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Des Teufels Steg: Seite 122

»Eigentlich«, gab die Frau zu bedenken, »ist es ein Diensttelefon … und wenn es jemand sieht …« Sie blickte verstohlen in alle Richtungen und überzeugte sich, dass kein Vorgesetzter in Sicht war, ehe sie sagte: »Gut, aber machen Sie schnell!«

»Okay!«, gab Richard verschwörerisch zurück. »Wo ist denn das Telefonbuch?«

»Liegt neben dem Apparat!« Elke führte ihren Verehrer in den Dienstraum hinter einer Glasscheibe.

Knöpfle fand schnell, was er suchte, – die Nummer vom Gasthof »Hirschgrund«.

Es ratterte in der Hörmuschel beim Wählen auf dem uralten Telefon, das noch eine Drehscheibe besaß. Endlich meldete sich eine Frauenstimme: »Gasthof und Pension Hirschgrund, Bauer, Guten Tag!«

»Hallo, Richard Knöpfle hier.«

»Wenn Sie reservieren oder ein Zimmer buchen möchten«, kam ihm die Frau zuvor, »so muss ich Sie leider …«

»Nein, nein, liebes Fräulein«, beruhigte Richard die Frau am anderen Ende der Leitung. »Ich wollte Sie nur um einen kleinen Gefallen bitten.«

»Ach so!«

»Ja, bei Ihnen in der Gaststätte müsste jetzt irgendwo ein Pärchen sitzen, das auf den Namen Zimmermann hört. Könnten Sie vielleicht freundlicherweise jemanden von ihnen ans Telefon rufen? Bitte.«

»Dann warten Sie bitte einen Augenblick.« Richard hörte wie die Frau, wahrscheinlich die Kellnerin, vermutete er, den Hörer neben den Apparat legte und einige Sekunden später im Hintergrund rief: »Heißt hier jemand Zimmermann? … Ein Anruf für Sie!«

Wenig später vernahm Knöpfle die verwunderte Stimme von Rüdiger aus dem Hörer: »Hallo?«

»Ich bin’s, Richard Knöpfle«, gab sich der geheimnisvolle Anrufer zu erkennen.

»Hä?«, reagierte Herr Zimmermann noch verblüffter als zuvor. »Wir haben schon erwartet, dass Sie jede Minute in Person hinter der Gaststätte auftauchen! Wo sind Sie denn?«

»Ja, tut mir leid«, rechtfertigte sich Knöpfle, »es gibt eine kleine Planänderung. Ich bin jetzt in Thale an der Seilbahn und habe gleich vor, damit nach oben zum Hexentanzplatz zu fahren, ich muss mir dort noch was ansehen. Es wird bestimmt ein Weilchen dauern und Sie brauchen auf mich nicht zu warten, ich werde dann entlang der Schlucht durch die Felder nach Treseburg wandern. Wird, glaube ich, auch schneller gehen.«

»Schneller? Die Luftlinie wäre sicher um einiges kürzer, aber …« Rüdiger wollte gerade sagen, dass vom Hexentanzplatz keine direkte Straßenverbindung nach Treseburg existierte, als Richard ihn unterbrach.

»Ist denn Breitscheid schon zurück?«, fragte er.

»Nein, aber darum geht es …«

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Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
»Jetzt lesen

»Ich unterbreche Sie ungern, Rüdiger, aber es ist im Moment sehr ungünstig! Ich muss gleich auflegen. Auf jeden Fall, Sie können schon mal ohne mich zum Hotel zurückwandern, sobald Breitscheid auftaucht. Ich komme klar!« Er legte auf, denn Elke sah schon die ganze Zeit nervös um sich herum. »Danke«, sagte Richard zu ihr. »Dann bin ich jetzt erst einmal fort und melde mich morgen bei Ihnen, mein ungeschliffener Rohdiamant.« Er ging, drehte sich dann vor dem Verlassen des Bahnhofs um und hauchte seiner neuen Bekanntschaft einen Luftkuss zu! Elke lächelte geschmeichelt.

Das Bild, das sich dem kreativreisenden Autor aus der funkelnagelneuen, nach frischer Farbe riechenden Gondel der Kabinenbahn bot, übertraf all seine Erwartungen. Zusätzlich zu dem Panorama der leicht welligen Tiefebene und der mit roten Ziegeln gedeckten Dächer der Stadt, das Knöpfle schon vorhin bewundert hatte und nun aus einem anderen Blickwinkel noch einmal genießen konnte, öffnete sich ihm auf der anderen Seite ein tiefer Einblick in die sagenumwobene Schlucht zwischen der Roßtrappe und dem Hexentanzplatz. Richard sah die schroffe Felswand des Berges, auf dem er erst vor einer halben Stunde mit der netten Familie gesprochen hatte, und versuchte vergeblich, die Stelle auszumachen, wo sich der Aussichtspunkt befand, zu groß war die Entfernung. Doch unten in der Klamm, am Fuße des Roßtrappenfelsens, sah er durch die Lücken in den Baumkronen deutlich die geziegelten Dächer einer kleinen Siedlung – das musste der Gasthof sein, auf dem die Zimmermanns in der Wirtschaft auf Breitscheid warteten, – und wenn man den Worten des Familienvaters Glauben schenkte, mussten sich der Hufabdruck und der Aussichtsplatz unmittelbar über der Gaststätte befinden. Richard sah das am Rande des Abgrunds malerisch über Thale gelegene Hotel, an dem er zum Sessellift vorbeigewandert war, und links davon einen steinernen Turm über die Baumwipfel in die Höhe ragen, den er während seiner Erkundung der Roßtrappe bedauerlicherweise übersehen hatte.

Er stellte sich bildhaft vor, wie das Ross mit der Prinzessin auf seinem Rücken über die Schlucht zum Hexentanzplatz sprang, aber etwas störte ihn an diesem Bild. Es wäre auch für ein Märchen zu wagemutig gewesen und der Sprung auch für Brunhilde unumgänglich mit einem Sturz in die Fluten der Bode verbunden, wenn man doch den Bezug zur Realität nicht ganz verlieren wollte. Da musste sich der Schriftsteller noch etwas einfallen lassen. Und er machte Fotos, damit ihm seine Eindrücke später nicht abhandenkamen. Er schoss ein Bild nach dem anderen mit seiner »Seifendose« und warf ab und an besorgte Blicke auf die Anzeige, ob der Film in seiner Kamera, er hatte nämlich nur einen mitgenommen, nicht gleich zu Ende ging, als er merkte, dass die Gondel schon langsam in die Bergstation der Kabinenbahn einfuhr.

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Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
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Aufrufe: 7.970
Online Seiten: 233
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PDF Seiten: 518
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EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

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