein nach zu der zweiten Gruppe gehörte. Seine Kameraden standen in einiger Entfernung und nicht so dicht zueinander, dass man direkt von einer Kampfformation sprechen konnte, sondern eher von einer Art Ratlosigkeit, die ihnen ins Gesicht geschrieben stand. »Holger!«, rief Johannes laut, rührte sich aber nicht von der Stelle. Die Körperhaltung der Biker um ihren Anführer herum versprach keinen friedlichen Ausgang jedes Annäherungsversuchs. »Tut mir leid. Ich habe damit nichts zu tun! Der besoffene Blödmann hat von sich aus geschossen!« Es erfolgte vorerst keine Reaktion auf die Beteuerungen seiner Friedfertigkeit.
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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