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Des Teufels Steg: Seite 164

Richard hörte plötzlich etwas, was ihn stutzig machte. Nein, Elkes Ausführungen zu ostdeutschen Realien konnte er nach der ausgedehnten Diskussion gestern mit den Zimmermanns folgen – da vertrat seine neue Liebe erstaunlicherweise seine Ansichten, resümierte der Schriftsteller nicht ohne Genugtuung. Doch der »Anruf in der Heimat« beunruhigte ihn.

»In der Heimat?«, wollte er die Sache klären. »Das ist wo?«

»Tschernewitz in Brandenburg, ein kleines Dörflein nicht weit von der polnischen Grenze«, sagte Elke.

»Du kommst also nicht von hier?« Knöpfle klang leicht enttäuscht.

»Nein, aus Tchernewitz! Ich habe mich noch kurz vor der Wende auf den Weg in den Westen gemacht, bin aber nur bis hierhin gekommen und vorerst in Thale geblieben.«

»Das ändert einiges an meinem Vorhaben. Von der Prämisse ausgehend, dass du von hier bist und dich gut in der Gegend auskennst, wollte ich dich eigentlich bitten, mir bei der Suche nach dieser Lichtung im Wald zu helfen. Ich weiß nicht mehr, wo ich war, die Polizei auch nicht und sie wollen offensichtlich nichts unternehmen, bis die Felder trocken werden, sonst befürchten sie, irgendwo im Schlamm zu ertrinken. Nicht dass ich lache! Ich muss die Geiseln dort herausholen, das habe ich mir geschworen!«

»Aber ich kenn mich in der Gegend aus. Deswegen hab ich ja gestern gesagt, dass ich dir ein paar geheimnisvolle Plätze zeigen kann! Ganz am Anfang habe ich mich nämlich als Fremdenführerin beworben und einen Lehrgang mitgemacht. Wir mussten hier alle Pfade abwandern. Es war aber ziemlich anstrengend, ich hab’s dann sein lassen.«

»Perfekt!«, freute sich Richard. »Du kennst also das Tal und die umliegenden Hügel?«

»Nun, mein Deckelchen, wenn du sagst, dass die Stelle zwischen Thale und Treseburg liegt, dann kommt auf der rechten Flussseite nur ein Wald infrage. Dort gab es auch mal ein paar Lichtungen.«

»Elke, du bist ein Schatz!« Knöpfles Begeisterung waren keine Grenzen gesetzt. »Und darauf trinken wir jetzt!« Er machte die nächste Flasche auf.

Die beiden beschlossen, schon morgen in der Früh, zur Arbeit musste Elke erst am Nachmittag, ins Auto zu steigen und auf die Suche nach der rätselhaften Lichtung zu gehen, und saßen dann noch eine Zeit lang in der schummrigen Küche, in die nur der schwache Schein der Straßenlaterne von draußen durchs offene Fenster fiel. Der Schriftsteller rauchte noch die eine oder andere Pfeife, während sie die dritte Flasche bei gemütlichem, gegenstandslosem Plausch leer tranken, sodass die zwei Täubchen schon ordentlich betrunken waren, als Elke aufstand, auf Richard zuging und sich ihm seitlich auf den Schoß setzte. Sie fuhr langsam mit der Hand über seine leicht behaarte Brust, eine Geste, die keine Zweifel an ihren Absichten übrigließ, umschlang mit den Armen seinen Hals und küsste ihn sehr innig auf die Lippen.

»Wir sollten lieber unsere Übungen fortsetzen«, hauchte sie ihm ins Ohr und Richard verspürte, wie sich abermals etwas in seinen Lenden regte.

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Das Geheimnis des vernebelten Passes

Das Geheimnis des vernebelten Passes

Reiseroman von Nikolaus Warkentin
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11. Kapitel: PEINLICHE BEFRAGUNG

Vater Nicklas hatte alle Hände voll zu tun. Er bereitete alles für das peinliche Verhör von Gretlin vor. Als Untersuchungsrichter der Heiligen Inquisition legte er verständlicherweise nicht selbst Hand an, sondern beaufsichtigte eher das geschäftige Treiben von Bütteln und abgestellten Männern der Schutzgarde. Die Foltergeräte mussten aufgebaut, in der Kammer dem Grad und der Art der zuzufügenden Leiden nach entsprechend aufgestellt werden, damit sie am Ende auch die gewünschte Wirkung erzielten, es sollte unter anderem ein genügender Vorrat an kaltem Wasser in der Folterstube vorhanden sein, um die Gefolterte nötigenfalls durch Begießen wieder zu Bewusstsein kommen zu lassen, oder für den Fall, dass eine Wasserfolter anstand, die Seile, die bei manchen Geräten erforderlich waren, fanden auch nicht von selbst einen zuverlässigen Haken im Mauerwerk, und schließlich mussten noch Zeugen und mit besonderen Aufgaben betraute Personen wie die Äbtissin und ihre Kanonissen, und nicht zuletzt das gesamte Richterkollegium, genug Platz in dem Raum finden – es war eine ganze Wissenschaft. Die Sonne, die sich nach dem Regen wieder zwischen den Wolken blicken ließ, stand schon ziemlich hoch und es gab noch mehr als genug zu tun.

Heute in der Früh hatte der Franziskaner mit den Kardinälen in der Gerichtsstube beraten, was nun angesichts des Geständnisses von Irmel mit der Hexe geschehen solle, welches Strafmaß zu verhängen sei. Anfangs wollten die Eminenzen von den peinlichen Fragen partout nicht absehen, und bestanden rigoros auf der Durchführung des Verhörs nach allen Regeln, um die Wahrheit in letzter Instanz ans Tageslicht zu bringen, – es war nicht auszuschließen, dass sie den Punkt schon fest in ihren Tagesablauf eingeplant hatten und auf das Spektakel keinesfalls verzichten wollten –, sahen dennoch die Unsinnigkeit ihrer Forderung ein, als der Inquisitor das schlagende Argument vorbrachte, die Befragung der alten Hexe sei überflüssig, sie habe ohnehin schon alles gestanden und darüber hinaus habe sie eine Jungfrau denunziert, die sie der übelsten Hexerei beschuldige. Man tue sich einen Gefallen, meinte der Franziskanerbruder, wenn man sich während der Folter nicht den schrumpeligen, verfallenden Leib eines alten, gebrechlichen Hexenweibs ansehe, sondern den wohlgeformten Körper eines blutjungen Mädchens zu Gesicht bekomme, das sich im Leben verirrt habe und auf den Weg der Tugend zurückgebracht werden müsse.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.971
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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