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Des Teufels Steg: Seite 181

»Pass auf, Jung«, sprach Holger sehr bestimmt, »wenn ich etwas sage, dann erwarte ich, dass es respektiert wird. Und wenn du deine Burschen nicht im Zaum halten kannst, ist das nicht mein Problem! Wir können ja auch gern gleich abhauen und uns woanders vergnügen, und du schuldest mir zwei Riesen als Aufwandsentschädigung! Wenn du das willst …?«

»Hör doch auf«, erwiderte Hans. »Er hat es bestimmt nicht so gemeint, Jürgen ist ein Klassetyp, aber manchmal etwas chaotisch.«

»Wie hat er es denn sonst gemeint?!«

»Okay, ich rede mit ihm. Heute noch. Jetzt abzuhauen, wäre Blödsinn. Morgen stellen wir noch die fehlenden Kreuze auf und machen ein Probefeuer mit Strohpuppen. Weißt du, ich bin mir sicher, dass wir bis Sonnabend noch eine Hexe in die Finger kriegen – die Kleine, die ich jetzt wieder im Traum gesehen habe, ich spüre ihre Nähe, und dann …«

»Hör jetzt bloß mit dem Driss auf! Du sollst vielleicht weniger von den Scheißpilzen fressen und stattdessen auf deine Jungs aufpassen. Schnapp dir in der Stadt ein Mädchen und mach mit ihm, was du willst. Aber meine werden nicht angerührt! Ist das klar?«

»Jaja, ich rede mit Jürgen.«, versprach Johannes noch dem Biker zum Schluss.

Inzwischen hatte sich Schorsch in seinem Zelt verkrochen, um »Wunden zu lecken« und die Schmach, die ihm die »Missgeburt« aus dem Westen öffentlich angetan hatte, seelisch zu verarbeiten. Das alles konnte ein innerhalb der national befreiten Zone sehr angesehener Mann nicht einfach so auf sich beruhen lassen. Er schwor Rache.

Holger und Johannes gesellten sich unterdessen zu dem Rest, der noch rund um die Feuerstelle versammelt war. Hans versuchte, der Party wieder etwas Schwung zu geben.

»Warum sind denn nun die Schnapsgläser leer?«, fragte er die leicht betrübten Kameraden. »Ralf, mach mal ’ne Runde voll!«

Sie tranken aus und die Gemüter erheiterten sich aufs Neue. Es kamen wieder Unmengen Bier ins Spiel, und zwischendurch immer mal ein »Kurzer«, mit dem alle einander zuprosteten und sich gegenseitig ihre edelsten Absichten in Bezug auf einander beteuerten. Nach zwei Stunden ging Holger torkelnd zu seinem Zelt, während die Jungs weiterfeierten, und Johannes lehnte seinen Rücken auf der Erde sitzend gegen den Baumstamm, der als Sitzgelegenheit an der Feuerstelle lag.

Er trank nicht mehr mit. Vielmehr versank der arisch geprägte Vereinsvorstand abermals in seinen psychedelischen Traum, während er auf den Mond im Himmel starrte, der gelegentlich von einem Schönwetterwölkchen verdeckt wurde, dann jedoch vor dem Hintergrund des schwarzen Sternenhimmels erneut voll zur Geltung kam. Der Anführer der Nationalpatrioten träumte wieder von der »kleinen Hexe«, deren Anwesenheit er in der Tat mit zunehmender Intensität spürte, zumal die »Hexe« gegenwärtig räumlich gar nicht so weit von ihm entfernt war – auf der anderen Seite der Schlucht, auf dem Roßtrappenberg in der Obhut der Wilden Männer, von denen Hans nicht den blassesten Schimmer hatte. Denn das blonde Mädchen aus seiner Vision war keine andere als Cecilia, die ihm auf eine mysteriöse Weise wie auch schon zuvor Wolfgang Breitscheid erschien. Doch im Gegensatz zum Weinvertreter wusste der Patriotenanführer ganz genau, was er mit der »Hexe« anfangen wollte, wenn er sie in die Finger kriegte – sie schön über dem Feuer braten!

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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Es war schon verhältnismäßig spät, oder noch ziemlich früh, je nachdem, wie man es sah, als sich Hans daran erinnerte, dass er noch ein paar Worte mit Jürgen wechseln wollte. Er verabschiedete sich bis Morgen von der Runde, die noch munter am Feuer saß und sich mit der Vernichtung der Alkoholvorräte beschäftigte, und begab sich zum Zelt, in dem sein Kamerad schlief. Auf die »dumme Sonja« hatte er heute keine Lust mehr.

»Schorsch!«, rief Hans nach seinem Freund, als er in das Zelt gekrabbelt war.

Sein Zeltgenosse gab keinen Ton von sich. Dann musste wohl das Gespräch auf morgen verschoben werden, beschloss Hans und kroch in den Schlafsack. Er schlief gleich ein.

Doch Jürgen war hellwach, er hatte nur kein Bedürfnis verspürt, sich mit dem Chef zu unterhalten. Er wollte erst gar nicht damit anfangen, sich von Johannes wieder nur mit Worten abspeisen zu lassen! Er hatte schon etwas Konkretes im Sinne, wie er seinem Peiniger zu Leibe rücken würde, und zwar gleich morgen Früh. Und bis dahin hätte man eigentlich auch ein Nickerchen machen können, dagegen hatte Schorsch keine Einwände, aber er konnte nicht einschlafen. Sein Kiefer war gewaltig angeschwollen und verursachte unerträgliche Schmerzen. Allem Anschein nach war der Knochen angeknackst und bereitete ihm höllische Qualen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen schlich sich Jürgen aus dem Zelt. »Diese Hure …«, brummte er kaum hörbar vor sich hin, als er seinen Blick auf das Zelt nebenan warf, in dem gestern Sonja untergekommen war. Denn es gab wohl keinen einzigen Biker mehr im Camp – bis vielleicht auf seinen Erzfeind Holger, verbesserte sich Jürgen gedanklich –, der über Nacht nicht bei der »Braut« im Zelt gewesen war, bisweilen auch zwei zugleich. Sonjas wonneerfülltes Gestöhne hatte er zuletzt noch in der Morgendämmerung vernommen.

Am Lagerfeuer, oder was davon bis zur Stunde übriggeblieben war – nur noch eine dünne, durchsichtige Rauchsäule, die gen Himmel stieg –, saßen noch zwei, drei Männer, die ihr letztes Bier zu Ende tranken. Vielleicht war es auch schon das erste Getränk des neuen Tages, mit dem die Kameraden ihren Durst löschten, es interessierte Jürgen nicht weiter, Hauptsache, die Jungs nahmen von ihm keine Notiz, denn das, was er vorhatte, musste vorerst sein Geheimnis bleiben. Unauffällig verließ Schorsch die Lichtung und vertiefte sich in das Dickicht. Sein Ziel war die Wiese am Waldrand, wo die Autos und Motorräder abgestellt waren. In dem Wagen, mit dem er, Johannes und Tobs angereist waren, lagen für den Fall der Fälle ein paar Waffen deponiert, von denen Jürgen ein Schießeisen zur Durchführung seines Plans brauchte. Der Fall der Fälle war seiner Meinung nach eingetreten.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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