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Des Teufels Steg: Seite 179
»Na, dann lassen wir mal die Puppen tanzen!«, meldete sich Schorsch zu Wort, der bis zur Stunde mit einem vernichtenden, auf Holger gerichteten Blick den ganzen Abend schweigsam gesessen und seinen Frust in Bier ertränkt hatte. »Okay, Jungs, aber nur …«, wollte Holger offenkundig noch eine Bedingung für die Vorführung stellen, als Jürgen ihn provokativ unterbrach. »Tan-zen, tan-zen, tan-zen!«, skandierte er mit jeder Silbe lauter werdend. Und bald echote es aus aller Munde im Chor: »Tan-zen, tan-zen, tan-zen!«, sodass der Biker gar nicht mehr zu Wort kam. Johannes, der mittlerweile aufgrund der magischen Wirkung der Zauberpilze mit seinem Geist irgendwo zwischen Himmel und Erde schwebte, sagte: Sonja, geh zum Zelt, mach die Schlampen fertig. Zieh sie aus und mach dich selbst nackig! Du wirst den Tanz anführen! »Son-ja, Son-ja, Son-ja«, grölte der Mob. »Waaaaas?«, lallte das Fräulein langgezogen zurück, was vermutlich genau der Geschwindigkeit ihres entspannten Höhenfluges entsprach durch die bunten Sternhaufen der farbenfrohen Regenbogenwelt, in der sie sich geistig aktuell befand. »Ich will, dass du jetzt deinen verdammten Hintern zeigst!«, herrschte sie Johannes an. »Und hol die Mädchen aus dem Zelt, ihr sollt hier nackt tanzen, verdammt noch eins!« »Keeein Prooobleeem!«, sagte die völlig benebelte Patriotin. »Das hamma gleich!« Sie stand auf, kehrte der Männerrunde den Rücken und fing langsam an, unsittlich mit den Hüften kreisend, ihre schwarze Lederhose nebst Schlüpfer Stück für Stück am ausgestreckten Hinterteil hinunterzulassen, bis ihre weißen, fleischigen Gesäßbacken bis zur Hälfte zum Vorschein kamen. Die Runde explodierte in jubelndem Applaus. »Wow! Noch ein Stückchen, noch ein bisschen! Son-ja, Son-ja, Son-ja!« Aber stattdessen beließ es das Fräulein vorerst dabei, richtete sich auf und ging, maskuline Instinkte der Meute mit ihrem entblößten, sündigen Fleisch herausfordernd, zum Zelt, um die »Hexchen« zu holen. Mit einem Mal fühlte sich die sonst stets unterworfene junge Frau wie eine selbstherrliche Gebieterin, die über das Schicksal ihrer Untergebenen, ja eher schon leibeigenen Sklavinnen, beliebig entscheiden konnte, – sie demütigen oder würdigen, ihnen Schmerzen zufügen oder sie mit zärtlichen Liebkosungen verwöhnen, sie bestrafen oder sie belohnen, denn deren Seelen und Körper gehörten restlos ihr. Nahezu sadistische Fantasien beflügelten ihren Geist, denn die Macht über andere Menschen, die ihr unerwartet zuteilwurde, berauschte sie vollends. »Na, du Schlampe!«, sagte Sonja herablassend zu einem der Mädchen, nachdem die Jungs etwas Platz in der Mitte des Kreises vor dem Lagerfeuer gemacht hatten, um die Gefangenen gut sichtbar von allen Seiten aufzustellen. Sie hielt die Geisel mit einer Hand am Kinn fest, auf dieselbe Art und Weise, wie Johannes erst vor Kurzem sie selbst dazu gezwungen hatte, ihn anzusehen, spuckte ihr entwürdigend ins Gesicht und verteilte ihren Speichel mit der Hand über Stirn und Wangen. »Dann zeig mal, was du den Jungs zu bieten hast, du Hure!«
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»Tan-zen, tan-zen, tan-zen!«, stimmte wieder jemand das Rezitativ an. »Zieh das aus!«, befahl die »arische Gebieterin« dem türkischen Mädchen, während sie an seinem orientalischen Trachtengewand zerrte, das ihm bis zu den Knöcheln reichte, aber die Geisel verstand nicht recht, was die blonde, geschminkte Frau von ihr wollte. Die betrunkene Nationalpatriotin griff nach dem Reißverschluss auf dem Rücken des Mädchens, öffnete ihn und versuchte selbst, der »doofen Türkin« die Tracht über den Kopf zu ziehen. »Wie geil ist das denn?«, meinte sie voller Häme, als unter dem Kleid eine leger geschnittene, wadenlange Unterziehhose, eine Art Salwar, zum Vorschein kam. »Ein geiles Spitzenhöschen!« Die junge Türkin stand nunmehr wie durch den Schmutz gezogen in ihrer Unterwäsche vor den Männern und hielt die Arme schützend verschränkt vor ihrer Brust. Sonja erregte sich immer mehr, als wäre der Teufel in sie gefahren. Sie trat an die junge Frau von hinten, ging in die Hocke und packte sie in Hüfthöhe mit den Händen von beiden Seiten an der Hose. Mit einem abrupten, kräftigen Ruck zog sie an dem Kleidungstück nach unten, sodass ihr Demütigungsopfer es kaum noch schaffte, seine Schamgegend mit einer Hand zu bedecken. »Tan-zen, tan-zen, tan-zen!«, tobte die arische Runde am Lagerfeuer. Der Wortführer des Bikerclubs beobachtete das Geschehen mit leichter Besorgnis, griff aber bislang nicht ein, letztendlich lief bis jetzt alles im vereinbarten Rahmen ab: Die Türkin war nackt, aber es war auch so beabsichtig. Die Jungs mussten auch ihren Spaß haben, dachte er gönnerhaft. Nun näherte sich die den Bezug zur Wirklichkeit verlierende Jenaerin ihrem weitgehend entkleideten, schutzlosen Opfer von vorn, schob die Hand des Mädchens unsanft beiseite, ihm dabei ins Gesicht atmend, und fasste völlig unerwartet der jungen Frau grob in den Schritt, sodass diese zusammenzuckte. »Was ist, bist du noch Jungfrau?«, fragte Sonja. In Ihren Augen leuchtete der pure Wahnsinn. »Dann werden die Jungs es gleich berichtigen, einer nach dem anderen!«
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KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
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