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Des Teufels Steg: Seite 141

»Hier«, sagte er und reichte den älteren Kameraden die Eisenstange, nachdem er zum Eingang zurückgekehrt war.

Schorsch nahm das Teil aus seiner Hand. »Dann wollen wir mal nachsehen«, erklärte er und machte einen Schritt zum Sperrgitter.

»Gib her!«, hielt ihn Hans von seinem Vorhaben ab. »Ich mach das schon.«

Jürgen drehte sich um, sah den Anführer mit seinem vernebelten Blick an und gab ihm das Eisen. »Von mir aus. Sieh aber zu, dass du nicht umfällst, Meister!«, meinte er höhnisch.

»Klappe!«, warf ihm Johannes zu und schwankte langsam zum Gitter.

Das Vorhängeschloss, dass an der Tür angebracht war, sah er doppelt und wusste nicht recht, welches davon echt war. Aber eine Blöße durfte er sich jetzt vor dem Rest der Mannschaft nicht geben. Hanns holte aus und hieb, was das Zeug hielt und seine Kräfte hergaben, mit dem Eisen nach dem Schloss, das seiner Meinung nach weniger verschwommen aussah. Er traf keins der beiden, stattdessen geriet die Brechstange beim Schlag zwischen die Gitterstäbe der Tür und rutschte bis nach unten durch, wo sie auf die untere Rohrstange der eisernen Tür mit dem hellen Ton eines Kirchenglockenschlags traf und dem Vorsitzenden der Patriotenzelle aus den Händen fiel, der seinerseits, nachdem der Hieb ins Leere gegangen war, das Gleichgewicht verlor und mit voller Wucht gegen die eisernen Stäbe der Gittertür mit dem Kopf prallte und zu Boden ging.

»Ach, Kinder!«, meldete sich Holger vorwurfsvoll zu Wort. »Ich hab ja euch gesagt, ihr sollt nicht diese Scheißpilze fressen!«

Johannes saß benommen auf dem Boden vor dem Stollenmundloch im Licht der Scheinwerfer und Schorsch belächelte ihn schadenfroh. »Ich habe dich gewarnt, Bursche!«, sagte er.

Holger hob das Brecheisen und half dem desavouierten Jenaer Patriotenanführer auf die Beine. »Geht es wieder?«, fragte er.

»Scheiße«, gab Hans leise von sich, was wohl als Ja ausgelegt werden sollte.

»Es geht doch ganz einfach«, fuhr Holger fort. »So macht man das!« Er schob ein Ende der Eisenstange von oben nach unten zwischen Schloss und Bügel und fand dafür einen sicheren Halt an der Gittertür, während er am längeren Hebelende kräftig mit beiden Händen zog, bis etwas in Inneren des Vorhängeschlosses knackte und es mit einem Mal aufsprang. »Dann zeigt mal: Wo ist eure Hexe?«

»Dieter, geh doch mal vor mit der Taschenlampe«, wies Jürgen ihren Mann für das Grobe an, weil Johannes, wie er schätzte, im Augenblick nicht in der Lage war, irgendwelche Befehle zu erteilen. »Tobs, du gehst als Letzter mit der zweiten rein. Verstanden?«

Tobias nickte gehorsam zur Antwort.

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Die selbsternannten Arier vertieften sich in das alte Bergwerk, in dem sich seit Cecilias Besuch nichts wesentlich verändert hatte: Es war immer noch stockdunkel in dem engen Gang und wenn Schorsch im letzten Moment vor dem Aufbruch nicht an die Taschenlampen gedacht hätte, was die betrunkene Meute um einige Minuten aufgehalten und großen Unmut ausgelöst hatte, hätten jetzt alle vermutlich unverrichteter Dinge von hinnen ziehen können. Nach wie vor tropfte es vereinzelt von der Decke des Gewölbes, sodass hin und wieder einer der nächtlichen Plünderer fluchen musste, wenn er aus der Dunkelheit unerwartet einige Spritzer ins Gesicht abbekam. Hartnäckiger Muff erfüllte unverändert die Gänge und die Luft war stickig. Die Gesellschaft kam nur langsam voran, denn die Leute in der Mitte der Kolonne konnten nur den Schein der Taschenlampe weit vorne oder alternativ ganz hinten sehen und mussten sich die meiste Zeit in völliger Dunkelheit vortasten.

»Wer hat denn überhaupt gesagt, dass hier jemand ist?«, stellte einer der Biker nach einer Viertelstunde die Frage, die schon den meisten auf der Zunge lag. Sie fragten sich nach dem Sinn dieses Spazierganges, denn bis jetzt hatte es nicht den geringsten Anlass zur Annahme gegeben, dass sie noch irgendwann auf ihre Kosten gekommen wären.

»Hey, Leute, bleibt mal stehen!«, rief Holger zu der Avantgarde, die aus Vertretern der Jenaer Neonaziszene bestand und immer mehr Vorsprung gewann, während das Hauptfeld langsam zurückfiel. »Kommt mal zurück, wir müssen was bereden.«

»Was ist denn?«, hörten alle die unzufriedene Stimme von Johannes, die einer der Silhouetten gehörte, welche vorne im Gang vor dem Hintergrund der leuchtenden Taschenlampe standen. Allem Anschein nach ging es dem »Knaben« wieder gut.

»Jungs, seid ihr sicher, dass ihr hier jemanden gesehen habt?«, fragte Holger, ohne abzuwarten, bis die Jenaer zurückkamen.

»Klar!«, antwortete Hans, als sich die zwei Gruppen wieder vereint hatten.

»Hm … Es sieht aber nicht danach aus«, gab Holger zu bedenken. »Wir werden umkehren, ich meine die Recklinghäuser. Ihr könnt ja, wenn ihr wollt, noch ein bisschen ›Blinde Kuh‹ spielen. Wir trinken lieber noch ein Bier draußen, während wir auf euch warten. Hier unten ist keiner!«

»Und ob hier jemand ist!«, meinte Hans eingeschnappt. »Aber wie du willst. Dann wartet halt draußen.«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.971
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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