Logo Leseecke
OPEN DIGITAL LITERATURE PROJECT
Des Teufels Steg: Seite 106

Johannes stimmte Jürgen zu: »Ich weiß nicht, wer es hier gegraben hat, aber etwas Besseres hätte er für uns nicht tun können. Super! Du hast ein gutes Auge, Bursche!«

Jürgen kniete vor dem Loch und stocherte darin mit einem Stock, um den Zustand der Öffnung unten am Boden zu untersuchen.

»Ja, ist noch ein bisschen altes Laub drin, aber Tobs kann es gleich rausholen!«, sagte er zufrieden.

»Sieh mal«, rief Johannes, der sich indes etwas entfernt hatte, plötzlich aufgeregt, »hier ist noch eins! Und es gefällt mir sogar noch besser als das erste.«

Schorsch eilte zu seinem Kumpan, der fünf Meter weit entfernt von ihm stand und auf die Erde starrte. Vor ihm gähnte ein zweites Loch im Boden, das etwa den gleichen Durchmesser wie das andere hatte, aber schon auf den ersten Blick um einiges fester und runder zu sein schien.

»Das ist ja ein Ding!«, staunte er. »Hat man uns hier erwartet? Wieso haben wir sie nicht schon früher gesehen?«

»Weil du die ganze Zeit besoffen warst!«, bemerkte Hans. »Ist ja egal, warum! Jetzt sind sie da, jetzt nehmen wir die.«

»Warte, vielleicht ist hier noch was?« Jürgen lief ein Stückchen auf der imaginären Fortsetzung der unsichtbaren Verbindungslinie zwischen den zwei endeckten, zweifelsohne künstlich angelegten Gruben und wurde fündig. »Hey, du!«, rief nunmehr er Johannes zu. »Komm mal gucken!«

Vor ihm lag das dritte Loch und es sah aus genauso wie die zwei vorherigen und schien auch der Form und der Tiefe nach seinerzeit demselben Zweck gedient zu haben. Alle drei befanden sich auf einer Linie und hatten etwa den gleichen Abstand zueinander.

»Was ist das?«, fragte Jürgen frappiert durch den Anblick. »Wer … wer hat die denn gegraben?«

»Scheiß drauf, wer das war!«, fluchte Hans unzufrieden. »Wir haben gefunden, was wir suchten. Komm, essen wir jetzt was! Die Erbsensuppe müsste schon warm sein!«

»Okay, dann lass uns was essen …«, stimmte ihm Jürgen zu. Sein leerer Magen rebellierte auch schon nach dem vorhin in Übermengen getrunkenen Bier.

Es war drei Uhr am Nachmittag, als sich alle wieder an der Feuerstelle versammelten, um von Sonjas Erbsensuppe zu kosten. Ralf hatte Holz mitgebracht und legte ein paar zugesägte Äste auf, die sie mit Dieter vom Baumstamm abgehauen hatten. Er bückte sich auf den Knien stehend tief über der Feuerstelle und blies kräftig in die alte Glut, um das Feuer zu entfachen, und wirbelte dabei eine Menge Asche auf, die auf seinen rasierten Schädel herniederrieselte wie auf das Haupt eines reuigen Sünders am Aschermittwoch, den ein Priester mit reinigenden Verbrennungsrückständen bestreute. Doch von dem anschließenden, durch den Brauch vorgesehenen vierzigtätigen Bußgewandtragen, um seine Sünden öffentlich zu bereuen, war der junge Mann, wie es schien, noch unendlich weit entfernt, denn als er merkte, dass sein arisch anmutender Anhänger, der an seinem Hals baumelte, Bekanntschaft mit den glühenden Kohlen gemacht hatte, sprang er auf wie von einer Wespe gestochen, hielt sein Talisman behutsam an der Kette hoch und pustete heftig darauf mit besorgtem Gesicht, um es abzukühlen.

(?)
Leseecke Schließen
Lesezeichen setzen
 
Der Brockenwicht

Der Brockenwicht

Novelle von Nikolaus Warkentin
»Jetzt lesen

»Scheiße«, bedauerte er aufrichtig. »Jetzt habe ich das Teil angesengt. Das Kreuz ist an der Seite sogar geschmolzen. Mist!«

Alle lachten von Herzen und Dieter sagte spöttisch: »Du Blödmann! Wer hält denn schon die Nase in die Kohlen, wenn man Feuer macht?«

Die Suppe war gelungen. Ob es Sonjas Verdienst war oder schon der Hersteller sich große Mühe gegeben hatte, interessierte gegenwärtig keinen, alle löffelten konzentriert den nahrhaften Inhalt ihrer Plastikschüsseln und aßen dazu viel Brot, denn der Hunger war groß – die einen waren von heute Früh bis vor Kurzem unterwegs gewesen und keinen Bissen im Mund gehabt und die anderen spürten mit aller Deutlichkeit das zurückkehrende Unwohlgefühl in der Magengrube, das mit dem Nachlassen der Wirkung des Bieres wieder hochkam, und wollten es zusammen mit der schmackhaften Brühe hinunterschlucken.

»Nee«, sagte Johannes schließlich, »das mit dem Bier, das war ja nix! Es hat nix geholfen. Dieter, ihr habt doch Schnaps mitgebracht. Wo ist er?«

»Sonja, wo ist der Rucksack?«, fragte der muskulöse Haudrauf das Fräulein, das an der Seite von Hans saß, während er sich eine weitere Scheibe Brot aus der Packung holte.

»Liegt …«, versuchte das Mädchen mit vollem Mund zu sprechen, »Liegt im Zelt.« Sie führte den Löffel abermals zum Mund und ließ sich nicht vom Essen ablenken.

»Kannst du dann mal …«, wollte Dieter sie gerade auffordern, den Rucksack mit dem Schnaps aus dem Zelt zu bringen, als Johannes ihn unwirsch unterbrach.

»Hey, Mann!«, sagte er herrisch. »Ich hab doch dich gefragt! Lass sie in Ruhe.«

Dieter stellte unzufrieden seine Suppenschüssel auf den Boden, stand auf und ging zum Zelt, wo die Jungs die Sachen im Vorraum untergestellt hatten. Er kramte eine Zeit lang in den Taschen und Tüten, bis er fand, was er suchte.

»Wo sind ’n die Becher?«, fragte er anschließend.

| Seite 106 von 233 |

Günstige Downloads für Ihr Gerät

Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
PDF
Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
PDF Dokument: Format A5, 518 Seiten, Dateigröße 217.705 KB, Ausgeführte Dowloads 0, PDF-Reader zum Lesen erforderlich! Auch zum Lesen im Ebook-Reader geeignet
12,99 € N/A
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
EPUB
Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
E-Book im ePub-Format: Anzahl Seiten deviceabhängig, Dateigröße 917 KB, deviceübergreifend optimiert, Ausgeführte Dowloads 0, e-Book Reader zum Lesen erforderlich!
12,99 € »Epubli Verlag
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt Titel: Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt
Jetzt eine Printausgabe bestellen! Sie werden gleich auf die Seite des Verlages weitergeleitet, wo Sie Ihr Exemplar bequem erwerben können.
26,99 € »Epubli Verlag

Diese Seite weiterempfehlen

»Link an Freunde senden
Des Teufels Steg - Wenn sich die Pforte schließt von Nikolaus Warkentin

Kurzinhalt

Wolfgang Breitscheid, ein Handelsreisender in Sachen Wein aus Hannover, findet sich plötzlich in der Zeit des Spätmittelalters wieder, während er eine ungeplante Verkaufsreise in den Harz unternimmt. Sein neuer Bekannter, ein Schriftsteller namens Richard Knöpfle, besitzt diese Fähigkeit nicht, aber während er nach dem unerwartet verschwundenen Weinvertreter sucht, stößt er auf eine Zusammenkunft von Rechtsradikalen aus Jena, die im Harz ein Hexenfeuerfest feiern. Derweil sich Richard mit der arischen Vereinigung auseinandersetzt, macht Wolfgang Bekanntschaft mit der Heiligen Inquisition. Es kommt zu einer entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse und das Edle gewinnt – vorerst, denn das Übel ist nur schwer zu besiegen.
Nikolaus Warkentin

Über den Autor

Name: Nikolaus Warkentin
Geboren: 1962
Hauptberuf: Unternehmer
Hobby: Reisen
Veröffentlichungen: 3
Reiseroman: 1
Novelle: 1
Roman: 1
Kontakt: » E-Mail Nachricht
Statistiken

Zahlen & Daten zum Werk

Aufrufe: 7.968
Online Seiten: 233
PDF Downloads: 0
PDF Seiten: 518
EPUB Downloads: 0
EPUB Seiten: deviceabhängig
Druckzeichen: 1107796
Druckwörter: 202846
Buchseiten: 711
Erschienen: March 2024

Ihre Spende ist willkommen!

Wir stellen Ihnen gerne alle Inhalte unserer Webseite kostenlos zur Verfügung. Sie können die Werke auch in der E-Book-Version jederzeit herunterladen und auf Ihren Geräten speichern. Gefallen Ihnen die Beiträge? Sie können sie alle auch weiterhin ohne Einschränkungen lesen, aber wir hätten auch nicht das Geringste dagegen, wenn Sie sich bei den Autoren und Autorinnen mit einer kleinen Zuwendung bedanken möchten. Rufen Sie ein Werk des Autors auf, an den Sie die Zuwendung senden wollen, damit Ihre Großzügigkeit ihm zugutekommt.
Tragen Sie einfach den gewünschten Betrag ein und drücken Sie auf "jetzt spenden". Sie werden anschließend auf die Seite von PayPal weitergeleitet, wo Sie das Geld an uns senden können. Vielen herzlichen Dank!

Diese Seite weiterempfehlen

»Link an Freunde senden
Kreisende Punkte
Leseecke Schließen