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OPEN DIGITAL LITERATURE PROJECT
Des Teufels Steg: Seite 128

»Katja«, unterbrach Sie Richard, »ruf bitte die Polizei! Jetzt sofort, gell?«

»Was ist Ihnen passiert?«, wollte sie dennoch wissen.

»Frag nicht! Ruf an.«

»Ja, aber was soll ich denn sagen?«

»Sag …« Richard überlegte kurz, was für die Polizei ein schwerwiegender Grund hätte sein können, damit sie sich gleich auf den Weg machte. »Sag, ich bin übel von irgendwelchen Schlägern zugerichtet worden und sie halten noch jemanden fest, dem es um sein Leben geht.«

Katja ging zur Rezeption, um den Anruf zu machen, und Richard holte seine Plastiktüte mit dem Pfeifenzubehör aus der Tasche, das zum Glück trocken geblieben war. Mit zitternden Fingern stopfte er die Pfeife und zündete sie umständlich an. Alsdann blies er eine Rauchwolke nach oben, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus, von seinen Schuhen konnte er nicht mehr viel erkennen – unter der Schlammkruste, die sie bedeckte, stachen nur die Enden der Schnürsenkel hervor.

»Sie kommen in einer Viertelstunde«, sagte Katja, als sie zurückkam.

»Das ist gut, gell?« Richard machte einen kräftigen Zug.

»Ist es Herr Breitscheid, der festgehalten wird?«, fragte das Mädchen.

»Wie kommst du denn darauf, meine Teuerste?«

»Na, weil er nicht da ist!«, sagte Katja.

»Wie?« Die Information traf Knöpfle wie ein Schlag. »Und die Zimmermanns?«

»Frau und Herr Zimmermann sind vor zwei Stunden oder so gekommen, es hat noch nicht geregnet. Ich habe sie auch wegen Herrn Breitscheid gefragt, aber sie waren irgendwie kurz angebunden, ich glaube, über etwas verärgert. Sie sagten, er sei nicht aufgetaucht, und sind aufs Zimmer gegangen. Seitdem habe ich sie nicht gesehen.«

Das war ja ein Ding, dachte Richard im Stillen. Wo war denn Breitscheid abgeblieben? Nicht dass er jetzt im Regen durch das Tal marschierte, machte sich der Schriftsteller Sorgen. Nein, das konnte Knöpfle sich beim besten Willen nicht vorstellen. Dieser Wolfgang war natürlich ein etwas schräger Vogel, aber er hatte auf Richard nicht den Eindruck eines leichtfertigen Kerls gemacht, der sich nicht an Abmachungen hielt und ohne jede Vorankündigung nicht zum vereinbarten Treffpunkt kam. Irgendetwas musste vorgefallen sein. Knöpfle erwog nunmehr allen Ernstes, auch eine Vermisstenanzeige bei den Polizisten zu machen, die jede Minute eintreffen mussten. Etwas stimmte an der ganzen Geschichte nicht.

»Katja, meine Retterin, ich verdurste«, sagte schließlich der Schriftsteller und wich damit der Antwort auf Katjas Frage aus. »Kannst du mir bitte eine Flasche Wein bringen, von dem, den ich gestern getrunken habe. Und ein großes Glas!«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
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Das Mädchen bohrte nicht weiter. »Möchten Sie nicht lieber reinkommen?«, erkundigte sich das Fräulein stattdessen. »Draußen ist es ziemlich ungemütlich. Sie können auch noch was essen. Es ist noch alles da! Heute sind viele nach dem Wochenende abgereist, sodass bis jetzt so gut wie keiner richtig zu Abend gegessen hat.«

Richard sann nach: Hunger hatte er schon, gar keine Frage, aber vor allem Durst quälte ihn im Augenblick. Er konnte sich außerdem kaum vorstellen, dass er das Essen in seiner klatschnassen, am Körper klebenden Kleidung auf irgendeine Weise genießen konnte, wie schmackhaft die Mahlzeit auch sein mochte. Und da war noch die Sache mit der Polizei, er musste mit den Beamten voraussichtlich noch ein längeres Gespräch führen oder gar mit ihnen mitfahren, um bei der Suche nach der Bande auf der Waldlichtung zu helfen. Knöpfle fand es deshalb sinnvoller, mit dem Essen noch ein wenig zu warten, bis sich alles mehr oder weniger geklärt und er sich umgezogen hatte.

»Ich möchte den Speiseraum aber nicht versauen«, sagte er und deutete auf sein Schuhwerk. »Bring erst mal den Wein, ich trinke ihn hier. Vielleicht esse ich später noch eine Kleinigkeit.«

Ein Streifenwagen der örtlichen Polizeiwache in Thale hielt vor dem Hoteleingang, als Richard schon beim dritten Glas Wein auf der Terrasse saß – die ersten zwei hatte er sofort wie Wasser in sich hineingeschüttet – und seine nächste Pfeife rauchte. Katja eilte zur Rezeption, als sie zwei Beamte aussteigen und zur Tür gehen sah, und führte sie anschließend durch das Restaurant zum vermeintlichen Tatopfer. Sie blieb in der Tür stehen und beobachtete das Geschehen, während sich der Polizeihauptmeister, der unter den beiden wohl die Befehlsgewalt hatte, an Richard Knöpfle wandte.

»Sind Sie derjenige, der tätlich angegriffen wurde?«, fragte der Mann mittleren Alters mit offiziell klingender Stimme.

»Ähm …«, gab Knöpfle unsicher von sich. »Nicht direkt …« Er lallte zwar noch nicht, doch die zwei Gläser Wein, die er auf den leeren Magen getrunken hatte und die gerade anfingen, ihre Wirkung zu entfalten, konnte man aus seiner Stimme schon ganz deutlich heraushören.

»Was ist denn vorgefallen?«, setzte der Polizist die Befragung fort.

»Die Nazis sind vorgefallen!«, antwortete der Schriftsteller exaltiert.

»Bitte?«, fragte der Polizeibeamte nach.

»Auf dem Hexentanzplatz findet gerade eine Naziversammlung statt! Es werden lebendige Menschen am Kreuz verbrannt! Oder sie haben es zumindest vor, das habe ich persönlich gehört und gesehen.«

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.970
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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