|
Des Teufels Steg: Seite 162
»Weißt du«, fragte Richard nach einer Weile, »wollten wir nicht ursprünglich ein paar Bockwürstchen in den Topf legen?« Elke belebte sich, hob den Oberkörper und stützte sich auf die Ellbogen, während sie Richard mit ihren Augen ansah, in denen sich abermals ein verschmitztes Blitzen spiegelte. »Ja, schon. Haben wir auch gemacht. Aber dein Würstchen hast du ja schon aus dem Topf herausgeholt. Hättest aber noch drin lassen können!« Das, überlegte Richard, lag schon auf der Grenze zum Obszönen, beziehungsweise war es das bereits, wenn eine Frau solche Vergleiche anstellte, aber es machte ihn noch mehr an und ließ sein Blut in den Adern schneller fließen. »Den Fehler mache ich nicht ein zweites Mal, versprochen!«, spielte er gerne das Spielchen mit. »Das Würstchen müssen wir jetzt aber noch einmal heiß machen!« Richards neue Liebe stand graziös auf und schritt durch das halbdunkle Schlafzimmer zur Tür, während der Märchenautor sie mit den Augen verschlang, als wäre vorhin zwischen ihnen nichts gewesen und er sich völlig unerwartet mit so viel nackter Haut konfrontiert sah. Elke griff hinter die sperrangelbreit geöffnete Tür, wo sich vermutlich ein Haken befand, und holte einen Morgenmantel hervor, den sie aller Voraussicht nach über ihre Schultern zu werfen beabsichtigte. »Hast du auch etwas für mich zum Überziehen?«, fragte Knöpfle und deutete mit den Augen auf seinen bloßen Leib. »Ich möchte dich aber gerne im Adamskostüm sehen«, entgegnete die Frau verspielt. »Ich dich aber auch lieber im Eva-Outfit!«, protestierte der Legendensammler. Elke blickte den Schriftsteller verschwörerisch an, ließ den Morgenmantel aus der Hand auf den Boden gleiten und ging zu Knöpfles größtem Vergnügen so wie Gott sie schuf in die Küche. »Dann setze ich schon mal das Wasser auf«, sagte sie noch zum Schluss. Statt Kartoffelsalat mit Bockwurst gab es eine halbe Stunde später Bamigoreng aus dem Tiefkühlfach, das Elke nach allen Regeln der kochkünstlerischen Ausführungen auf der Rückseite der Packung zubereitete. Es traf sich gut, Knöpfle war es eher nach etwas Feurigasiatischem als nach langweiligen Pellkartoffelscheiben in Mayonnaise, zumal sich die Wortspiele mit Würstchen, Töpfen und Deckeln ohnehin erledigt hatten, denn sie spielten mit Elke nunmehr mit offenen Karten, sodass keine derartigen Anspielungen mehr nötig waren. Während die gefrorenen Bratnudeln langsam die Gestalt genießbarer Nahrung annahmen, hatte Knöpfle eine der mitgebrachten Weinflaschen geöffnet, die mittlerweile nur noch zu einem Drittel voll auf dem Tisch stand und auf ihr trauriges Schicksal wartete, von dem Liebespärchen zu Ende getrunken zu werden. Richard saß am Küchentisch und übte sich in Geduld, während er seine Pfeife rauchte und hin und wieder Elke mit einem unauffälligen lüsternen Blick bedachte, die ihrerseits mit dem Rücken zu ihm am Herd stand, mit einem Löffel in der Pfanne rührte und dem »verrückten Schriftsteller« eine Augenweide bot, denn die knappe Kochschürze, die sie anhatte, reichte nur, um ihre Pubes halbwegs zu bedecken.
(?)
»So, bitte schön, der Herr!« Elke stellte die Pfanne in die Mitte des Tisches auf einen Untersetzter, den sie schon vorhin zusammen mit Tellern und Besteck auf der Tafel platziert hatte, und setzte sich Richard gegenüber. »Brauchst du noch eine besondere Einladung?«, fragte sie, als sie merkte, dass ihr Liebhaber noch zögerte, sich etwas von den Gemüsenudeln auf den Teller zu legen. »Nein, nein, mein Engelchen«, antwortete dieser. »Hast du vielleicht noch irgendeine scharfe Soße?« »Mal sehen.« Elke stand auf, ging zum Kühlschrank und kramte darin bis sie ein paar Ketchupflaschen und Tütchen mit Gewürzsoßen in den Händen hielt. »Ob du es glaubts oder nicht …«, meinte Knöpfle, der ihr währenddessen mit seinem Blick folgte. »Du hast die Figur einer griechischen Göttin!« Das Kompliment kam an. Elke nahm zum Spaß eine theatralische Pose an, gleichsam als sei sie eine Marmorstatue, und erstarrte bewegungslos für einige Sekunden. Sie hatte wirklich eine gewisse Ähnlichkeit mit einer antiken Skulptur, so unrecht hatte Richard nicht. »Hier, kannst du dir was aussuchen«, sagte die Frau und legte die Würzsoßen vor Knöpfle auf den Tisch, nachdem sie ihre kurze Vorstellung beendet hatte. »Und jetzt lass uns endlich essen! Ich verhungere!« Sie griff mit einem Löffel in die Pfanne, um ihren Teller vollzumachen und Knöpfle öffnete eine neue Flasche, ehe er sich ebenfalls dem Nudelgericht widmete. Die Pfanne war schon leer und kalt und der Inhalt der zweiten Weinflasche ging zusehends zur Neige, als Richard abermals seine Pfeife stopfen wollte. »Mein allmächtiger Zeus, du hast aber schon die ganze Wohnung vollgequalmt!«, sagte Elke scherzhaft. »Hm … Und warum machst du nicht das Fenster auf, gell?« Knöpfle sah zum Küchenfenster, auf dem noch zusätzlich die Vorhänge dicht zugezogen waren. »Bist du verrückt?«, fragte Elke nervös. »Damit sich die Weiber im Haus morgen die Mäuler zerreißen, dass die Käßler hier Sexorgien feiert, so wie wir mit dir hier nackig wie zwei Schnecken sitzen?«
|
Diese Seite weiterempfehlen»Link an Freunde senden
KurzinhaltWolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.Über den Autor
Zahlen & Daten zum Werk
![]() Ihre Spende ist willkommen!Wir stellen Ihnen gerne alle Inhalte unserer Webseite kostenlos zur Verfügung. Sie können die Werke auch in der E-Book-Version jederzeit herunterladen und auf Ihren Geräten speichern. Gefallen Ihnen die Beiträge? Sie können sie alle auch weiterhin ohne Einschränkungen lesen, aber wir hätten auch nicht das Geringste dagegen, wenn Sie sich bei den Autoren und Autorinnen mit einer kleinen Zuwendung bedanken möchten. Rufen Sie ein Werk des Autors auf, an den Sie die Zuwendung senden wollen, damit Ihre Großzügigkeit ihm zugutekommt.Tragen Sie einfach den gewünschten Betrag ein und drücken Sie auf "jetzt spenden". Sie werden anschließend auf die Seite von PayPal weitergeleitet, wo Sie das Geld an uns senden können. Vielen herzlichen Dank! Diese Seite weiterempfehlen»Link an Freunde senden |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||



